Katholische Kirche auf Kuba setzt sich für weitere Freilassungen ein

„Nur durch einen Regimewechsel bessert sich Lage der Dissidenten entscheidend“

HAVANNA/ FRANKFURT, 29. Juni 2011 (Vaticanista).- Die Katholische Kirche will sich offenbar für die Freilassung der verbliebenen politischen Gefangenen einsetzen. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt erfuhr, sagten Vertreter der Diözese Havanna bei einem Treffen der Sprecherin der „Damen in Weiß“ Laura Pollán zu. Pollán berichtete der IGFM: „Sie haben uns zugesagt, dass sie uns dabei helfen werden, zu erreichen, dass die Gefangenen befreit werden, die wir als politisch ansehen.”

Bisher sind laut IGFM als Ergebnis der Verhandlungen zwischen katholischer Kirche und der Castro-Diktatur bereits rund 130 gefangene Regimekritiker aus der Haft entlassen worden. In fast allen Fällen wurde dies an die Bedingung geknüpft, ins spanische Exil zu gehen. In den letzten Monaten war dieser Prozess ins Stocken geraten. Nach Angaben der IGFM sitzen jedoch noch rund 60 politische Gefangene in kubanischen Haftanstalten ein.

IGFM-Sprecher Martin Lessenthin fordert vom kubanischen Regime, die verbliebenen politischen Gefangenen sofort und ohne jede Auflage freizulassen: „Die Castro-Diktatur hat lange genug das Leben dieser Freiheitskämpfer und ihrer Familien zerstört. Sie muss sie als freie Menschen in Kuba leben lassen. Zwangsexil ist keine wirkliche Freilassung“.

Unterdessen wird der Druck auf die kubanische Regierung besonders nach dem Tod des Oppositionellen Juan Wilfredo Soto am 8. Mai vorigen Jahres immer größer. Der Dissident war gestorben, nachdem Sicherheitskräfte ihn er brutal zusammengeschlagen hatten. Bis heute streitet die kubanische Regierung jegliche Schuld am Tod Sotos ab. Mehrere Dissidenten, darunter Sacharow-Preisträger Guillermo Fariñas, waren daraufhin vorübergehend in einen Hungerstreik getreten.

Inzwischen hat der inhaftierte kubanische Bürgerrechtler Jorgé García Cervantes Angaben der IGFM zufolge in der Nacht auf Montag dieser Woche seinen Hungerstreik beendet. Aus Kreisen der kubanischen IGFM-Gruppe wurde bekannt, dass nach 30 Tagen Hungerstreik das Castro-Regime einer Haftentlassung unter der Voraussetzung zugestimmt hat, ihn mit Familie unmittelbar nach seiner Freilassung ins Exil nach Spanien abzuschieben.

Der kubanische Menschenrechtsverteidiger war 15 Jahre wegen „Respektlosigkeit gegenüber Castro“ und „konterrevolutionären Aktivitäten“ in Haft, wo er an Tuberkulose erkrankte. Im Juni vorigen Jahres wurde er bedingt freigelassen, seine Reststrafe in vier Jahre auf Bewährung umgewandelt. Die Bewährung wurde Ende Mai aufgrund seines fortwährenden Engagements für Menschenrechte ausgesetzt. Er hatte Poster mit Kritik am sozialen und infrastrukturellen Verfall auf Kuba auf öffentlichen Plätzen angebracht. Jorgé Cervantes García wurde am 29. Mai schließlich erneut verhaftet. Seit dem Tag seiner erneuten Inhaftierung in der Zentrale der Staatssicherheit „Versalles“ in Santiago de Cuba befand sich Cervantes nach Angabn der IGFM im Hungerstreik, der ihn in Lebensgefahr gebracht habe.

Cervantes Fall war zuvor verstärkt ins internationale mediale Interesse gerückt, da befürchtet wurde, dass es sich um einem „zweiten Orlando Zapata Tamayo“ handeln könnte. Der inhaftierte Menschenrechtler Zapata Tamayo war am 23. Februar vorigen Jahres nach einem 85-tägigen Hungerstreik auf Kuba gestorben. Sein Tod hatte eine Welle der Entrüstung in der Welt ausgelöst. In Folge dessen sah sich das Castro-Regime zu den Verhandlungen mit der katholischen Kirche und Bürgerrechtlern gezwungen, in deren Folge alle politischen Gefangenen der sogenannten „Gruppe der 75“ entlassen und ins Zwangsexil nach Spanien abgeschoben wurden.

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