Mit einem Säugling im Stall

Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien

BEIRUT, 18. Dezember 2012 (Vaticanista).- Vor den Toren Europas in diesen Tagen vor Weihnachten verursacht der syrische Bürgerkrieg unendliches Leid. „Es handelt sich wirklich um eine humanitäre Katastrophe“, sagt der Nahost-Berater des Vatikans, der Jesuit Samir Khalil Samir in einem Interview mit Vaticanista-Koordinatorin Michaela Koller, die sich bereits im September über die Lage der Flüchtlinge vor Ort im Libanon informieren konnte:

Einige wenige Flüchtlinge kommen im Nachbarland bei Verwandten unter, andere versuchen, sich ein Dach über dem Kopf zu mieten. Angeboten bekommen sie Räume, die Einheimische nicht bewohnen wollen: Von Schimmel belastete Wohnungen, Garagen oder winzige Keller, manche davon fensterlos. Familien leben zusammengepfercht in einem einzigen Zimmer, ohne Bad. Andere harren auf offenen Feldern in Zelten aus, mit Palettenholz und Kaffeesackjute notdürftig selbstgebastelt. Unter diesen Bedingungen kämpfen viele Menschen um ihr Überleben, die schon engste Verwandte sterben sehen mussten, weil sie ins Fadenkreuz von Rebellen oder regierungstreuen Truppen gerieten.

Von einer deutschen Zeugin war zu erfahren, dass eine Frau, die in einem Stall auf einer dünnen Matratze lag, gerade vier Tage vor dem Gespräch mit der ausländischen Besucherin ein Kind geboren hatte. Um den Stall herum war nichts, einfach weit und breit nichts, außer ausgedörrter Landschaft. Irgendwann, nach einem langen Fußweg, wird ein Gehöft zu erreichen gewesen sein. Ob dieses im September Neugeborene jetzt noch lebt? Wenn die Mutter genügend warme Kleidung und Decken bekommen hat, wird es eine Chance gehabt haben. Sie soll geweint haben, als sie Besuch von der ausländischen Besucherin bekam. Hoffentlich fand die junge Mutter noch die Kraft, sich und ihrem Kind zu helfen.

Häufig haben die Menschen nur das an Bekleidung, was sie bei der Flucht auf dem Leib trugen, weil sie etwa bei einem Angriff auf ihr Haus nur noch um ihr Leben rannten. Und schon im Spätsommer benötigten in Menschen nachts in festen Häusern in der libanesischen Bekaa-Ebene eine Decke. Bald fiel die Temperatur dann weit unter null Grad.

Der Wintereinbruch hat die Lage für die syrischen Flüchtlinge deutlich verschärft, berichtet Caritas International in einem Spendenaufruf. Es fehle an Öfen, Heizmaterial sowie Decken und warmer Bekleidung, Lebensmitteln und Medikamenten – im Bürgerkriegsland selbst, aber auch in den benachbarten Aufnahmeländern Jordanien und Libanon.

Der Zustrom an Flüchtlingen aus Syrien reißt unterdessen nicht ab. 1,5 Millionen Binnenflüchtlinge warten in Syrien auf Hilfe. Eine halbe Million Menschen haben die syrische Grenze überschritten und sich offiziell registrieren lassen. Ein trauriger Rekord. Allein im Caritas-Zentrum Saïda (Libanon) lassen sich derzeit täglich rund syrische 400 Flüchtlinge registrieren, um Hilfe zu erhalten. Kaum einer der Geflohenen verfügt über winterfeste Kleidung. Viele leben in einfachen Zelten. Sie sind weitestgehend abhängig von der Hilfe wohlmeinender Nachbarn in den Gastländern sowie der Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen.

Insbesondere für den Libanon, dem kleinsten der Nachbarländer Syriens, stellt der unablässige Zustrom syrischer Flüchtlinge, eine große Bürde dar. 154.000 Syrer haben sich im Libanon bereits offiziell registrieren lassen. Viele weitere scheuen die offizielle Registrierung und leben unerkannt im Land. Der Präsident des Migranten-Zentrums der Caritas Libanon, Kamal Sioufi, befürchtet langfristig eine Destabilisierung des Landes: „Der Libanon beherbergt bereits eine große Zahl palästinensischer und irakischer Flüchtlinge. Wenn die Zahl der hilfesuchenden Syrer die nächsten Jahre weiter ansteigt, könnte das für den Libanon gefährlich werden.“

 

 

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