„Die gottgegebene Menschenwürde nach außen sichtbar werden lassen“

Neues Buch über den Geist guten Stils

AUGSBURG, 29. Juni 2011 (Vaticanista).- Beim guten Stil kommt es auf die innere Haltung an. Davon ist die katholische Journalistin und Buchautorin Monika Gräfin Metternich, Mitglied des bekannten Adelshauses, überzeugt. So führt sie nun ihre Lesergemeinde in einem neuen Buch durch die Welt des guten Stils, das Mitte Juni im Augsburger Sankt Ulrich Verlag erschienen ist. Der Titel lautet: „Vornehm geht die Welt zu Grunde. Eine kleine Stilkritik“.

Copyright: SUV

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Eines macht die Autorin von Beginn an klar: Stil ist keine Frage von Regeln, von Ge- und Verboten. So wenig das Befolgen von Schrittfolgen allein einen guten Tänzer ausmacht, so wenig garantieren Benimmregeln allein einen guten Stil. Gräfin Metternich nimmt deshalb die klassischen Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit zum Ausgangspunkt ihrer Rundreise durch die Welt des guten Stils.

Diesen Tugenden ordnet sie dann die einzelnen Stationen zu, von den Tischsitten über den Dresscode bis hin zur gelebten Zivilcourage. Zahlreiche konkrete Beispiele und Anekdoten aus der Welt der Reichen und Schönen verdeutlichen, was wirklich stilvoll ist, und was gerade nicht. Andreas Laska ging in einem Interview dem Stilbegriff der Autorin auf den Grund.

Sieht man sich auf Partys oder Opernpremieren um, hat man den Eindruck, dass Stilbewusstsein wieder „in“ ist. Können Sie diesen Eindruck bestätigen?

Gräfin Metternich: Wenn man darunter das angemessene Outfit zur rechten Gelegenheit versteht, stimme ich vorsichtig zu – zumindest scheint die Zeit, in der die höchste Form der demonstrativen Individualität darin bestand, die allerlöchrigsten Jeans zur Premiere oder zur Party auszuführen, passé zu sein. Man macht sich wieder schick – allerdings gehen die Geschmäcker in der Beurteilung, was davon „stilvoll“ ist, zuweilen sehr weit auseinander. Das ist das Hauptproblem mit dem Stil – dass eigentlich niemand so genau weiß, was Stil eigentlich ist. Mein Buch unternimmt den waghalsigen Versuch, das zu ändern.

Bei Stil denken viele gleich an Knigge – also an einen Katalog von Benimmregeln für diverse Lebenssituationen. Ist Stil eine Frage von Regeln?

Gräfin Metternich: Stimmt, heute wird Stil häufig gleichgesetzt mit korrektem Verhalten, das geeignet ist, einen selbst vornehm erscheinen zu lassen mit dem Ziel, vor anderen blendend dazustehen, weil man zum Beispiel Schneckenzangen und Austernmesser perfekt anzuwenden versteht. Ein riesiges Missverständnis, das sich bereits als fatal erweisen kann, wenn in einem anderen Land andere Sitten herrschen als die bei uns gerade üblichen Benimmformen. Wahrer Stil streckt sich aber stets und überall nach innerer und äußerer Harmonie aus. Diese zu erreichen, dafür gibt es schon ein paar grundlegende Regeln – aber eben vollkommen andere, als uns in gängigen, sogenannten Stilratgebern begegnen.

In Ihrem Buch weisen Sie stilvolles Benehmen den klassischen Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit zu. Warum?

Gräfin Metternich: Stil hat, genau wie es auch beim Tanz ist, immer etwas mit Virtuosität und Harmonie zu tun, mit Taktgefühl, Leichtigkeit und oft einem Schuss von Genialität. Diese virtuose Grundanlage, die jedem Menschen inne liegt, ganz unabhängig von Klassen, Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten, muss aber entwickelt und kultiviert werden, sonst verkümmert sie und kann mit „Benimm“ nur unzulänglich kompensiert werden. Die klassischen Tugenden – vom Lateinischen „virtus“, Tugend, kommt ja das Wort „virtuos“ – sind geeignet, dieses Beste, Genialste in jedem Menschen hervorzuzaubern, zu kultivieren und zu Hochformen auflaufen zu lassen. Das wussten schon die alten Griechen. Und ich habe versucht, ihr wunderbar virtuoses Stilvermächtnis möglichst locker, leicht und amüsant neu aufzulegen.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie Stil aus einer dieser Tugenden erwächst?

Gräfin Metternich: Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel: Unsere Höflichkeitsrituale. Stilvolle Menschen sagen ganz selbstverständlich und ohne groß darüber nachzudenken „bitte“ und „danke“, wenn sie um etwas fragen oder es erhalten, selbst wenn es sich nur um 150 Gramm Wurst an der Fleischtheke im Supermarkt oder um ein Bahnticket handelt, für das sie bezahlen. Dieser fast unbewusste Reflex (der übrigens in der Kindererziehung unbedingt wieder entdeckt werden sollte!) geht zurück auf die Tugend der Gerechtigkeit und ist dem alten Prinzip „suum cuique“ verpflichtet: jedem das Seine. Bitte und Dank gelten dabei nicht dem stattfindenden Handel, sondern dem Menschen, der mit mir in Verbindung tritt und mit dem mich eines ganz existentiell verbindet: Die gemeinsame Zugehörigkeit zur Menschenfamilie, die mehr fordert als ein tumbes, wortloses Geben und Nehmen.

Kurzes Fazit: Was ist für Sie ein stilvoller Mensch?

Gräfin Metternich: An vielen Beispielen zeige ich auf, dass wirklich stilvolle Menschen sehr oft ohne jede vornehme „Allüre“ auskommen: Leute, die Flüchtlingen gastfreundlich ihr Haus öffneten, die starkmütigen Menschen in der DDR, die gewaltfrei für Freiheit und Gerechtigkeit kämpften, die Widerstandskämpfer des Dritten Reiches, die unter grauenhaften Bedingungen grandiosen Stil zeigten. Ein stilvoller Mensch, das ist das Fazit meines Buches, ist jemand, dessen gottgegebene Menschenwürde nach außen sichtbar wird.

 

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