Im Dienste der Wahrheit

Über das priesterliche Wirken Papst Benedikts XVI.

Von Michaela Koller

REGENSBURG, 18. April 2012 (Vaticanista).- Die Weltkirche begeht in vier Tagen den alljährlichen Papstsonntag – im Gedenken an den Jahrestag der Wahl Joseph Kardinal Ratzingers an diesem Donnerstag. Es ist zwar kein rundes Jubiläum, aber immerhin symbolisieren die sieben Jahre seit er das erste Mal als Benedikt XVI. auf die Mittelloggia trat Vollständigkeit. Das ist Anlass genug, um über das verborgene Programm dieses Pontifikats nachzudenken.

Die Antwort auf die Frage erscheint schwierig, schließlich ziehen die Kardinäle nicht mit Wahlprogrammen ins Konklave ein. Als Ansätze selbstverständlich das ihr Profil als Hirten, Biographisches, aber vor allem auch ihr grundlegendes priesterliches Selbstverständnis. Letzterem nachzuspüren, bemühten sich die Autoren des reich bebilderten Dokumentationsbandes „Benedikt XVI. – Mit Christus für die Menschen – 60 Jahre im Weinberg des Herrn“ mit Erfolg.

Es bietet unter der Verantwortung des Trierer Professors Rudolf Voderholzer, Gründungsdirektor des Regensburger Instituts Papst Benedikt XVI., zugleich Einblick in ein Symposium anlässlich des Diamantenen Priesterjubiläums dieses Pontifex im vorigen Jahr. Die Veranstaltung am 18. Juni war abgesehen von den Festlichkeiten in Rom das zentrale Ereignis zum sechszigsten Weihetag. Die Gäste trafen sich am Originalschauplatz – in den Räumlichkeiten des ehemaligen Freisinger Priesterseminars, dem heutigen diözesanen Bildungszentrum Kardinal-Döpfner-Haus und in der Weihekirche des Papstes, dem Freisinger Dom St. Maria und St. Korbinian.

v.r.n.l. Kardinal Marx, Bischof Müller, Kardinal Wetter; Foto: M. Koller

v.r.n.l. Kardinal Marx, Bischof Müller, Kardinal Wetter; Foto: M. Koller

Der Apostolische Nuntius Jean-Claude Périsset war ebenso angereist wie Paul Josef Kardinal Cordes, der frühere Präsident des Päpstlichen Rates Cor Unum. Unter dem Titel „Neue Pastoralkonzepte auf dem Prüfstand“ ist seine Ansprache im Band nachzulesen. Cordes warnte vor der Gefahr der „Selbstsäkularisierung der Kirche“, sollten der Glaube an Gott und seine Heilsgnaden nicht mehr im Zentrum stehen. Unter den Gästen trafen auch die Bischöfe von Passau und Regensburg, Wilhelm Schraml und Gerhard Ludwig Müller, ein. Letzterer kam in erster Linie, um den zwölften Band der Werkausgabe „Joseph Ratzinger Gesammelte Schriften“ mit dem Titel „Künder des Wortes und Diener eurer Freude“ zur Theologie und Spiritualität des Weihesakramentes mit einer Ansprache zu präsentieren, die zu den zentralen Beiträgen des Buchs zählt. Der Erzbischof von München und Freising Reinhard Kardinal Marx hielt die im Band enthaltene Predigt beim Pontifikalamt zum Abschluss der Veranstaltung.

v.l.n.r. Kardinal Cordes, Bischof Müller, Kardinal Wetter; Foto: M. Koller

v.l.n.r. Kardinal Cordes, Bischof Müller, Kardinal Wetter; Foto: M. Koller

Als Ehrengäste waren fünf Jubilare aus dem Weihejahrgang des Papstes zu diesem Ereignis angereist, darunter der Liturgiewissenschaftler Rupert Berger aus Traunstei. In den Jahren 1948 bis 1950 teilte er sich im überdiözesanen Priesterseminar Herzogliches Georgianum ein Zimmer mit Joseph Ratzinger; heute lebt er in Traunstein ausgerechnet in dem Haus, in dem 1959 bis 1963 Georg Ratzinger mit seinen Eltern wohnte. Mit solchen Details über persönliche Bezüge wartet der vorliegende Band auf. Die Dokumentation runden Bergers Erinnerungen an seine Zeit mit Joseph Ratzinger ab.

Domkapellmeister a.D. Georg Ratzinger; Foto. M. Koller

Domkapellmeister a.D. Georg Ratzinger; Foto. M. Koller

Und schließlich ließ es sich der Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, nicht nehmen, auf den Domberg zu kommen. Der Apostolische Protonotar und frührere Domkapellmeister kommt vor allem im zweiten Teil des Buchs vor, in dem reichlich Fotos von den Vorträgen und Gesprächsrunden am Rande der Festakademie sowie dem anschließenden Pontifikalamt abgedruckt sind.

Der Band dokumentiert nicht nur ein hochkarätiges Ereignis, sondern vereint auch seltene Dokumente und Aufnahmen: Erstmals wird die Predigt von Kardinal Ratzinger vom 9. Juli 2001 anlässlich der Feier des Goldenen Priesterjubiläums mit seinem Kurs im Freisinger Mariendom. Einmalige historische Bild- und Tondokumente, verbunden mit aktuellen Interviews, liegen auf einer DVD dem Band bei – im Format eines Dokumentationsfilms, den der Münchner Diözesanverlag Sankt Michaelsbund aus Anlass des Symposiums erstellen ließ.

„Joseph – bleib so wie Du bist – werde kein Anderer“, appellierte darin der vitale 96-jährige Papstfreund und einstige Lehrer, Professor Alfred Läpple, in einem Film. Seinen früheren Studenten bezeichnete er als „radikal Fragenden und Glaubenden“ zugleich, der sich besonders durch Hineindenken und Verzeihen auszeichne.

Einige Aufsätze waren in Freising nicht als Reden zu hören: Der Theologe Michael Karger erarbeitete wesentliche Aspekte des priesterlichen Dienstes, wie ihn Papst Benedikt XVI. versteht. Dabei zog er dessen Aussagen zu Priesterweihe und Primiz als Quelle heran. In biographischen Ausführungen eingangs belegt er, wie sehr sich Joseph Ratzingers Welt im Gegensatz zur Nazi-Herrschaft befand. Der Steyler Missionar Pater Vincent Twomey zeigt auf, wie sehr schon der junge Joseph Ratzinger „überwältigt von der Liebe Gottes“ war: Twomey schildert, wie die Sekretärin Elisabeth Anthofer einmal gefragt wurde, was sie an ihrem Chef Professor Ratzinger besonders schätze. „Die Ehrerbietung in seiner Stimme, wenn der den Namen Jesu aussprach“, lautete deren Antwort. Jesus Christus sei deshalb Thema des lebenslangen theologischen Bemühens dieses Papstes geblieben. Sein Auftrag laute somit: „Die höchste Wahrheit enthüllen: Gottes Liebe zur Welt.“ Und im Dienst dieser Wahrheit sieht sich Papst Benedikt XVI. in seinem Pontifikat, seit er am 19. April 2005 auf die Mittelloggia trat.

[Rudolf Voderholzer (Hg.), Benedikt XVI. – Mit Christus für die Menschen – 60 Jahre im Weinberg des Herrn, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 2011, 135 Seiten, 19,95 Euro in Deutschland]

 

 

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