Bischöfliche Kritik an Beschneidungsverbot

Verletzung von Religionsfreiheit und Elternrecht

BONN, 27. Juni 2012 (Vaticanista/DBK).- Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff hat das Urteil des Kölner Landgerichts zur Beschneidung von Jungen als äußerst befremdlich kritisiert. Der Religionsfreiheit der Eltern und ihrem Erziehungsrecht, beides im deutschen Grundgesetz verankert, werde es in keiner Weise gerecht. Dass die Beschneidung dem Wohl des Kindes widerspricht und ihm oder dem späteren Erwachsenen einen Schaden zufügt, wird von den Richtern jedoch lediglich behauptet. „Der gesundheitliche Nutzen der Beschneidung wird von Medizinern unterschiedlich beurteilt“, schreibt der Vorsitzende der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz. Die bisherigen Erfahrungen in Deutschland und weltweit gäben Anlass zu berechtigten Zweifeln.

„Die Freiheit, sich zu einem anderen Zeitpunkt von der Religion der Eltern abzuwenden, wird durch die Beschneidung in keiner Weise eingeschränkt“, betont er zudem. Vielmehr sei das Verbot der Beschneidung im Kindesalter ein schwerwiegender Eingriff in die Religionsfreiheit und das Erziehungsrecht der Eltern. „Es ist bedauerlich, dass das Gericht sich nicht ernsthaft mit den religiösen Gründen der Beschneidung auseinandergesetzt hat“, heißt es weiter in der Erklärung.

Im Judentum ist die Beschneidung von Jungen, die in der Regel am achten Tag nach der Geburt erfolgt, eine biblisch begründete Pflicht der Eltern. Sie wird von zur Beschneidung ausgebildeten Fachleuten durchgeführt. Die Beschneidung markiere nicht nur die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, sondern wird vor allem als das Zeichen des Bundes mit Gott verstanden. „Ähnlich ist es im Islam“, erklärt Mussinghoff. Auch wenn die Beschneidung im Koran nicht vorgeschrieben sei, so gehöre sie für viele Muslime doch zur verpflichtenden religiösen Tradition.

„Das Urteil löst erhebliche Unruhe in der jüdischen und der islamischen Gemeinschaft aus. Viele fragen sich mit Sorge, ob sie zukünftig ungehindert ihren religiösen Pflichten in unserem Land nachkommen können“, berichtet der Bischof. Er fordert deshalb, dass in der Sache möglichst schnell Rechtsklarheit hergestellt und die ungestörte Ausübung der Religionsfreiheit sicher gestellt wird. (mk)

 

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