Das Leben als Geschichte der Liebe

Der Sonntag des Guten Hirten mit Priesterweihe im Petersdom

Von Andreas Breitkopf

ROM, 30. April 2012 (Vaticanista).- Der vierte Sonntag in der Osterzeit, der auch als „Sonntag des Guten Hirten“ bezeichnet wird, ist in Rom mit einer schönen Tradition verbunden: Alljährlich spendet der Papst in seinem Amt als Bischof von Rom das Sakrament der Priesterweihe. In diesem Jahr kamen neun Weihekandidaten aus den römischen Priesterseminaren zu der Ehre.

In seiner Predigt machte Papst Benedikt XVI. deutlich, dass das Hirtenamt Jesu Christi nur in der Verbindung mit Tod und Auferstehung betrachtet werden kann. Der Stein, den die Bauleute verwarfen und zum Eckstein wurde, verweise auf einen Erlöser und Heiland Jesus Christus, der von den Herrschenden zwar verworfen wurde, aber von Gott rehabilitiert worden ist.

Mit Blick auf die Weihekandidaten betonte der Pontifex die Bedeutung der Eucharistie im priesterlichen Dienst und Leben: Die Priester sollen die Gläubigen zum Leben in Fülle führen und ihnen hierfür die Nahrung, das Brot des Lebens, spenden. Der Priester sei in das Geheimnis Christi eingeschrieben, um seine Mission in der Welt weiterzuführen. Trotz guter Worte und karitativer Arbeit, so erinnerte der Papst, könne das Leben nicht fruchtbar sein, wenn die Feier des Opfers fehlt, die nur von einem Priester gefeiert werden darf.

Die Kirche soll wie ein Garten sein, in dem alle Samen der Berufung aufkeimen können. Mit diesen Worten wandte er sich in seiner Ansprache vor dem Gebet des Regina Caeli am Sonntag des Guten Hirten an die über 40.000 Pilger und Besucher auf dem Petersplatz. Der Herr rufe zwar immer, jedoch hören ihn die Menschen oft nicht, erklärte der Heilige Vater am 49. Weltgebetstag um geistliche Berufungen. Viele Dinge würden sie zerstreuen, viele andere und oberflächlichere Stimmen. „Und dann haben wir Angst, die Stimme des Herrn zu hören, da wir denken, dass er uns unsere Freiheit nehmen könnte“. Benedikt XVI. rief alle Gläubigen auf zu beten, damit die Kirche und jede christliche Gemeinde „ein bewässerter Garten sei, in dem alle Samen der Berufung aufkeimen und reifen können, die Gott in Fülle ausstreut“.

Der Papst bat die Gläubigen, sich im Geiste um die Neupriester zu scharen und dafür zu beten, dass sie die Gnade des Sakraments annehmen, durch das sie Jesus, dem Priester und Hirten, gleich gestaltet worden seien. Gleichzeitig rief Benedikt XVI. zum Gebet auf, dass die jungen Menschen der Stimme Gottes gegenüber aufmerksam sind, der in ihrem Inneren zu ihrem Herz spreche und sie rufe, sich von allem zu trennen, um ihm zu dienen.

Die heute zu Priestern geweihten jungen Männer seien nicht anders als ihre Altersgenossen. Sie seien jedoch zutiefst von der Schönheit der Liebe Gottes berührt worden. So hätten sie nicht anders gekonnt, als darauf mit ihrem ganzen Leben zu antworten. Dieser Liebe seien sie in Jesus Christus begegnet: „in seinem Evangelium, in der Eucharistie und in der Gemeinschaft der Kirche“. In der Kirche entdecke man, „dass das Leben eines jeden Menschen eine Geschichte der Liebe ist. Die Familien sollen daher der erste Ort sein, an dem die Liebe Gottes „geatmet“ werde, „die innere Kraft auch inmitten der Schwierigkeiten und Prüfungen des Lebens gibt“. Wer in der Familie die Erfahrung der Liebe Gottes lebe, empfange ein unschätzbares Geschenk, das zu seiner Zeit Früchte trage.

 

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