Ritual aus der Finsternis

Voodoo-Kult in der westlichen Pop-Kultur

Von Felizitas Küble*

MÜNSTER, 29. November 2011 (Vaticanista).- Ende der 80er Jahre konnte der Voodoo-Schocker „Das Ritual“ von John Schlesinger erstaunliche Erfolge in den Kinos einfahren. Mit seinem Brutalo-Streifen wollte der Regisseur keineswegs vom Kult abschrecken oder davor warnen; vielmehr nutzte er die Faszination des Bösen und Abgründigen als lockenden Schockeffekt für die Zuschauer.

Die katholische „Tagespost“ kritisierte den Film damals wegen seiner „Sucht nach Terror“ und stellte fest: „Die Szenen sind grausam und schrecklich, von frenetischer Angst und brutalster Kaltblütigkeit, anscheinend geboren aus einem praktizierenden Wissen um geheime Mächte und die Möglichkeit, mit ihnen in Kontakt zu kommen.“ „Das Ritual“ lieferte Okkultismus in Reinkultur, betrieb Schleichwerbung für den scheinbar weißmagischen Santeria-Kult (einer lateinamerikanischen Variante des Voodoo) und nahm gegenüber dämonischen Voodoo-Ritualen eine gefährlich schillernde Haltung ein, geprägt von Faszination und Angst. John Schlesinger äußerte sich gegenüber der Filmzeitschrift „Ultimo“ (Dezember 1987) wie folgt über seinen Gruselschocker:

„Die Riten des Santeria-Kults wirken auf mich sehr überzeugend… Ich nehme zum Voodoo-Kult mit Sicherheit eine sehr ambivalente Haltung ein. Natürlich denke ich, dass man alle Arten von Glauben erlauben sollte. Man muss sehen, dass Liebe und Angst nur gemeinsam den Glauben ermöglichen.“ Der Regisseur plädiert also für Toleranz gegenüber schwarzer Magie; in seinem Film kommen immerhin mehrere Ritualmorde vor. Doch die „Angst“, die seiner Meinung nach durch die katholische Kirche erzeugt werde, lehnt er entschieden ab: „In der katholischen Kirche wird immer wieder mit der Angst einfacher Menschen gespielt: Wer nicht regelmäßig zur Beichte geht, wird in die Hölle kommen. Diese Angst ist ein Teil der Macht, die der Katholizismus besitzt. Ich persönlich halte das nicht für fair.“ Ganz in diesem Sinn oder vielmehr Unsinn trägt dieser in sich widersprüchliche Artikel den Titel: „Der unfaire Katholizismus.“

Wenn Menschen von heute sich in puncto Voodoo nicht gründlich auskennen, werden sie sich möglicherweise von solchen oder ähnlichen Sirenenklängen verführen lassen, so dass es sinnvoll erscheint, näher auf dieses Ritual aus der Finsternis einzugehen. Der geographische Ursprung des Voodoo liegt in Westafrika. Seit Jahrhunderten existiert dort die Yoruba-Magie mit ihrem Glauben an die Orixas, an Geister, Götter und Dämonen. Im dortigen Ritual offenbart sich jene typisch heidnische Einstellung, die zwischen Furcht und Faszination vor den Geistern hin- und hergerissen ist und die Geisterwelt daher in den Griff bekommen möchte, um sie „unschädlich“ zu machen, ja für eigene Wünsche einzuspannen.

Zu Yoruba gehören abergläubische Ängste vor dem fluchbeladenen „bösen Blick“, der den Tod zur Folge haben könne (gemilderte Vorstellungen hiervon findet man allerdings auch etwa in Italien bis in die Gegenwart hinein), sodann „Heilungen“ durch Geisterkräfte, Fluch und Abwehrzauber, Dämonenbeschwörungen oder Geisteranrufungen. Diese Yoruba-Magie gelangte vor allem durch den Sklavenhandel europäischer Kolonialmächte nach Lateinamerika und in die Karibik. Besonders in Brasilien und Haiti verbreitete sich dieser Polytheismus und Spiritismus sehr stark, teils vermischt mit indianischen und/oder auch „katholischen“ Elementen, so dass ein synkretistisches Gebilde entstand, dem nicht wenige Taufscheinkatholiken dort verfallen sind.

Dieser verhängnisvolle Synkretismus treibt vor allem in Brasilien, dem „größten katholischen Land der Erde“, wie gerne gerühmt wird, seit Jahrhunderten seine Sumpfblüten. So wird am 31. Dezember nicht das Andenken an Papst Silvester oder lediglich das weltliche Jahres-Ende gefeiert, sondern die heidnische Göttin Iemanja. Der Bundesstaat Rio de Janeiro dürfte wohl das einzige „christliche“ Land der Welt sein, das sogar amtlich einen Feiertag für eine „Göttin“ einführte. Der Verordnung von „oben“ entspricht die Begeisterung von „unten“ (in des Wortes doppelter Bedeutung): Die heidnische Göttin Iemanja wird im „katholischen“ Brasilien nämlich euphorisch gefeiert.

Geisterglaube und Zauberei sind in Brasilien an der Tagesordnung. Aus dem Sachbuch „Heilen und Schamanismus“ (Sphinx-Verlag) erfährt man, dass auch gebildete Schichten der Magie frönen und das Christentum allenfalls äußerlich angenommen haben: „Selbst die brasilianische Oberschicht glaubt an Geister. Obwohl Brasilien ein Land frommer Christen ist, leben die Gedanken und Gefühle der afrikanischen Orixas in seinen Urwäldern und Städten weiter.“ (S. 73)

Der ursprünglich westafrikanische Yoruba-Kult wurde dann in seinem „Exportland“ Haiti als „Voodoo“ bezeichnet – dies ist zugleich der heutige Sammelbegriff für diese Art magischer Rituale. In Brasilien spricht man von „Umbanda“, gemeint ist dasselbe. Das feministisch-neuheidnische Buch „Die Schwestern der Venus“ (Nymphenburger-Verlag), das sich über „Die Frau in den Mythen und Religionen ausbreitet“, verhehlt nicht seine Befriedigung darüber, dass in Brasilien letztlich der Göttinnenkult siegte, nicht der biblische geoffenbarte Glaube: „Viele Millionen Brasilianer – selbst wenn sie sich Katholiken nennen und gelegentlich in die Kirche gehen – sind überzeugte Anhänger des Umbanda-Kultes.“ (S.347)

Dies war Teil 2 einer dreiteiligen Serie. Teil 1 erschien am Montag, Teil 3 erscheint am Mittwoch auf Vaticanista.

*[Felizitas Küble, Münster, betreibt das Portal Christliches Forum]

 

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