Mit Christus das Okkulte überwinden

Über Voodoo und andere magische Kulte

Von Felizitas Küble*

MÜNSTER, 28. November 2011 (Vaticanista).- Als Papst Benedikt XVI. Mitte November 2011 das westafrikanische Land Benin besuchte, war er auch mit dem Voodoo-Kult konfrontiert, der dort amtlich als Religion anerkannt ist. Das Oberhaupt der katholischen Kirche paßte sich freilich dieser „Lage“ nicht an und scheute nicht das offene Wort angesichts dieser Herausforderung: Das Evangelium bezeichnete er ausdrücklich als Befreiung vom Okkulten und als Sieg über die „bösen Geister“, als er im Seminar St. Gallus in Ouidah sprach.

Dabei verwarf der Papst durchaus nicht alle vor- oder außerchristlichen Traditionen. Eine vorsichtige Inkulturation hat die Kirche seit Jahrtausenden stets gutgeheißen und auch praktiziert; abgelehnt wurde jedoch der Synkretismus, wobei Religionsvermischungen mitunter schillernd und daher nicht sofort als solche erkennbar sind, gerade auch im Zusammenhang mit Voodoo.

Das Christentum ist eine umfassende Wahrheit, daher kann es auch all jenes umfassen, was in anderen Weltanschauungen, Philosophien und Traditionen gut und richtig ist. Dies ist Bestandteil einer offenherzigen Liebe zur Wahrheit, aber auch zu den Menschen, die Christus nähergeführt werden sollen.

Daher stellte der Papst klar: „Diese Liebe begünstigt die korrekte Integration der authentischen Werte der Kulturen in den christlichen Glauben.“ – Eine solche Haltung sei zugleich ein wirksames Gegenmittel gegen den Synkretismus, wie Papst Benedikt erläuterte.

Zur aufrichtigen und konsequenten Evangelisierung gehört gleichwohl auch die Abwehr des Irrgeistigen, Heidnischen und Abergläubischen in nichtchristlichen Religionen und Kulturen. „Religion“ ist eben nicht von vornherein etwas Gutes und Wahres; gerade sie kann sehr wohl auch auf Abwege führen.

Die Faszination des Bösen entfaltet sich auch und gerade im „religiösen“ Bereich, sofern der Mensch nicht durch Gottes Offenbarung erleuchtet ist. Das zeigt auch die okkulte Welle, die seit längerem unser Land und die westliche Zivilisation prägt. „Neuer Hexenglaube“, Spiritismus, schwarz- und weißmagische Praktiken, fernöstliche Heilmethoden, Orakelbefragungen, Online-Tageshoroskope und sonstige „übersinnliche“ und abergläubische Phänomene sind sehr verbreitet.

Die Überbetonung des Verstandes durch die „Aufklärung“ und ihre Steigerung im Rationalismus wird zunehmend durch das entgegengesetzte Extrem verdrängt: eine „vagabundierende Religiosität“, ein freischwebender, unverbindlicher „Glaube“ ohne Dogmatik, ohne festes Normensystem, ohne konfessionelle Bindung.

Im Mittelpunkt steht hierbei die Befriedigung religiöser Bedürfnisse, die Erfüllung einer metaphysischen Sehnsucht, die der Mensch auf Dauer kaum zu unterdrücken vermag. Wer sein religiöses „Grundgefühl“ mit bloßem Rationalismus, mit dürrem Verstandeswissen allein konfrontiert, gibt ihm Steine statt Brot.

Doch eine emotionale „Erfahrungs-Religion“ bedeutet, auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen: Hier scheut man die dogmatische Klarheit des geoffenbarten Glaubens und die eherne Verbindlichkeit sittlicher Gebote. Daher wohl der zunehmende Siegeszug esoterischer und okkulter Ersatzreligionen.

Der Okkultismus – wörtlich Geheimwissenschaft, verborgene Lehre – ist ein schillerndes Gebilde mit unterschiedlichen Schattierungen. Der harte Kern besteht freilich aus der Magie. Zauberei ist freilich mehr als unsinniger „Hokuspokus“ wie etwa die abergläubische Angst vor der Zahl 13 oder schwarzen Katzen.

Magie beruht wesentlich auf dem allzumenschlichen Verlangen, mit der Welt des Außernatürlichen in Kontakt zu kommen. Das Motiv ist meist die Neugier, doch dies nicht allein. Letztlich geht es darum, die Mächte des übersinnlichen in den Griff zu bekommen, sich ihrer zu bemächtigen, sie für eigene Wünsche und Interessen einzuspannen, also die Welt des vermeintlich „Göttlichen“ zu vereinnahmen, sie unter Kontrolle zu bekommen.

Während sich der wahrhaft christliche Mensch demutsvoll in den Dienst Gottes stellt, möchte der magische Mensch das „Göttliche“ in seinen eigenen Dienst stellen. Mit anderen Worten: Der Gläubige betet: „Dein Wille geschehe!“ Der Magische denkt: „Mein Wille geschehe!“

Magisches Denken und okkulte Rituale sind also mit der christlichen Religion grundsätzlich unvereinbar, Glaube und Aberglaube schließen sich strikt aus. Dennoch ist die Verwirrung mitunter auch in den eigenen Reihen groß, denn das Spektrum der Zauberei teilt sich in eine schwarze und eine scheinbar helle, harmlose, „weiße“ Magie.

Selbst unter Christen hält man diese „weiße Magie“ mitunter für erlaubt, „wenn es nur hilft“, als ob der Zweck die Mittel heiligen würde. Man denke etwa an das „Besprechen“ von Krankheiten durch scheinreligiöse Beschwörungsformeln bzw. esoterische Praktiken wie Hellseherei, Pendeln oder pfingstlerisch-„charismatische“ Methoden einer vermeintlichen „Geistausgießung“.

Bei der Verharmlosung der „weißen“ Magie wird oft übersehen, dass sich der schwarze und der weiße Zauber zwar dem Anschein nach unterscheiden, dass sie jedoch aus derselben heidnischen Quelle gespeist werden, nämlich dem anmaßenden Versuch, die Kräfte der „Übernatur“ im eigenen Interesse zu beeinflussen, zu steuern und zu vereinnahmen.

Der wahre Gott freilich lässt sich in keiner Weise durch den Menschen „instrumentalisieren“ und „in den Dienst nehmen“. ER ist der Allmächtige und lässt sich nicht „bemächtigen“. Man kann ihn auch nicht durch Zauberformeln oder gewisse Praktiken herbeizitieren. Dasselbe gilt für die Engel und Heiligen, für die gesamte himmlische Welt.

Abgesehen davon sind die Grenzen zwischen schwarzer und weißer Magie in der Praxis ohnehin fließend. Dies ist nur konsequent und systemimmanent, es liegt in der Sache selbst begründet, weil beide Formen letztlich aus demselben Geist oder besser Ungeist stammen, von der gleichen heidnischen Gesinnung herrühren. Also „hilft“ die weiße Magie nicht weiter, dann versucht man es eben mit der „schwarzen“ – frei oder vielmehr unfrei nach der Devise – „Hauptsache gesund“ oder „wer heilt, hat recht“. Wer jedoch mit dem Feuer spielt, landet schnell im Gefängnis des Okkulten, der Finsternismächte.

Eine solche „Zwischenzone“ bildet vor allem der Spiritismus, also die Kontakt-Aufnahme mit „Geistern“. Selbst wenn sich hier Geister, die „gerufen“ werden, als „Verstorbene“ ausgeben, so ist dies ein diabolisches Täuschungsmanöver, denn jene überirdische Welt, die sich in Gottes Gnadenbereich befindet (wozu auch das Purgatorium, das Fegefeuer gehört), lässt sich nicht vom Menschen her steuern, dirigieren, herbeirufen oder manipulieren.

Die Zauberei besitzt also ein schillerndes, verführerisches Doppelgesicht. Beide Gesichtshälften sind entschieden abzulehnen und zu meiden, denn der Aberglaube ist das Zerrbild des wahren Glaubens. Dieser ist für Christen durchaus gefährlicher als der Unglaube, zumal dieser als solcher sogleich erkannt wird, der Aberglaube aber gerne hinter einer „religiösen“ Maske agiert.

Dieser Irrweg ist beileibe nicht neu, auch nicht neuzeitlich. Bereits im Alten Bund warnte der Ewige vor den damals gängigen magischen Praktiken: „Es soll in Deiner Mitte kein Wahrsager, Zeichendeuter, Schlangenbeschwörer oder Zauberer, kein Bannsprecher oder Geisterbeschwörer gefunden werden; keiner, der Wahrsagegeister befragt oder sich an die Toten wendet, denn jeder, der solches tut, ist dem HERRN ein Greuel.“ (5 Mose 18,10-12)

Während in unserer westlichen Welt der weißmagische, esoterische Irrweg vorherrscht, findet man in heidnischen Gefilden (auch in solchen, die sich mit christlichen Elementen vermischt haben) vielfach schwarze bis schwärzeste Magie, also Zauberei, Geisterglaube und Dämonenkult.

Die „Spitze des Eisbergs“ ist hier – neben dem direkten Satanismus – der vor allem in Afrika und Lateinamerika weitverbreitete Voodoo-Kult: Hier zeigt die Zauberei relativ deutlich ihre Schattenseiten und damit ihr wahres Gesicht.

Voodoo enthält zwar durchaus auch weißmagische Elemente, doch die schwarzmagischen überwiegen. Es mag etwas makaber klingen, doch dieser Sachverhalt hat immerhin den Vorteil der Klarheit, wogegen weiße Magie und westliche Esoterik im Gewand des Harmlosen oder gar des „Himmlischen“ erscheinen.

Der afro-karibische Voodoo-Kult scheint zunächst weit entfernt zu sein: In Westafrika eben – und ansonsten vor allem auf Haiti, dem Inselstaat in der Karibik. Dennoch ist das Thema nicht zu vernachlässigen, inhaltlich ist es keineswegs abgelegen: zum einen wegen der prinzipiellen Ablehnung der Zauberei, zum anderen wegen jener Liebäugelei mit dem Voodoo, die auch im Westen immer mehr um sich greift, teils aus Neugier auf und Tändeln mit fremdartigen oder „horrenden“ Elementen (vor allem im Rock-Pop-Spektrum), teils aus magischer Faszination.

Teil 2 des Beitrags erscheint am Dienstag, Teil 3 am Mittwoch, hier auf Vaticanista.

*[Felizitas Küble, Münster, betreibt das Portal Christliches Forum]

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