„Ein österliches Erlebnis“

Weltjugendtag in Madrid feiert frenetisch Papstankunft

Von Michaela Koller

MADRID, 19. August 2011 (Vaticanista).- Hunderttausende jubelnder und Fahnen schwenkender Menschen haben am Donnerstag Papst Benedikt XVI. in der spanischen Hauptstadt Madrid zum 26. Weltjugendtag begrüßt. Jugendliche aus 193 Nationen standen mindestens fünf Stunden dicht gedrängt, um wenigstens einen Blick auf die Übertragungsleinwände zu ergattern, die im Umkreis von einigen Kilometern um die Plaza Cibeles aufgestellt waren. Auf dem sonst stark befahrenen Platz feiern die Fußballer von Real Madrid ihre Triumphe. Die La Ola Wellen galten aber nun dem Stellvertreter Christi, der sich im Papamobil langsam nahte. Filipinos neben Peruanern, Italiener neben Deutschen sangen einmütig die Hymnen „Jesus Christ you are my life“ und „Firmes en la fe“, während die Masse mit Löschschläuchen und Wasserbomben abgekühlt wurde.

Freuen sich auf die Ankunft des Papstes: Die Münchner Gruppe von Jugend 2000; Foto: Koller

Freuen sich auf die Ankunft des Papstes: Die Münchner Gruppe von Jugend 2000; Foto: Koller

„Man spürt richtig, wie die Wärme in dem Gedränge hochkommt“, sagte der 20-jährige Peter Plischke aus dem oberbayerischen Markt Schwaben, der mit der Münchner Jugend 2000 in Madrid war. Kirchenvertreter aus Deutschland beklagten bereits nach der Eröffnungsmesse am Dienstag, die Antonio María Kardinal Rouco Varela, Erzbischof von Madrid leitete, organisatorische Mängel rund um den Auftakt. BDKJ-Präses Pfarrer Simon Rapp kritisierte laut Domradio nicht ausreichende Rettungswege, mangelhafte Trinkwasserversorgung für die Jugendlichen und schlechte Sichtverhältnisse.

Plischke und seine Mitpilger, die Geschwister Rochus und Marco Gnacy, schätzten die Situation in ihrer Ecke nahe der Plaza am Donnerstag auch für gefährlich ein. „Wir waren vorher viel mehr, mindestens ein Dutzend, aber den Anderen wurde es zu viel. Sie sind früher gegangen.“ Dank des beherzten Eingreifens des Trios konnten nacheinander zwei erschöpfte junge Frauen, eine aus Indien und eine aus der Dominikanischen Republik im Gewimmel vor Blessuren bewahrt werden. Die jungen Männer hoben sie über die Absperrung in einen Sperrbereich, von wo nach und nach auch verängstigte Kinder von freiwilligen Helfern mit ihren hellgrünen Polo-Shirts aus der Menge gezogen wurden.

Jugendliche tanzen Waka Waka von Shakira; Foto: Michaela Koller

Jugendliche tanzen Waka Waka von Shakira; Foto: Michaela Koller

„Ésta es, la juventud del Papa“ skandierten die besonders stark vertretenen jungen Leute spanischer Sprache, also „Dies ist die Jugend des Papstes“. Sie begrüßten ihren Heiligen Vater auch besonders frenetisch, als er bei der Begrüßung durch einen jungen Mann aus Lateinamerika dessen helolen Gaucho-Strohhut auf sein Pileolus setzte. „Liebe Freunde, seid klug und weise, baut euer Leben auf den festen Grund, der Christus ist“, mahnte er alle Versammelten schließlich. Diese Weisheit und Klugheit werde die Schritte der jungen Leute leiten. Nichts werde ihnen Angst bereiten.

„Und in eurem Herzen wird der Friede herrschen“, versprach er ihnen. Ihre Freunde, die noch nicht glaubten, würden von der Freude angesteckt und sich fragen, was das Geheimnis dahinter ist. „Sie werden entdecken, dass der Fels, der das ganze Gebäude trägt und auf den sich euer ganzes Leben stützt, die Person Christi selbst ist, euer Freund, Bruder und Herr, der menschgewordene Sohn Gottes, der dem gesamten Universum Beständigkeit verleiht“, gab Papst Benedikt XVI. ihn mit auf den Weg.

Die Deutschen verfolgten die in spanischer Sprache gehaltene Ansprache am Radio, wo Simultanübersetzungen durchgesagt wurden. „Ich danke Euch, dass Ihr so zahlreich gekommen seid, um Euren Glauben an Jesus Christus zu bezeugen und zu vertiefen. Er ist es, der Eurem Leben einen Sinn gibt“, sprach das Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken, von einem weißen Schirm vor der Sonne geschützt in seiner Muttersprache zu den deutschen Pilgern. Pfarrer Georg Guggemos aus dem oberbayerischen Landsberg am Lech, der die Gruppe um Peter Plischke und seine Freunde begleitet und sich einen Sitzplatz weiter hinten in der Menge sichern konnte, sagte im Anschluss an die Begrüßungsfeier: „Hunderttausende sangen wie aus einer Kehle das Händel-Halleluja zum Schluss – das war für mich persönlich ein österliches Erlebnis“.

Zwei Tage zuvor am selben Platz nannte der Erzbischof von Madrid die Jugendlichen bei der Eröffnungsmesse die Generation Benedikts XVI.: „Das ist nicht dieselbe Johannes Pauls II. Euer Platz im Leben hat seine Besonderheiten.“ Ihre Probleme und Lebensumstände seien andere. „Die Globalisierung, die neuen Kommunikationstechnologien, die Wirtschaftskrise und so weiter haben Einfluss auf Euer Leben, zum Guten, aber auch zum Schlechten“, sagte Kardinal Rouco Varela. Und Kardinal Stanislaw Rylko sprach zu den Weltjugendtagsteilnehmern: „Ihr seid gekommen, der Welt, besonders Europa, das anscheinend total verloren ist, Euer standhaftes ‚Ja‘ laut mitzuteilen. Ja, Glauben ist möglich.“

In einer ersten Katechese am Mittwoch im Colegio Christo Rey im Nordosten Madrid erfuhren die Pilger von Jugend 2000 durch Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar der Arabischen Halbinsel, über die schwierige Situation christlicher Arbeitsmigranten in diese Länder. Der schweizerische Kapuziner lebt in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Bischof Hinder anvertraute „Diözese“ ist in geographischer Hinsicht dank des drei Millionen Quadratkilometer umfassenden Territoriums die größte der Welt. In ihr sind Völker 90 verschiedener Nationalitäten vertreten. Sie umfasst Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrein, Oman, Yemen, Qatar und Saudi-Arabien. Das Apostolische Vikariat wurde im Jahr 1889 eingerichtet und ist dem Kapuzinerorden anvertraut.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verband am Donnerstag fundamentaltheologische Katechese mit einem ganz persönlichen Glaubenszeugnis. Nach einem „furchtbar schmerzhaften Krebsleiden“ sei seine Schwester im vorigen Jahr, getragen vom Glauben an Jesus Christus mit friedlichem Gesichtsausdruck auf dem Totenbett im Kreise der Familie eingeschlafen. „Es kommt auf das Fundament an“, sagte er. Wie sie Jesus als „besten Bräutigam der Welt“ entdeckt hat, berichtete im Anschluss an Müllers Ausführungen die Juristin und Theologin Nina Heereman unter Applaus in einem Bekehrungszeugnis. „Dort, wo Christus nicht der erste Platz eingeräumt wird, zieht er sich zurück“, warnte sie die überwiegend jugendlichen Zuhörer. „Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird Euch gegeben werden.“

 

 

 

 

 

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Bewegungen - Initiativen, Nachrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.