Toulouse: Gedenken an mutigen Protest gegen Deportation der Juden

Kardinal Saliège schon lange „Gerechter unter den Völkern“

TOULOUSE, 24. August 2012 (Vaticanista/ Yad Vashem).- Am Donnerstag hat die südfranzösische Stadt Toulouse des früheren Kardinalerzbischofs Jules-Géraud Saliège und seines mutigen Protestes gegen die Deportation von Juden 1942 gedacht. Bereits am 8. Juli 1969 würdigte ihn die Leitung der zentralen israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit der Anerkennung als Gerechter unter den Völkern.

Jules-Géraud Saliège war ein aktiver, energischer Fürsprecher der Juden und bemühte sich, die Lage der Juden in den Internierungslagern in Südwestfrankreich zu verbessern. Schon am 23. November 1941 schickte Saliège einen Protestbrief an die Vichy-Behörden gegen ihre Politik gegenüber den Juden, obwohl der Rest der französisch-katholischen Hierarchie schwieg oder diese Politik sogar unterstützte. Saliège holte genaue Informationen über die ersten Deportationen im August 1941 aus den Internierungslagern ins Durchgangslager Drancy ein. Am Sonntag, dem 23. August 1942 verlasen Priester in allen Kirchen der Erzdiözese von Toulouse den folgenden offenen Protestbrief:

„Frauen und Kinder, Väter und Mütter, die wie Vieh behandelt werden, Familienangehörige, die auseinandergerissen und mit unbekanntem Ziel verschickt werden – es blieb unserer Zeit vorbehalten, ein so trauriges Schauspiel zu erleben. Warum existiert das Recht auf Zuflucht in unseren Kirchen nicht mehr? Warum sind wir unterlegen? … Juden sind Menschen. Ausländer sind Menschen. Man kann sie nicht unbegrenzt misshandeln. … Sie sind Teil des Menschengeschlechts. Sie sind unsere Brüder, wie alle anderen.“

Über Nacht wurde das Dokument zu einem Manifest; Hunderttausende von Kopien wurden angefertigt und von Mitgliedern der Résistance in ganz Frankreich in Umlauf gebracht. Historiker sind der Ansicht, Salièges Protest habe maßgeblich zu der abrupten Kehrtwendung in der öffentlichen Meinung in Frankreich zu dieser Zeit beigetragen, als die Unterstützung für das Vichy-Regime drastisch abfiel. Auch ebnete der Protest die Bahn für praktische Aktionen, die die antisemitische Politik der französischen Gendarmerie und der Besatzungsbehörden zum Scheitern bringen sollten. Saliège wies die Geistlichen und Ordensschwestern in seiner Erzdiözese an, Juden, besonders Kinder, zu verstecken. Salièges Assistent, Bischof de Courrèges, wurde als Koordinator der Aktivitäten zur Rettung von Juden durch kirchliche Institutionen in der Erzdiözese Toulouse eingesetzt.

Auf Anweisung des Innenministeriums übte der Stadtpräfekt Druck aus, begleitet von Drohungen, um zu versuchen, die Priester davon abzuhalten, Salièges Protest von der Kanzel herab zu lesen. Der Erzbischof widerstand diesem Druck mit großem Mut und Geistesadel. Daraufhin versuchten die Behörden, seinen Ruf zu schädigen und seine spirituelle Autorität anzufechten, indem sie hetzerische Äußerungen veröffentlichten, aber sie wagten es nicht, das katholische Oberhaupt, das trotz seines fortgeschrittenen Alters und angeschlagenen Gesundheitszustands energisch blieb, zu bestrafen.

[Der Aufruf im Original: http://midi-pyrenees.france3.fr/info/la-revolte-du-cardinal-saliege-75223536.html]

 

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