Besuch Papst Benedikts in Thüringen

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Von Michaela Koller

ERFURT, 28. Mai 2011 (Vaticanista/Die Tagespost).- Der Besuch Papst Benedikts XVI. im thüringischen Erfurt am Freitag, den 23., und Samstag, den 24. September, ist bereits detailliert geplant. Wie das Koordinierungsbüro für den Papstbesuch in dem Bistum mitteilte, wird das katholische Oberhaupt von Berlin kommend gleich nach der Ankunft um 10.45 auf dem Erfurter Flughafen nach einer kurzen Begrüßung durch die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht vom Domkapitel um 11.15 Uhr im Mariendom empfangen. Für die Öffentlichkeit wird es auf dem Weg dorthin die Gelegenheit geben, den vorbeiziehenden Papst zu erleben.

„Er kommt zuerst einmal zur Ortskirche“, betonte Andreas Wallbillich, Sprecher des Koordinierungsbüros, am Donnerstag während eines Vorabbesuchs von Journalisten. Der Papst wird durch den gotischen Kreuzgang gehen, wo bereits die Lehrstuhlinhaber der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt auf eine kurze Begegnung mit ihm warten. Ihr Fachbereich befindet sich in den Räumlichkeiten, die an die Kunigundenhalle im Kreuzgang angrenzen. In derselben Halle wird der Pontifex sich in die Goldenen Bücher des Freistaats Thüringen und der Stadt Erfurt eintragen.

Auf eigenen Wunsch nutzt Papst Benedikt XVI. die Gelegenheit des Besuchs, am Grab des Apostolischen Administrators des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen, Bischof Hugo Aufderbeck, zu beten, das sich im mit Rosen bepflanzten Lichthof befindet. Benedikt XVI. kannte Aufderbeck seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, wo dieser unter anderem an der Pastoralkonstituion „Gaudium et Spes“ speziell zur Phänomen des Atheismus mitwirkte. Der 1981 verstorbene Erfurter Hirte war während der Zeit der DDR ein Grundpfeiler der katholischen Kirche dort gewesen.

Im Anschluss an die Begegnung mit der Ortskirche beginnt im Augustinerkloster um 11.45 Uhr der ökumenische Höhepunkt der Reise ins Kernland der Reformation: Ein Gespräch mit der Evangelischen Kirche Deutschlands im Augustinerkloster mit ökumenischem Wortgottesdienst bis mittags um 13 Uhr. Das Treffen beginnt im Kapitelsaal des Klosters, wo Martin Luther am 17. Juli 1505 als Novize aufgenommen wurde. „Der Saal war einst der einzige Ort im Kloster, wo die Mönche miteinander sprechen, ja auch streiten durften“, erinnerte Lothar Schmelz, Kurator des Evangelischen Augustinerklosters die Journalisten bei ihrem Besuch an die symbolische Bedeutung der Stätte.

Bei der Begegnung werden 15 evangelische Vertreter auf die päpstliche Delegation treffen, darunter Präses Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD, der auch nach einer kurzen gemeinsamen Vorbereitung mit dem Papst zusammen in die Augustinerkirche einziehen wird. Dort feierte am 2. Mai 1507 Martin Luther seine Primiz. Derzeit wird noch unter Hochdruck daran gearbeitet, wieder prachtvolle Fenster in die Kirche einzusetzen, von denen eines den Löwen mit der Rose zeigt, das Luther einst zu seinem Siegel mit der Lutherrose inspirierte. Nach eigenen Äußerungen erlebte er in dem Kloster seine prägendsten Lebensjahre. Die Originalfenster sind derzeit zur Instandsetzung entnommen. Es ist geplant, rund eine Woche vor dem Papstbesuch Faksimile einzusetzen.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, wie Lothar Schmelz verriet. „Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit Stolz und Freude erfüllt, dass dieser Besuch an diesem Ort und in dieser Stadt stattfindet“, sagte der evangelische Kurator. Das gelte nicht nur für Christen, sondern auch für konfessionslose Lokalpatrioten. Bis zum späten Nachmittag des 23. September bleibt Papst Benedikt in der thüringischen Landeshauptstadt, um dann zur Marianischen Vesper bei der Wallfahrtskapelle von Etzelsbach im katholischen Eichsfeld aufzubrechen.

Bei der Eucharistiefeier am Samstagmorgen auf dem Platz unterhalb des Dombergs, die um 9 Uhr beginnt, werden die Erfurter und Pilger aus angrenzenden Bistümern das Oberhaupt noch einmal sehen können. „Jeder ist dabei willkommen, auch Nichtgläubige“, betonte Sprecher Wallbillich. Der Platz in der Altstadt wird gefüllt werden: Die Vormerkungen zur Teilnahme überstiegen schon jetzt die Erwartungen.

[Erstveröffentlichung: © Die Tagespost, 28. Mai 2011]

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