Fehler im System

Lebensrechtler im Visier der Medien?

Von Alexandra Maria Linder

ROM, 27. Februar 2012 (Vaticanista).- Pro Life ist nicht nur eine Lebenshaltung, sondern auch der Name eines Vereins: Durch den Verzicht auf Abtreibungsleistungen setzen die über diesen Verein in der kleinen Krankenkasse BKK IHV versicherten Mitglieder ein Zeichen für das Leben. Auch sonst liegt ein Schwerpunkt dieser gesetzlichen Krankenkasse auf Familienförderung. So gibt es zum Beispiel bei der Geburt ein Willkommensgeld von 300 Euro. Normalerweise muss eine gesetzliche Krankenkasse viel Geld für Abtreibungen vorschießen. Bei allen Abtreibungen, die nach der Beratungsregelung vorgenommen werden , was 97 Prozent aller Abtreibungen in Deutschland betrifft, finanzieren sie die Abtreibung vor und holen sich das Geld von den Sozialkassen zurück. Denn eine Frau muss eine Abtreibung nur dann selbst zahlen, wenn sie dazu in der Lage ist. Diese Bedürftigkeit wird jedoch in der Regel kaum bis gar nicht geprüft. So müssen letztendlich die Steuerzahler mit über 40 Millionen Euro pro Jahr die Tötung der Kinder vor der Geburt finanzieren – Widerspruch zwecklos.

Jetzt ist diese Form der Versicherung plötzlich ins Visier einzelner Medien, von Pro Familia und Aufsichtsbehörden geraten. Neben sachlich falschen Behauptungen, etwa der, dass Abtreibung in Deutschland legal sei, erstaunt vor allem die Aggressivität, mit der hier geschrieben und vorgegangen wird. Das Willkommensgeld wird als „Prämie“ deklariert, so als ob man eine Gebärmaschinenbelohnung bekäme. Die 300 Euro, so wird behauptet, könnten doch keine Frau von einer Abtreibung abhalten. Das ist richtig. Das sollen sie auch gar nicht. Auch das ist ein Zeichen, nämlich dafür, dass hier Kinder noch willkommen sind, eine Tatsache, die man in vielen anderen Bereichen vergeblich sucht. Familienförderung, Kinderfreundlichkeit, freiwilliger Verzicht auf eine „Leistung“, die keine Heilung bringt, sondern ein Kind tötet und eine Frau verletzt , sind Besonderheiten einer gesetzlichen Krankenkasse, die ebenso legitim und sinnvoll sind wie andere Präventionsmaßnahmen.

Besonders vehement versucht Pro Familia, innerhalb der Behörden gegen Pro Life und die BKK IHV vorzugehen. Also genau diejenige Vereinigung, die viel Geld an Abtreibungen verdient, die deutsche gesetzliche Beratungsregelung für falsch hält und Abtreibung als Menschenrecht weltweit sicher und legal durchsetzen will. Warum ausgerechnet dieser Verband, der in ganzheitlichem Widerspruch zur deutschen Gesetzgebung steht, großzügig finanziert wird und in der Schwangerenkonfliktberatung arbeiten darf, muss in der Tat dringend hinterfragt werden und ist eine Prüfung durch die zuständigen Behörden wert.

Um dem Fass die Krone aufzusetzen, werden übliche Verschwörungstheorien aufgefahren. Es wird berichtet, dass marianische Vereinigungen oder die Piusbruderschaft Werbung für die Krankenversicherung machen, was diese gar nicht veranlasst hat. Zudem wird eine Verbindung zu ominösen Sekten unbewiesen behauptet. Das muss genügen, um die Sache zu diskreditieren. Lebensrechtler und die Katholische Kirche sind die Würze, um Argumente überflüssig zu machen. Sachargumente sucht der Leser der Berichte indes vergebens. Weltanschauliche Neutralität wird ins Feld geführt, um zu belegen, dass ein Verzicht auf Abtreibung nicht möglich sein darf. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Weltanschauliche Neutralität würde in logischer Fortführung bedeuten, dass Abtreibung, die ja weltanschaulich alles andere als neutral ist, auf gar keinen Fall über Krankenkassen und/oder Sozialkassen finanziert werden dürfte.

Was in der hitzigen Debatte ebenfalls fehlt, ist eine Berechnung der Folgekosten, die im Fall eines Verzichts auf Abtreibung erspart bleiben. Millionen von Frauen leiden an den Folgewirkungen ihrer Abtreibung, die meistens unerkannt bleiben und daher mit hohen Kosten, aber ohne Aussicht auf Besserung behandelt werden. Allein die Volkskrankheit Depression – auch eine der psychischen Hauptfolgen einer Abtreibung – kostet die Krankenkassen inzwischen 22 Milliarden Euro pro Jahr. Wieviel Geld eingespart werden könnte, wenn die Frauen davor bewahrt blieben, kann nur geschätzt werden. Bei neun Millionen Abtreibungen seit den 70er Jahren in Deutschland handelt es sich aber in jedem Fall um beträchtliche Summen. Und wie viele Frauen man durch Anerkennung des Post-Abortion-Syndromes erfolgreich behandeln und ihnen damit helfen könnte, diese Fragen werden in solchen Kreisen auch nicht gestellt, zum Schaden der Frauen.

Es ist in Deutschland aktuell gesetzlich nicht möglich, eine Krankenkasse zu betreiben, die Abtreibungen nicht vorfinanziert. Durch den freiwilligen Verzicht der Mitglieder aber führt jedes weitere Pro-Life-Mitglied dazu, dass die Kasse faktisch tatsächlich immer weniger Abtreibungsabrechnungen bekommt, also ohne Zwang und rechtlich sauber, ohne jeglichen Gesetzesverstoß, irgendwann keine Abtreibung mehr in ihrem Leistungskatalog benötigt. Diese Mitglieder, und auch das ist ein Fehler in der Diskussion, müssen das nicht unterschreiben – sie tun es freiwillig. Eine Form der demokratischen Wahlfreiheit, die bisher in Deutschland einmalig ist.

Der Fehler liegt nicht im Angebot von BKK IHV und Pro Life – sondern im System. Abtreibungen sind keine Gesundheitsleistung und können keine staatlich gewollte und entsprechend geförderte Aufgabe darstellen. Niemand kann sich dagegen wehren, mit seinen Steuergeldern die Tötung von Kindern vor der Geburt zu finanzieren. Daher könnte man die ganze Debatte positiv nutzen, um das System zu überdenken und zu ändern. Pro Life und BKK IHV setzen hier ein sichtbares, positives Signal – nicht mehr und nicht weniger.

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