„Baut eine spirituelle Kathedrale“

Tage der Begegnung in Burgos

Von Michaela Koller

BURGOS, 16. August 2011 (Vaticanista).- Zwischen den bunt bedeckten Köpfen der Weltjugendtagspilger taucht auf einmal mit silberner Krone und goldglänzendem Gewand die Skulptur der Santa María la Mayor, der Diözesanpatronin des kastilischen Burgos auf. Jugendliche Weltjugendtagshelfer heben die Muttergottesdarstellung auf massiven Stützbalken in die Höhe und beginnen eine kleine Prozession.

Die Santa María la Mayor von Burgos; Foto: Koller

Die Santa María la Mayor von Burgos; Foto: Koller

Glitzerndes Konfetti regnet auf die Darstellung der Gefeierten herab, immer und immer wieder, bis die Marienfigur hinter weißen Liliengestecken für alle Gläubigen auf der Plaza del Rey San Fernando ihren festen Platz findet. So wie mit den jungen Gästen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Argentinien, China und vielen anderen Ländern feiern die Katholiken in Burgos jedes Jahr traditionell das Fest Mariä Himmelfahrt: Vor der historischen Kulisse der gotischen Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert, die der heilige Ferdinand, König von Kastilien und Léon, begründete.

„Ihr könnt jetzt im 21. Jahrhundert eine spirituelle Kathedrale bauen“, ruft Erzbischof Francisco Gil Hellín die Jugendlichen in seiner Predigt auf, ein geistiges Gotteshaus gegen den „Relativismus, Hedonismus und Egoismus unserer Zeit“. Später, am Ende der Aussendungsmesse, die traditionell die Tage in den Diözesen abschließt, verabschieden sich Jugendliche in Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch: „Spätestens in Madrid, aber schon bei der nächsten Eucharistie können wir wieder vereint sein“, heißt es da in Anspielung auf die Gemeinschaft in Christus in dem heiligen Sakrament.

Erzbischof Hellín nennt Heilige als Vorbilder; Foto: Koller

Erzbischof Hellín nennt Heilige als Vorbilder; Foto: Koller

Zum Auftakt der Tage der Begegnung hatte Erzbischof Hellín an die jungen Gäste appelliert, gerade in diesen Tagen voll geistlichen Programms über ihre Berufung nachzudenken, ob zu einem geweihten Leben oder in einer christlichen Familie. Als Vorbilder stellte er ihnen erstmals die Heiligen vor, die aus Burgos stammen, darunter Bischof Julian, Abt Lesmes, Ordensgründer Dominikus sowie Bruder Rafael Arnaiz, der im Jahr 2009 von Papst Benedikt XVI. heilig gesprochen wurde. Der Trappist und Mystiker musste dreimal sein Kloster wegen seiner Diabetes verlassen und starb schließlich geschwächt an einer Infektion im Jahr 1938 im Alter von 27 Jahren. Der selige Papst Johannes Paul II., jetzt Weltjugendtagspatron, war es, der Bruder Rafael bei der Begegnung mit der Jugend in Santiago de Compostela 1989 als Vorbild in der Nachfolge Christi vorstellte. In einer Nachtvigil nach dem Eröffnungsgottesdienst lernten jungen Pilger seine Geschichte kennen, unter ihnen auch mehrere Gruppen der Jugend 2000, aus den Diözesen München und Freising, Regensburg, Rottenburg und Speyer.

Am Abend vor der Eröffnung staunten die Gäste und Kellner der Bodegas am Santa María-Bogen am Rand der Plaza nicht schlecht: Im Pilgerlook, mit Trägerhemdchen, T-Shirts, Bermudas, mit Stroh- oder Schlapphut, einige wenige mit Lederhose oder Dirndl bekleidet sangen und tanzten die Münchner. Im Kreis aufgestellt, rhythmisch klatschend luden sie auf Englisch zum Gebet, sangen Lobpreislieder, sogar auf Spanisch „Santa Maria, madre de dios, prega por noi – Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns“.

Münchner Jugend 2000 tanzt Spanisch; Foto: Koller

Münchner Jugend 2000 tanzt Spanisch; Foto: Koller

„Die haben sich richtig verausgabt“, sagte Pfarrer Georg Guggemos aus Landsberg, der aber selbst kräftig mitsang. Eigentlich hätten die Münchner ja richtig geschafft sein müssen: Nach der zweiten Nacht auf Feldbetten in der Turnhalle des Gymnasiums La Salle hatten sie den ganzen Tag über die spanischen Gastgeber durch die Stadt geführt: von der San Gil-Kirche mit ihrem wundertätigen Kruzifix, über den städtischen Abschnitt des Jakobswegs, über die Malatos-Brücke zur gotischen San Nicolás-Kirche, an der sich ebenso wie an der Kathedrale Kölner Künstler vor Jahrhunderten verewigt hatten, sowie zum benachbarten Hospital del Rey.

Von dort zogen die Pilger mit ihren Begleitern zur als Weltkulturerbe geschützten Kathedrale, wo sich die Grabdenkmäler des Cid und seiner Gemahlin Dona Jimena befinden. Die Hauptfigur des Heldenepos „El Cantar de Mío Cid“ diente im 11. Jahrhundert dem kastilischen König, bevor vorn dort verbannt für den maurischen König von Zaragoza in Schlachten zog. Fünf Jahre, von 1094 bis 1099, herrschte er selbst in Valencia.

Die Kathedrale des heiligen Ferdinand; Foto: Koller

Die Kathedrale des heiligen Ferdinand; Foto: Koller

Am Tag darauf führte eine weitere Besichtungstour in die Umgebung der Stadt: Das Kartäuserkloster Miraflores, wo die Eltern Isabella der Katholischen begraben liegen stand ebenso auf dem Programm wie das Kloster San Pedro de Cardegna, in dessen Obhut einst die beiden Töchtern des Cid verblieben, als er samt Ehefrau in die Verbannung zog. Sie beide stehen nahe des Quinta-Parks mit seinen großen Grünanlagen, die zum Camping, Minigolf und Picknick einladen – oder auch zum Tanzen: Eine spanische Pilgergruppe traf nach dem Mittagessen auf unsere Gruppe von 43 Münchnern und aus der Siesta wurde dann bald eine Fiesta: Die Spanier klatschten und sprangen auf dem dörren Gras wie die Bayern, die selbst spanisch tanzen lernten. Ihr Lachen hallte dabei laut durch den Park.

Nicht nur zu lebhaften Spaß und stimmgewaltigem Lobpreis war die Jugend 2000 mit Bussen aus Deutschland gekommen, sondern auch zu Freude in der Stille: Der Siegsdorfer Pfarrer Thomas Graf von Rechberg lud daher vor der ersten Nachtruhe zum Rosenkranzgebet, unter anderem für diejenigen, die als Heranwachsende „an ihrem Leib verletzt wurden“, sprich Opfer von Missbrauch und Gewalt. Für Gott seien Geist, Seele und der Leib wichtig, betonte der Pfarrer. Er leitete auch die Anbetungsfeier „Music and Prayer Festival“ am vorletzten Abend in Burgos in der großen vollbesetzten Sankt-Julianskirche: Die spanischen Gasteltern, die einen Teil der Jugend 2000 beherbergten, erlebten die jungen Deutschen knieend vor dem Allerheiligsten in der Monstranz, in in stiller Andacht und bei leisem Gesang.

Es war Gelegenheit, nochmal im Gebet seine Erwartungen oder die Hoffnung anderer im Hinblick auf die kommenden Tage vor Gott zu tragen. Auf der Busreise nach Burgos hatten sich die jungen Leute mit ihren Wünsche vorgestellt. „Ich wünsche mir, dass ich tiefer in den Glauben finde“, sagte Susann (30). Christoph (25) möchte mehr über den katholischen Glauben erfahren und Jonas (23) hofft ganz auf „ganz viel Segen von oben“, weil er demnächst eine Motorradreise um die Welt antritt. Auf ihrer Pilgerschaft wird sie alle ab Donnerstagabend bis Sonntagsmittag Papst Benedikt XVI. begleiten.

 

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