Papst Benedikt auf der Zuckerinsel empfangen

Kubas Straßen für Papstbesuch von Dissidenten und Bettlern „gesäubert“

Von Michaela Koller

HAVANNA, FRANKFURT, 27. März 2012 (Vaticanista).- Papst Benedikt XVI. ist am Montag auf Kuba zu einer dreitägigen Pastoralreise empfangen worden. Offenbar sollen ihm und den Gläubigen in den Straßen und an den Bildschirmen Potemkinsche Dörfer präsentiert werden. Die Strassen Kubas, durch die Papst Benedikt XVI. seit Montag während seines Besuchs auf der Zuckerinsel reist, versucht die Regierung von Elend und politischen Demonstrationen rein zu halten. „Es geht dabei nicht so sehr darum, was das Ausland denkt. Die Kubaner sollen die Wahrheit nicht sehen und erkennen können“, kommentiert der kubanische Dichter und Dissident im Exil, Alejandro Raga die Verhaftung von 100 Bettlern in Santiago de Cuba und der Hauptstadt Havanna im Gespräch mit Vaticanista.

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt berichtet, wurden allein am Montag in ganz Kuba mindestens 125 Dissidenten, darunter zahlreiche Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“, in Gewahrsam genommen. „Die Anwesenheit Papst Benedikts XVI. hält das repressive Castro-Regime offensichtlich nicht davon ab, mit voller Härte gegen Andersdenkende vorzugehen“, beklagen die Menschenrechtler. Mehr als zehn „Damen in Weiß“ wurden gewaltsam davon abgehalten, die Papstmesse in Santiago de Cuba zu besuchen und anschließend festgehalten.

Die Sprecherin der „Damen in Weiß“ Berta Soler bezeugt, dass nur ausgewählte Bürger und Bürgerinnen an den Papstmessen teilnehmen dürfen: „Die Angehörigen der demokratischen Opposition werden aber daran gehindert, an den Messen teilzunehmen. Die Regierung hat die Bettler und Alkoholiker weggeschafft, damit der Heilige Vater, wenn er kommt, ein anderes Kuba sieht“, sagte Soler. Wie die IGFM weiter berichtet, wurden vor allem in Havanna, Santiago de Cuba, Pinar del Rio, Villa Clara und Camagüey Bürgerrechtler angegriffen und festgenommen. Die IGFM ist auf Kuba mit einer eigenen Gruppe vertreten.

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, wurden dort schon am vergangenen Wochenende etwa 70 Regimegegner, darunter 15 Mitglieder der Bürgerrechtsorganisation „Damen in Weiß“, festgenommen. Die Festnahme der Bettler kritisiert die IGFM als „massive Verletzung der Menschenrechte und unmenschlichen Angriff auf völlig Hilflose durch ein Regimes, das sich mehr um sein Image als um die eigene Bevölkerung kümmert“.

Während die verhafteten Bürgerrechtler zum Teil wieder aus der Haft entlassen sind, brachten Polizisten die Bettler in ein „Auffanglager“ nahe des Flughafens José Martí. Dort werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach Ende des Papstbesuches wieder entlassen. „Bettler, die es angeblich in Kuba seit langem nicht mehr gibt, sind dem Regime vor den Augen des Papstes offenbar peinlich“, erklärte Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Wie die Menschenrechtsorganisation weiter berichtet, besuchten Sonntag etwa 35 „Damen in Weiß“ die Messe in der Wallfahrtskirche Santa Rita de Casia und marschierten danach durch Havannas Straßen, um die Freilassung aller politischen Gefangenen zu fordern. Die Anwesenheit der mehreren Hundert ausländischen Journalisten wirkte sich offensichtlich positiv auf den Protestmarsch aus, zum ersten Mal seit Wochen unternahm die Regierung keinen ernsthaften Versuch, den Protestmarsch aufzuhalten. In Santiago de Cuba wurden indessen 25 „Damen in Weiß“ davon abgehalten, die Kirche zu besuchen, einige wurden festgenommen.

Berta Soler, Sprecherin der Bürgerrechtlerinnen, erklärte, die „Damen in Weiß“ würden am kommenden Mittwoch an der Papstmesse in Havanna teilnehmen. „Niemand kann uns vorschreiben, wer an einer Messe teilnehmen und Gott nahe sein darf“, sagte Berta Soler. Die Messe auf der “Plaza de la Revolución” sei aber heilig und müsse respektiert werden. „Man geht zur Kirche, um zu beten – nicht um Politik zu machen“, fuhr Soler fort. Sie selbst habe die Mitglieder der „Damen in Weiß“ ausdrücklich dazu aufgefordert, während der Messe keine Parolen zu rufen.

Der Pontifex hingegen begrüßte gleich nach seiner Ankunft auf dem Flughafen von Havanna die Häftlinge und Armen: „In meinem Herzen nehme ich die berechtigten Anliegen und legitimen Wünsche aller Kubaner mit, wo immer sie auch sind, ihre Leiden und Freuden, ihre Sorgen und alles, was sie auf dem Herzen haben, seien es besonders die jungen und die alten Menschen, die Heranwachsenden und die Kinder, die Kranken und die Arbeiter, die Gefangenen und ihre Familien sowie die Armen und die Bedürftigen.“

 

 

 

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten, Religionsfreiheit - Menschenwürde veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.