„Ein radikal Fragender und Glaubender“

Erinnerungen an die Priesterweihe Papst Benedikts vor 60 Jahren

Von Michaela Koller

FREISING, 22. Juni 2011 (Vaticanista).- Weggefährten Papst Benedikts XVI. haben den prominentesten des Weihejahrgangs 1951 am vergangenen Samstag von der oberbayerischen Domstadt Freising aus beglückwünscht. „Joseph – bleib so wie Du bist – werde kein Anderer“, appellierte der vitale 96-jährige Papstfreund und einstige Lehrer, Professor Alfred Läpple, in einem Film. Seinen früheren Studenten bezeichnete er als „radikal Fragenden und Glaubenden“ zugleich, der sich besonders durch Hineindenken und Verzeihen auszeichne.

Jubilare und Gratulanten im Freisinger Mariendom; Foto: Roswitha Biersack

Jubilare und Gratulanten im Freisinger Mariendom; Foto: Roswitha Biersack

Die Premiere der Dokumentation über die damalige Priesterweihe lief bei einer Festakademie des Regensburger Instituts Papst Benedikt XVI. aus Anlass des 60-jährigen Priesterjubiläums am 29. Juni. Die interviewten Zeitzeugen waren dazu zum Freisinger Domberg angereist, darunter Georg Ratzinger. Drei Jahre älter als sein Bruder Joseph, hatte ihm Michael Kardinal von Faulhaber am selben strahlend-sonnigen Freitag im Dom Sankt Maria und Sankt Korbinian die Hände zur Weihe aufgelegt. Freising ist seit diesem Tag „Heimat in seinem Herzen“, wie der Oberbürgermeister der Domstadt, Dieter Thalhammer, stolz über den Papst bemerkte. Als Geschenk wird nahe des Weiheortes eine Benedikt-Linde gepflanzt. Traunstein, der Primizort und nach Benedikts eigenem Bekunden seine Vaterstadt, beglückwünschte ihn mit einem Platzbenennung.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller sowie der Direktor des vatikanischen Verlagshauses Libreria Editrice Vaticana, Giuseppe Costa, präsentierten ein weitere Anerkennung für den Jubilar: Band 12 der ‚Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers‘ „Künder des Wortes und Diener eurer Freude“ zur Theologie und Spiritualität des Weihesakramentes. Papst Benedikt hatte sich diesen Band ausdrücklich gewünscht. Der Titel war am 8. Juli 1951 im oberbayerischen Traunstein Primizspruch Ratzingers. Die Sammlung umfasst wissenschaftlichen Studien, Predigten und Meditationen zum Dienst von Diakonen, Priestern und Bischöfen aus fast 50 Jahren.

Zum selben Thema hielt Paul Josef Kardinal Cordes, bis vorigen Oktober Präsident des Päpstlichen Rates Cor Unum, den Festvortrag. Der Kardinal, der in der Vergangenheit schon mehrfach Kontroversen angestoßen hat, bezog zu neuen Pastoralkonzepten angesichts des Priestermangels Stellung. Die vom Vorsitzenden des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Alois Glück befürwortete kooperative Leitung in Pastoralverbünden lehnt er ab. Die Seelsorge sei von einem geweihten Priester zu leiten. Die Identität des Priesters bleibe auf der Strecke, wenn sie nur an dessen Tätigkeitsfeld gemessen werde. Cordes warnte vor der Gefahr der „Selbstsäkularisierung der Kirche“, sollten der Glaube an Gott und seine Heilsgnaden nicht mehr im Zentrum stehen.

Den 60-jährigen priesterlichen Dienst des Beschenkten bezeichnete der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx wiederum beim abschließenden Gottesdienst als ‚ungeheuer großes Geschenk für die Kirche‘. Im Vatikan wird das Jubiläum mit einer Papstmesse am Hochfest Sankt Peter und Paul auf dem Petersplatz sowie mit einer Sonderausstellung begangen, zu der 60 Künstler aus der ganzen Welt beigetragen haben und die der Papst am 4. Juli eröffnen wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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