Noch zwölf Tage

Angelus und eine Einladung von Deutschland pro Papa

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 17. Februar 2013 (Vaticanista).- „Ich danke euch vor allem für die zahlreichen Beweise eurer Verbundenheit und für euer Gebet in diesen für mich schwierigen Tagen“, hat Papst Benedikt XVI. am heutigen Sonntag nach dem Angelus auf dem Petersplatz. In seiner Ansprache vor dem Gebet rief der von seinem Fenster im Apostolischen Palast die Gläubigen dazu auf, die Fastenzeit zur Erneuerung des Glaubens zu nutzen. Das scheidende Kirchenoberhaupt warnte davor, nicht alles, was zweckmäßig erscheint, für gut und erlaubt zu betrachten.

In der Sixtinischen Kapelle; Foto: Christian Klenk

In der Sixtinischen Kapelle; Foto: Christian Klenk

„Doch diese Versuchungen sind auch falsche Menschheitsbilder, die zu allen Zeiten unserem Gewissen Fallen stellen, indem sie sich als günstige und wirksame, ja sogar „gute“ Möglichkeiten darstellen.“ Der Teufel sei listig und er lade daher nicht unmittelbar dazu ein, Böses zu tun. Vielmehr locke er mit falschen Vorstellungen des Guten und mache dem Menschen vor, dass nur Macht wirklich zähle. Gott und Glaube gerieten aber so in Vergessenheit. Der Petersplatz war an diesem strahlenden Sonnentag mit rund 150.000 Gläubigen und Schaulustigen gut gefüllt. Einige Gruppen hatten riesige Plakate mitgebracht, auf denen sie dem Pontifex ihre Solidarität bekundeten. „Wir haben Dich so geliebt“, stand auf einem Spruchband.

Es sind noch zwölf Tage. Zwölf Tage des Segens durch unseren Papst Benedikt XVI., die wir für das Gebet für ihn persönlich, für die Zukunft des Petrusamtes und der Kirche nutzen können. „Ich spüre euer Gebet fast physisch“, sagte er am Donnerstag vor Priestern seines Bistums. Inzwischen haben auch im sozialen Online-Netzwerk Facebook engagierte Katholiken bezeugt, geradezu körperlich mit ihrem Oberhirten mitzufühlen, sogar noch bevor die Nachricht über den Amtsverzicht um die Welt eilte. Das aber, was uns physisch aufrüttelt, macht uns nur wach, hellhörig für die Worte des Papstes. Obwohl er sie noch mit kräftiger Stimme sprechen kann, sind sie angesichts seines angekündigten Rückzugs („Ich werde für die Welt verborgen sein.“) wie ein Vermächtnis.

Vor den Priestern interpretierte der einstige Konzilstheologe noch einmal zentrale Dokumente des Zweiten Vatikanuums und warnte vor einer Vulgär-Auslegung des Konzils, die bereits großen Schaden angerichtet hat. Diese führe, so sagte er wörtlich, zu „Banalisierungen der Idee des Konzils“ mit Auswirkungen auf die liturgische Praxis und auf die Schriftauslegung. Die dominierende Konzilsdeutung habe „viele Schwierigkeiten und Probleme geschaffen“: „Schließende Seminare, schließende Klöster, eine banalisierte Liturgie“. (Hier finden Sie Näheres.)

Die zwei Dokumente über Religionsfreiheit und Nostra Aetate, zusammen mit Gaudium et Spes, seien eine wichtige Trilogie, deren Bedeutung sich erst im Lauf der Jahrzehnte herausgestellt habe. „Wir arbeiten noch jetzt daran, diese Verbindung zwischen der Einzigkeit der Offenbarung Gottes, der Einzigkeit des einen, in Christus fleischgewordenen Gottes und der Vielfalt der Religionen besser zu verstehen“, sagte der Papst in seiner Stegreif-Rede.

Sabine Beschmann von „Deutschland pro Papa“ hat am Sonntag die Medien über ein herausragendes Ereignis informiert: Am zweiten Tag der Sedisvakanz am 2. März um 15 Uhr wird die Initiative in der Basilika „Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle“ in Regensburg unter der Schirmherrschaft von Papstbruder Prälat Georg Ratzinger, ein Abschiedskonzert geben. Botschaften von Benedikt XVI. werden dabei von geistlichen Arien und Chorälen zur Passionszeit umrahmt. Angekündigt ist zudem ein Schlusswort und Segen von Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer. Der Bestseller-Autor Michael Hesemann, Ko-Autor des einstigen Domkapellmeisters für «Mein Bruder, der Papst», wird zur Einführung sprechen.

Unter dem Motto „Glaube als Passion“ wirken folgende Künstler mit: WOLFANG NÖTH, Tenor, Regensburg, TOBIAS NEUMANN, Bariton (Staatsoper München), GABRIELE NEUMANN, Sopran (Staatstheater Nürnberg), NASTASJA DOKALOU, Sopran (Staatsoper Stuttgart, Theater Koblenz + Ulm), WOLFGANG KRAUS, Orgel (Furth im Wald), BAPTISTE PAWLIK, Violine (Grevenbroich), BIRGITTA ERL, Harfe (Landau), ENSEMBLE PASSERO, Chorvereinigung ehem. Domspatzen (Regensburg)

Vaticanista wird darüber ebenso berichten wie von der vorausgegangenen letzten Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI. am 27. Februar in Rom.

 

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