Für die Rechte der Frauen und Kinder

Gründerin der Caritas Socialis „zur Ehre der Altäre“ erhoben

WIEN, 30. Januar 2012 (Vaticanista/EDW).- Hildegard Burjan, die Gründerin der Schwesterngemeinschaft „Caritas Socialis“ (CS), ist seliggesprochen. Bei der Seligsprechungsfeier am Sonntagnachmittag im Wiener Stephansdom verlas der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kurienkardinal Angelo Amato, das Seligsprechungsdekret des Papstes. Mit Hildegard Burjan hat die katholische Kirche weltweit erstmals eine Parlamentarierin seliggesprochen. Der Gedenktag ist der 12. Juni.

Im Seligsprechungsdekret erteilt Benedikt XVI. „die Erlaubnis, dass die ehrwürdige Dienerin Gottes Hildegard Burjan, Ehefrau und Mutter, Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die im öffentlichen Leben auf christliche Weise eifrig danach strebte, dass das Evangelium als Sauerteig der irdischen Gesellschaft wirke, und dass die Würde der Frau, der Wert der Familie, der menschliche Zusammenhalt sowie das Gemeinwohl gefördert werden, künftig hin als Selige verehrt“ wird. Ihren Gedenktag setzte der Papst auf den 12. Juni, den Tag nach ihrem Todestag, eines jeden Jahres fest.

Nach der Verlesung des Dekretes wurde im Altarraum des Stephansdomes ein rund 5,5 mal vier Meter großes Porträt Hildegard Burjans aufgezogen. Dann wurde eine einfach gehaltene Glasstele mit der Reliquie Hildegard Burjans in einer Prozession zum Altar gebracht und davor abgestellt. Neben einem Knochensplitter der Seligen enthält das Reliquiar auch ihren Ehering sowie jene Caritas-Socialis-Brosche, die bei der Öffnung ihres Sarges 2005 gefunden wurde. An der Prozession nahmen neben Schwester Judith Maria Tappeiner, der Leiterin der Caritas Socialis (CS), auch einige Kinder aus dem CS-Kindergarten Pramergasse teil.

Zum Auftakt des Seligsprechungsaktes hatte die Vizepostulatorin des Seligsprechungsverfahrens, Professor Ingeborg Schödl, die Lebens- und Glaubensgeschichte Hildegard Burjans verlesen. Am 30. Januar 1883 als Hildegard Freund im sächsischen Görlitz in eine liberale jüdische Familie geboren, studierte sie in Zürich Literatur und Philosophie und in Berlin Sozialwissenschaft. Im Jahr 1907 heiratete sie den gebürtigen Ungarn Alexander Burjan. Nach Heilung von einer schweren Krankheit konvertierte sie zur katholischen Kirche und ließ sich taufen.

Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Viele soziale Rechte für Frauen und Kinder, die heute selbstverständlich sind, gehen auf ihre Initiative zurück. Zu ihren wichtigsten politischen Forderungen zählte schon damals „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ für Frauen.

Im Jahr 1912 gründete Burjan den „Verband der christlichen Heimarbeiterinnen“ und 1918 den Verein „Soziale Hilfe“. Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein. Am 4. Oktober 1919 gründete sie die religiöse Schwesterngemeinschaft „Caritas Socialis“, mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern.

Als große Ausnahme in der neueren Ordensgeschichte war Hildegard Burjan zugleich Oberin ihrer Gemeinschaft, Ehefrau eines der führenden Industriellen seiner Zeit und Mutter einer Tochter. Zugleich war sie die Beraterin führender Politiker der Ersten Republik, etwa des Bundeskanzlers Prälat Ignaz Seipel (1876 bis 1932).

Obwohl sie nur kurze Zeit dem Parlament angehörte, galt sie schon bald als dessen „Gewissen“. Die tief religiöse Hildegard Burjan stellte sich dem Elend großer gesellschaftlicher Schichten und verschloss vor Jugendkriminalität, Verwahrlosung und Prostitution nie die Augen. Dadurch erwarb sie sich auch den Respekt sozialdemokratischer Politiker.

Als im Jahr 1920 Neuwahlen anstanden, zog sich Burjan aus Rücksicht auf ihre stark angeschlagene Gesundheit und wegen der zunehmenden antisemitischen Strömungen auch innerhalb ihrer Partei aus dem Parlament zurück, blieb aber weiter politisch aktiv. Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem schweren Nierenleiden.

 

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