Feierlichkeiten um Passion und Auferstehung Christi in Rom

Papst bei Fußwaschung im Gefängnis

Von Michaela Koller

ROM, 28. März 2013 (Vaticanista/Explizit.net).- Als der 85-jährige Papst Benedikt XVI. zwei Tage vor Beginn der Fastenzeit seinen Amtsverzicht erklärte, hatte er eines schon im Blick: Der Beginn eines neuen Pontifikats werde ganz im Zeichen der Feierlichkeiten um Leiden, Sterben und Auferstehung Christi stehen. Dem 76-jährigen Papst Franziskus steht nun ein anstrengendes Programm der Kar- und Ostertage bevor. Das argentinische Oberhaupt der katholischen Kirche setzt nun ganz eigene Akzente: Franziskus wird die Missa in Coena Domini, die Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, um 17.30 Uhr, im römischen Jugendgefängnis Casal del Marmo feiern. Entgegen anderslautenden Vorberichten in den Medien hat am Vormittag die Chrisam-Messe am Hauptaltar des Petersdoms in Konzelebration gefeiert, in der die Salbungsöle geweiht wurden.

Foto: M. Koller

Foto: M. Koller

In einer Presseerklärung des Presseamtes des Heiligen Stuhls heißt es: „Zu der Abendmahlsmesse, die an die Einsetzung der Eucharistie erinnert, zählt auch der Ritus der Fußwaschung. In Während seines Dienstes als Erzbischof von Buenos Aires, hat der frühere Kardinal Bergoglio diese Messe regelmäßig die Masse in einem Gefängnis, Krankenhaus oder Hospiz für arme und marginalisierte Menschen gefeiert.“ Mit der Feier in der „Casal del Marmo“, setze eben Papst Franziskus diese Praxis, die von einem Kontext der Einfachheit gekennzeichnet ist, weiter fort.

Der vorigen Papst Benedikt XVI. besuchte dieselbe Einrichtung am 18. März 2007, wo er die Messe in der Kapelle „Padre Misericordioso“ feierte. Es besteht eine Verbindung zwischen der Anstalt und dem früheren Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli, der dieses Amt von 1979 bis 1990 ausfüllte. Der Vater der vatikanischen Ostpolitik besuchte die Insassen allwöchentlich. Die Entscheidung, ausgerechnet die traditionelle Feier der Abendmahlsmesse von der Basilika St. Johannes im Lateran ins Gefängnis zu verlegen, sorgte seit der Bekanntgabe in den Medien für Aufsehen. Die Messe findet mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte jugendlicher Straftäter unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Christen sind in der Jugendstrafanstalt in der Minderheit. Somit sind unter den zwölf Jugendlichen, denen der Papst die Füße waschen wird, auch Angehörige anderer Religionen. Der Vatikan möchte es als besonderes Zeugnis der christlichen Nächstenliebe verstanden wissen. Traditionell wuschen bei der Zeremonie die früheren Päpste Priestern oder katholischen Laien die Füße.

Die Autorin Michaela Koller vor dem Petersdom; Foto: P. Winnemöller

Die Autorin Michaela Koller vor dem Petersdom; Foto: P. Winnemöller

Die Karfreitagsliturgie mit Wortgottesdienst und Kreuzverehrung feiert der Papst am Freitag ab 17 Uhr. Am Abend des Karfreitags beginnt dann um 21 Uhr der Kreuzweg am Kolosseum. Die Kreuzwegandacht leitet Papst Franziskus. Die Texte dazu haben aber junge Gläubige aus dem Libanon verfasst. Die Entscheidung, die 14 Meditationen von jungen Katholiken aus dem Zedernstaat schreiben zu lassen, fiel bereits unter seinem Vorgänger, den emeritierten Papst Benedikt XVI.. Im Rahmen seiner Libanonreise im vorigen Jahr vom 14. bis 16. September hatte sich der vorige Pontifex mit Jugendlichen vor dem Sitz des maronitischen Patriarchen Bechara Boutros al-Rahi im Bergort Bkerke nahe der Hauptstadt zu einer Vigilfeier getroffen.

Die Autoren sind am Dienstag in Assisi zusammengekommen und werden von dort gemeinsam nach Rom aufbrechen. Die Texte, die das vatikanische Amt für liturgische Feiern bereits veröffentlicht hat, beschäftigen sich mit der anhaltenden Gewalt in Nahost, der Uneinigkeit der Christen untereinander sowie mit den Themen Missbrauch und Abtreibung. Sechs der Meditationstexte sind jeweils von Vertretern der sechs verschiedenen orientalischen Riten, die im Libanon präsent sind, formuliert worden, den Maroniten, Lateinern, Armeniern, Chaldäern und den syrisch-katholischen Christen. Sechs katholische Jugendgruppen wirkten an den Texten für die Via Crucis ebenso mit wie zwei Gruppen sozial engagierter Katholiken.

Am Tag darauf findet ab 20.30 Uhr die Feier der Osternacht im Petersdom statt. Dabei segnet Papst Franziskus zunächst das Osterfeuer und zieht dann in die Basilika ein. Am Sonntag beginnt die Heilige Messe um 10.15 Uhr, ebenfalls in St. Peter, von dessen Loggia aus der Papst anschließend noch den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ erteilt.

[Erstveröffentlichung: © Explizit.net, 28. März 2013]

 

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