Hoffnung auf konkrete Fortschritte in der Ökumene

Evangelische Christen bereiten sich auf Treffen mit Papst vor

Von Michaela Koller

ERFURT, 31. Mai 2011 (Vaticanista/Die Tagespost).-.- Die für seinen Septemberbesuch geplante Begegnung Papst Benedikt XVI. mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland gibt schon jetzt den Konfessionen gemeinsame missionarische Impulse in glaubensferner Umgebung. Oberkirchenrat Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte am Donnerstag vor Journalisten: „Es ist ein großes Zeichen, dass wir gemeinsam vor Gott treten.“ Bereits jetzt in der Vorbereitungsphase seien Katholiken und Protestanten einander zugewandt. Die evangelische Kirche erhoffe sich von der Zusammenkunft konkrete Fortschritte in der Ökumene, wie etwa die Lage der Ehepaare verschiedener Konfession zu erleichtern.

Mit Blick auf den 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober sagte Gundlach, es wäre wünschenswert, wenn katholische und evangelische Christen in einer ökumenischen Bemühung zu einer gemeinsamen Deutung kommen könnten. Dabei verwies er auf die Lutherdekade, mit der in jedem Jahr inhaltliche Schwerpunkte definiert und in Form von Großveranstaltungen, Landesausstellungen, wissenschaftliche Kongressen und Tagungen, Kulturveranstaltungen umgesetzt werden. Sie hat im September 2008 begonnen, genau 500 Jahre nach der Ankunft Martin Luthers in Wittenberg zu Beginn des Wintersemesters 1508/09. Während einst evangelische Christen Feierlichkeiten anlässlich des Reformationsgedenkens zur Abgrenzung gegenüber Katholiken nutzten, solle nun das Reformationsjubiläum 2017 von Offenheit, Freiheit und Ökumene geprägt sein.

Die Begegnung ist für Freitag, den 23. September ab 10.45 Uhr geplant und soll etwas mehr als eine Stunde lang dauern. Zunächst werden 15 Vertreter der Evangelischen Kirche Deutschland, darunter die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, im Kapitelsaal des Augustinerklosters mit der päpstlichen Delegation zusammentreffen. Martin Luther wurde dort am 17. Juli 1505 als Novize in den Orden der Augustiner aufgenommen. Anschließend ist ein ökumenischer Wortgottesdienst angesetzt, bei dem Präses Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD, mit dem Papst in die Augustinerkirche einziehen wird. Benedikt XVI. wird dabei predigen. „Dies ist ein ökumenischer Ort und ein evangelisches Zentrum für Frömmigkeit“, sagte Gundlach über die Stätte.

Als Grundlage für eine weitere Annäherung der Kirchen eigne sich die Magdeburger Erklärung der Kirchen zur gegenseitigen Taufanerkennung vom 29. April 2007. Erstmalig hatten damals die Deutsche Bischofskonferenz zusammen mit der EKD, orthodoxen und altorientalischen Kirchen sowie Freikirchen auf Bundesebene eine förmliche Erklärung über die wechselseitige Anerkennung der Taufe unterzeichnet. Bei der Unterzeichnung im Magdeburger Dom elf Kirchen vertreten. Über drei Jahrzehnte hindurch hatte es in Deutschland einzelne regionale Vereinbarungen zwischen katholischen Bistümern und Gliedkirchen der EKD gegeben, die wechselseitig die Taufe anerkannten. Aber es eine Vereinbarung auf der Ebene der EKD oder der Deutschen Bischofskonferenz gab es zuvor nicht.

Die Initiative ging bereits im Mai 2002 vom damaligen Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, aus. Er hatte angeregt, sich in den Bischofskonferenzen mit dem Thema Taufe und mit der ökumenischen Bedeutung der wechselseitigen Anerkennung der Taufe zu beschäftigen und zwischen den Kirchen entsprechende Vereinbarungen zu unterzeichnen.

Auch Oberkirchenrat Christhard Wagner, Beauftragter der Evangelischen Kirchen im Freistaat Thüringen, hofft, dass die Begegnung missionarisch ein gutes Zeichen setzt und evangelische und katholische Christen so ein gutes gemeinsames Zeugnis ablegen. Schon jetzt wirkten die Vorbereitungen auf die ökumenische Situation in Thüringen. „Das Ereignis bringt uns noch näher zusammen.“ In Thüringen leben 7,8 Prozent Katholiken und nur 31, 9 Prozent Christen insgesamt. „Hier hat die DDR ganze Arbeit geleistet“, sagte Oberkirchenrat Wagner. Auf die Frage nach der Religion sei von Jugendlichen zuweilen die Antwort zu hören, sie seien normal, was gleichbedeutend mit konfessionslos sei. Die Ökumene vor Ort sei in dieser Situation besonders lebendig, mit gemeinsamen Lehrangeboten, Gebetstagen und Wallfahrten.

Der katholische Ökumene-Referent des Bistums Erfurt, Monsignore Heinz Gunkel, erwartet von dem Treffen in Erfurt gegenseitige Aufmerksamkeit, die wechselseitigen Vorurteilen entgegenwirke. Nur Unwissenheit führe schließlich zu Angst. „Die gemeinsame Geschichte ist länger als die Geschichte, die uns trennt“, sagte er.

[Erstveröffentlichung: © Die Tagespost, 31. Mai 2011]

 

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