Prälat Imkamp warnt vor Personenkult

Der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild zum Pontifikatswechsel

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 27. März 2013 (Vaticanista/Die Tagespost).- Vor Personenkult um Päpste und andere Geistliche hat Prälat Wilhelm Imkamp in der vorigen Woche in München gewarnt. Beim Gesprächsabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Domspatz-Soirée“ sagte der Direktor des Wallfahrtsortes Maria Vesperbild (Bistum Augsburg): „Wenn ein Pfarrer persönlich auch ein großartiger Mensch ist, dann ist das eine schöne Sache. Für den Papst gilt das erst recht. Aber wichtig ist das Amt.“ Der Apostolische Protonotar hatte bereits in den Wochen seit der Amtsverzichtserklärung Papst Benedikts XVI. wiederholt betont, dass die Person hinter dem Amt zurücktrete. „Wir dürfen nicht in einen Personenkult verfallen, denn dann verfällt die Kirche“, warnte Imkamp im Gespräch mit Moderator Michael Ragg eindringlich.

Wenn er in seiner Wallfahrtskirche am Altar stehe, verschwinde er buchstäblich im Ensemble des Altars. Der Unterschied zwischen Person und Amt sei so wichtig, dass die katholische Kirche sogar das Dogma über die Gültigkeit der Sakramente bei korrektem Vollzug kenne, völlig unabhängig von der Qualität des Sakramentenspenders. „Sie sind auch dann gültig, wenn der Pfarrer einen gerne übers Ohr haut“, fuhr Imkamp fort. „Das ist ein großes Geschenk. Die Gläubigen sind nicht abhängig von der Qualität eines Priesters.“

Kritisch sieht Imkamp, dass nach dem Konklave Informationen darüber in den Medien ausgebreitet wurden. Als bizarr bezeichnete er den Umstand, dass sich einige der Purpurträger damit brüsteten, immer schon gewusst zu haben, wer schließlich als 266. Nachfolger Petri aus der Wahl hervorgegangen ist. „Kardinäle sollten reden, wenn es um die Glaubensverkündigung geht, aber schweigen, wenn es um das Konklave geht.“ Der Papst werde schließlich nicht gewählt, sondern die Kardinäle suchten denjenigen, den Gott schon erwählt habe.

Zum Amtsverzicht Papst Benedikt XVI. sagte der Wallfahrtsdirektor: „Ich war schon überrascht, aber nicht erstaunt.“ Trotz aller Betroffenheit könne es in einer Hinsicht auch eine Begeisterung über diese Zeit des Pontifikatswechsels geben: „Es hat perfekt funktioniert. Der Rücktritt, die Generalkongregation, das Konklave sind eine Erfolgsgeschichte der jahrhundertealten Regie, die keine internationale Großorganisation dieser Kirche nachmachen kann.“ Es habe das Kardinalskollegium, den Senat der Kirche, wieder in den Blickpunkt gerückt und damit gezeigt, dass es tatsächlich ein perfektes Dialoginstrument gebe.

Imkamp widersprach wiederholten Stellungnahmen in den Medien, die die katholische Kirche als überholt und vor allem bedeutungslos darstellen: „Die Zeitungen waren nun jeden Tag voll mit Kirchenberichterstattung.“ Bei den Einführungsfeierlichkeiten seien mehr als 130 Delegationen angereist, „mehr als bei Barack Obama“. Die Katholiken könnten auf einen enormen publizistischen Erfolg zurückblicken, der zeige, dass die Meinungsführerschaft in allen religiösen Fragen immer noch beim Papst liegt. „Wir Katholiken sind keine Randgruppe, sondern eine Gruppe, die im Fokus des Weltinteresses steht.“ Er könne sich sogar vorstellen, dass andere Religionsvertreter manchmal „physisch unter der Aufmerksamkeit leiden, die einer solchen Institution wie dem Papsttum zuteil wird.“

Ein großes Boulevardblatt habe Imkamps Wahrnehmung zufolge mehr über den Papst berichtet als jede durchschnittliche deutsche Kirchenzeitung. Die Schlagzeile „Wir sind Papst“ sei genauso genial gewesen wie der Titel „Keine Kraft mehr“. Auch wenn es in der Bild-Zeitung auch bedenkliche Aspekte gebe, sei diese Berichterstattung am positivsten gewesen. „Die Kritik aus vielen kirchensteuerfinanzierten Publikationen aber flog dem Papst nur so um die Ohren“, meinte Imkamp. Er schließt daraus: „Wenn die Bild-Zeitung, die ja Gewinn erzielen möchte, den Papst auf die Titelseite bringt, dann hält sie ihn für gewinnbringend.“

Rhetorisch fragte er: „Ist er das für uns auch gewesen?“ Seiner Einschätzung nach hat die Kirche in Deutschland die Chance dieses Pontifikats nicht genügend genutzt. Das werde im Vergleich mit Polen und Papst Johannes Paul II. besonders deutlich. „Die polnische Nation hat den polnischen Papst getragen, auch in seinem Leid und in seiner Krankheit.“ Die kirchlichen Institutionen in der Heimat des emeritierten Papst Benedikt XVI. seien dahinter deutlich zurückgefallen. An dieser Stelle äußerte sich Imkamp erstmals zu seiner Einschätzung möglicher Hintergründe des Amtsverzichts. Zuletzt sei in diesem Fall ein Papst, der älter und schwächer wurde, aus seiner Heimat vielfach mit Ablehnung konfrontiert worden. „Auch diesen Hintergrund sollten wir bedenken.“

Dabei habe das Pontifikat die intellektuelle Überlegenheit des katholischen Glaubens über Zeitgeist- und Modeströmungen bewiesen. Polemische Vorwürfen wie die Behauptung, Katholiken seien geistig rückständig, habe er allein durch seine Reden wie die im Bundestag im September 2011 widerlegt. „Papst Benedikt XVI. hat gezeigt, dass ein Theologe mit der Welt auf Augenhöhe diskutieren kann.“

Imkamp erteilte abschließend vorschnellen Schlüssen über das neue Pontifikat aufgrund erster Gesten eine Absage. „Ein Papst steht immer in Kontinuität zu seinen Vorgängern. Er ist Diener des Glaubens“, sagte der Wallfahrtsdirektor. Vieles, was derzeit analysiert werde, sei lediglich vorläufig. Papst Franziskus erinnere ihn menschlich an den lächelnden Papst Johannes Paul I.. Der neue Pontifex zeige zudem besonders viel Humor. „Das zeigt eine Facette des Katholischen, die untergegangen ist.“ Das sollten die Gläubigen zunächst dankbar aufgreifen, bevor sie auf Äußerlichkeiten verwiesen. Auf die Frage einer Zuhörerin, wie es denn zu beurteilen sei, dass sich Papst Franziskus beim Hochgebet einmal nicht hingekniet habe, antwortete der Prälat schlagfertig: „Da sollte man vorsichtig sein und nicht am Ende Orthopädie mit Theologie verwechseln.“

[Erstveröffentlichung: © Die Tagespost, 26. März 2013]

[Weitere Informationen wie etwa zur Diskussion nach dem Vortrag finden Sie auf diesem Blog, Beiboot Petri]

 

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