Ägypten: Kerker für jungen Christen wegen Facebook-Bildern

17-jähriger zu dreijähriger Haftstrafe verurteilt

KAIRO/FRANKFURT, 30. Mai 2012 (Vaticanista).- Weil er im Dezember auf Facebook in Karikaturen den islamischen Propheten Mohammed beleidigt haben soll, muss ein 17-jähriger Schüler in Ägypten für drei Jahre hinter Gittern. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, bestätigte das Berufungsgericht im oberägyptischen Assiut am Dienstag das Urteil gegen Gamal Abdu Massoud. Der koptische Christ wurde am 4. April dort zunächst vom Jugendgericht wegen „Blasphemie“ verurteilt.

Im Dorf Manqabad in der südägyptischen Provinz Assiut führte die Verbreitung der Cartoons zu religiösen Unruhen. Das Haus von Massouds Familie wurde tagelang von radikalen Muslimen belagert und schließlich in Brand gesteckt.

Artikel 98 und der Folgende des ägyptischen Strafgesetzbuches sieht vor, dass „Blasphemie“ oder auch „Verachtung von Religionen“ mit einer Geldstrafe von mindestens 500 ägyptischen Pfund (etwa einem örtlichen Monatslohn, rund 60 Euro) oder Haftstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren geahndet wird. Das über den minderjährigen Gamal Abdu Massoud verhängte Urteil von drei Jahren Haft erscheint daher ungewöhnlich hart.

„Das Blasphemiegesetz wird anscheinend nur gegen Kopten angewandt“, erläutert Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM. „Wenn Muslime den christlichen Glauben öffentlich schmähen und dämonisieren, sehen die Behörden darüber hinweg“. Die IGFM fordert, dass dieser Artikel des ägyptischen Strafgesetzbuches, der auch unter dem Stichwort „Verachtung von Religionen“ bekannt ist, gestrichen wird. Gleichzeitig müssten andere, wirkungsvolle Wege gefunden werden, um Minderheiten vor Schmähungen und Volksverhetzung zu schützen.

Die IGFM erinnert in diesem Kontext daran, dass in Ägypten in den vergangenen Monaten vermehrt Angehörige der koptischen Minderheit wegen Blasphemie angeklagt wurden. So erging es dem koptischen Milliardär und Politiker Naguib Sawiris im Januar diesen Jahres, weil er über Twitter Karikaturen veröffentlicht hatte, die eine bärtige Micky-Maus im Gewand der radikal-islamischen Salafisten und eine Minnie-Maus mit Gesichtsschleier zeigten. Sawiris wurde schließlich freigesprochen.

Am 1. März wurde der koptische Schulangestellte Makram Diab nach einer Meinungsverschiedenheit mit einem muslimischen Lehrer von einem Gericht in Assiut wegen „Verunglimpfung des Propheten Mohammed“ zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Berufungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.

 

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