Ein Rokoko-Palais mit Kirchengeschichte

Ein Blick in das Erzbischöfliche Palais München, wo einst Papst Benedikt als Kardinal wohnte

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 20. Juli 2012 (Vaticanista/EOMUC).- In der vorigen Woche ist in München das Erzbischöfliche Palais nach Abschluss jahrelanger Instandsetzungsarbeiten der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Das Palais Holnstein gilt als Münchens schönstes Rokokopalais. Kurfürst Karl Albrecht ließ es vom Hofbaumeister François de Cuvilliés in den Jahren 1733 bis 1737 erbauen. Es ist zudem eine wahrhaft kirchenhistorische Stätte. Hier musste sich etwa Michael Kardinal von Faulhaber (1869 bis 1952), der auf Wunsch Papst Pius XI. die Enzyklika Mit brennender Sorge entworfen und Nazi-Gegner Fritz Gerlich unterstützt hatte, am 11. November 1938 vor dem Sturm der Nazis schützen, in einem der wenigen Adelspalais, das in den folgenden Jahren die Bombadierung Münchens im Zweiten Weltkrieg überstand. Im Pförtnerzimmer des Stadtpalais starb Konzilsmoderator Julius August Kardinal Döpfner am 24. Juli 1976. Ihm folgte als Erzbischof 1977 bis 1981 Joseph Ratzinger nach, heute Papst Benedikt XVI..

Das Gemälde über der Treppe; Foto: Koller

Das Gemälde über der Treppe; Foto: Koller

Das Baudenkmal ist seit 1821 Wohn- und Amtssitz des Erzbischofs von München und Freising. König Max Joseph I. verpflichtete sich im Jahr 1817 mit Unterzeichnung des Konkordats zwischen Bayern und dem Heiligen Stuhl, für Unterhalt und Wohnung der Erzbischöfe Sorge zu tragen. Das Konkordat von 1924 schreibt diese Rechtsgrundlage fort. Kardinal Marx ist nunmehr der 13. in der Reihe der Münchner Erzbischöfe, der im Palais Holnstein wohnt und arbeitet.

Künstlerische Hightlights empfangen den Besucher nun an diesem denkwürdigen Ort: Neben Cuvilliés wirkten der Maler und Stuckateur Johann Baptist Zimmermann, der Bildhauer Johann Baptist Straub sowie Johann Joachim von Dietrich mit. Kurfürst Albrecht ließ das Gebäude für seinen illegitimen Sohn Franz Ludwig Graf von Holnstein errichten. „Justitia“ und „Pax“ ist auf dem Deckengemälde über der herrschaftlichen Treppe, die zu Arbeits- und Präsentationsräumen im ersten Stock führt, zu lesen. Und: „Sie werden sich küssen“. „Wenn Gerechtigkeit und Frieden zusammen kommen, dann entsteht daraus Stärke für die Regierung“, erklärte der Leiter der Hauptabteilung für Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat, Norbert Jocher, die allegorische Darstellung. Der gute Wunsch ging von der weltlichen auf die kirchliche Leitung über. Die bräunliche Lasur, mit der Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel, Erzbischof von 1821 bis 1846, die zarten Pastelltöne verdecken ließ, war fast nicht zu knacken. Ein Glück nur, dass der Stuckateur, der bei den jüngsten Arbeiten eingesetzt war, nicht locker ließ, bis die schwierige Herausforderung überwunden war.

Neu ist eine mit rot-glänzenden Steinplatten eingerahmte Bischofsgalerie entlang des Treppenaufgang zur Bibliothek im zweiten Stock: Maler Thomas Jessen, Jahrgang 1958, aus Eslohe im Sauerland, durfte diese gegenständlich gestalten. Die Dargestellten sind darauf fast authentischer als Fotografien festgehalten.

Die Generalinstandsetzung des denkmalgeschützten Palais war laut zuständigem Bauamt erforderlich, weil sich umfangreiche Bauschäden zeigten, darunter Hausschwamm im Dachstuhl, und die letzten Sanierungsarbeiten vor mehr als 35 Jahren durchgeführt worden waren. Der Freistaat Bayern als Eigentümer des Cuvilliés-Baus stellt 6,54 Millionen Euro der anfallenden Kosten für die Sanierung in Höhe von 8,1 Millionen Euro zur Verfügung. Die Kirche beteiligt sich daran mit 1,56 Millionen Euro und übernimmt damit neben Kosten für Nutzerwünsche auch Kosten für denkmalpflegerische Maßnahmen.

Das Palais Holnstein ist ein Dienstgebäude mit Büros für den Erzbischof und seine Mitarbeiter und beherbergt auch ein Archiv. Kardinal Marx hat dort eine Wohnung mit drei Zimmern, Küche und Bad im rückwärtigen Teil des Hauses, wo auch seine Vorgänger gewohnt haben. Außerdem sind in dem Gebäude der Sekretär des Erzbischofs sowie die beiden Schwestern untergebracht, die den Haushalt führen. Die historischen Räume werden für öffentliche Zwecke und Gespräche genutzt. Kardinal Marx hat versichert, er wünsche sich ein offenes Haus, das Begegnungen mit vielen Menschen ermögliche.

 

 

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