„Vielen Dank für eure Freude und Ausdauer“

Nahezu zwei Millionen feiern eucharistische Anbetung in Madrid

Von Michaela Koller

Jugend 2000 aus Bayern unter der Rautenflagge; Foto: Koller
Jugend 2000 aus Bayern unter der Rautenflagge; Foto: Koller

MADRID, 21. August 2011 (Vaticanista).- Beim katholischen Weltjugendtag im sonst sehr trockenen Madrid halten bayerische Pilger auf Militärflugplatz von Cuatro Vientos Regen bei der Abendandacht stand. Viele Gruppen ziehen währenddessen schon wieder ab. Schon nach wenigen Worten muss Papst Benedikt XVI. die Vigilfeier wegen Sturm und Nässe unterbrechen. Die Pilgergruppe der katholischen Jugendorganisation Jugend 2000 aus mehreren bayerischen Diözesen hat zwar gute Sicht auf eine nahegelegenen und drei weiter entfernte Übertragungswände.

Aber nach dem Wetterumschwung fällt eine Wand nach der anderen aus. Bevor das Bild auf der letzten Wand einfriert, ist darauf Benedikt XVI. hinter einem weißen Schirm zu sehen, der im Sturm hin und hergerissen wird, während der 84-Jährige Ruhe bewahrt und lächelt. Die Bayern sehen schließlich von dem Oberhaupt der katholischen Kirche nichts mehr als einen kleinen goldenen Punkt auf der weit entfernten Altarinsel. „Ich habe den Papst mit meinem Fotoapparat noch heranzoomen können“, sagt Anna Frei aus dem oberbayerischen Landsberg.

Anna Frei und Kathrin Morenweiser freuen sich über den Papst; Foto: Koller

Anna Frei und Kathrin Morenweiser freuen sich über den Papst; Foto: Koller

Die 17-Jährige hüpft mit Freundinnen, alle mit Regencapes geschützt, im Kreis. Sie singen dazu „Benedikt aus Bayern, wir wollen mit die feiern.“ Andere in ihrer Gruppe schützen sich mit ihren Luftmatratzen, die sie für die Übernachtung unter freiem Himmel mitgebracht haben, vor der Nässe. Viele jungen Leute rufen immer wieder: Ésta es, la juventud del Papa – Dies ist die Jugend des Papstes, unterbrochen von „Benedicto“-Rufen aus voller Kehle, die mit einer Vuvuzela begleitet werden. Die Übertragung bleibt weiter unterbrochen.

Da ist auf einmal eine Frauenstimme zu hören, die sich durch die Lautsprecher an die bis zu zwei Millionen richtet. Die Leitung des Weltjugendtags möchte ein paar Momente abwarten, bis es wieder trocken wird. „Wir benötigen viele Gebete von Euch“, appelliert sie an die Zuhörer. Singend und skandieren machen sich diese weiter Mut zum Durchhalten. Der Regen hört auf, da erklingt die Stimme des Papstes: „Queridos Amigos!“ – „Liebe Freunde!“ Jubel brandet auf. „Vielen Dank für Eure Freude und für eure Ausdauer.“ Die Bayern rufen laut: „Yeah“. Nach weiteren Momenten der Stille auf der Leinwand ist er plötzlich wieder zu sehen, diesmal im goldenen Messgewand und goldener Mitra, der Kopfbedeckung der Bischöfe. Er lädt die Teilnehmer ein, mit ihm zu Jesus zu beten, der in der Eucharistie, der geweihten Hostie in der Monstranz auf dem Altar gegenwärtig sei. Viele der jungen Leute knien auf einmal, andere bleiben andächtig stehen, alle sind auf einmal nach all dem Jubel ganz ruhig.

Nach der Andacht bedankt sich Benedikt noch einmal bei den Versammelten. Die bayerischen Pilger jubeln frenetisch, als er noch einmal von einem Ansager ausrichten lässt: „Ihr seid herrlich.“ Im Anschluss an den Auftritt Benedikts XVI. nieselt es wieder leicht. Trotzdem hüpft Anna wieder mit ihren Freundinnen ausgelassen, Partystimmung ist angesagt. Viele junge Leute feiern wie sie weiter, einige noch bis tief in die Nacht. Am nächsten Morgen fällt sogar die Verteilung der Kommunion an die Pilger aus, weil die Hostien in der Nacht vor dem Sturm gerettet werden mussten.

Eine Reihe Teilnehmer schliefen kaum, weil ihre Schlafsäcke durchnässt waren, darunter auch die 30-jährige Susann Heydenreich. Für die Münchnerin hat es sich doch gelohnt, ausgeharrt zu haben. Sehr bewegt ist sie von der Bitte einer jungen Berlinerin. „Ich fand es super stark, dass sie sich als Nichtchristin auf der Suche nach Gott an den Papst wendet und ihn um Hilfe bittet“, erklärt die Pilgerin.

Susann Heydenreich freut sich ausgeharrt zu haben; Foto: Koller

Susann Heydenreich freut sich ausgeharrt zu haben; Foto: Koller

Eine junge Frau aus der Bundeshauptstadt hatte sich zu Beginn der Vigilfeier als „einzige, die keine Christin ist“ in deutscher Sprache auf der Altarinsel vorgestellt. Sie sei sehr beeindruckt von dem, was Jesus zu Lebzeiten selbstlos für die Menschen getan habe. Sie könne aber nicht glauben, dass Jesus ausgerechnet sie lieben soll, da es doch so viele Menschen gebe. Aus diesem Grund wisse sie nicht, welchen Weg sie gehen solle.

Susann Heydenreich selbst ist erst vor sechs Jahren getauft worden, nachdem sie aus Sachsen-Anhalt in die bayerische Landeshauptstadt umgezogen war. Sie erlebte den Papst einen Monat nach ihrer Aufnahme in die katholische Kirche beim Weltjugendtag in Köln. Nun hofft sie ihn schon wieder in einem Monat bei seinem Besuch in Berlin sehen und hören zu können. „Es ist mir wichtig, dass er dort zu den Menschen spricht, wo viele wie ich früher, nicht gläubig sind.“ Am nächsten Morgen fährt wenige Meter entfernt im warmen Sonnenlicht Papst Benedikt im Papamobil an ihr und den anderen Teilnehmern aus Bayern vorbei. In seiner Predigt appelliert er an die jungen Zuhörer: „Auch euch obliegt die außerordentliche Aufgabe, Jünger und Missionare Christi in anderen Gegenden und Ländern zu sein.“

Das Oberhaupt der katholischen Kirche war am Donnerstag in Madrid zum Weltjugendtag angekommen und hatte am Freitag mit den Teilnehmern den Kreuzweg gebetet. Das Treffen von rund zwei Millionen junger Leute ist am Sonntag mit der heiligen Messe zu Ende gegangen. Der nächste Weltjugendtag findet 2013 in Rio de Janeiro statt.

 

 

 

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