Die Führung Gottes im Rückblick erkannt

Buchpräsentation in München von „Gott oder Geld?“

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 7. Mai 2013 (Vaticanista/Explizit.net).- Um die Leserschaft mit einer Geschichte zu fesseln, bedarf es reichlich der Zitate, oder besser noch eines Zeugnisses. Nur damit ist sie auch wirklich glaubhaft und zugleich mitreißend. So lernen es Journalisten gleich zu Anfang ihrer Laufbahn. Die Regel gilt erst recht für die eine große Geschichte. Die über die Beziehung des Menschen zu Gott, die immer wieder neu erzählt wird. So auch in dem Buch „Gott oder Geld?“ über das Lebens und Wirken des ehemaligen Leiters von Renovabis Pater Eugen Hillengass SJ. Ein Kenner der Weltkirche, Ernst Sagemüller, Publizist und Entwicklungshelfer, sprach mit dem Jesuiten für den 200-Seiten-starken Band, der in dieser Woche im Münchner Presseclub präsentiert worden ist.

Bevor die Deutsche Bischofskonferenz Hillengass 1993 an die Spitze des damals gerade gegründeten katholischen Osteuropahilfswerkes Renovabis berief, leitete er über 20 Jahre lang unter dem bekannten Generalobern Pedro Arrupe die Finanzabteilung des größten katholischen Männerordens. Er bereiste dabei viele Länder und beriet auch den Vatikan in schwierigen Finanzfragen, kennt die Vatikanbank und ihre Stärken und Schwächen.

Sagemüller fragte ihm „ein Loch in den Bauch“, wie Hillengass schmunzelnd bemerkte – über Lebensstationen, Glaubenshaltung, Positionen zur Zeit, zur Kirche und zum Papst, zu Entwicklungspolitik und Europa. Der Leserschaft gewähren die Gesprächspartner so Einblick in Wesen und Arbeit des Jesuitenordens, in die praktisch angewandte katholische Soziallehre sowie in Zeitgeschichtliches aus dem Blickwinkel eines international tätigen Priesters. „Das Leben und Wirken von P. Eugen Hillengass SJ legt Zeugnis davon ab, wie verschlungen und vieldimensional die Wege des Menschen, von Gottes Geist inspiriert, verlaufen können“, schreibt der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann in seinem Vorwort.

„Ich war erst skeptisch, als ich von dem Projekt erfuhr“, bekannte der zuständige Provinzial Pater Stefan Kiechle freimütig. „Wir Jesuiten kennen ja kein Gewese um Personen, das ist nicht unser Ding.“ Aber er erkannte mit der Zeit, dass man Inhalte ohne Person wohl kaum vermittelt bekommt, erst recht nicht in „dieser narzisstischen Zeit“. Und es komme auch darauf an, welche Person dahinter steht. Schließlich komme mit Pater Hillengass ein Ökonom zu Wort, der wiederum ganz unzeitgemäß Menschen dazu bringe, im Auftrag Gottes Bedürftigen Gutes zu tun. „Vielleicht braucht unsere Zeit gerade solche Menschen.“

Seine „theologisch-philosophische Tiefe“ neben einer „herzlichen Liebe zu den Menschen, besonders den Notleidenden“ gaben für den Leiter des Aschendorff Verlags, Benedikt Hüffer, den Ausschlag, diese „Biographie im Gespräch“ ins Programm aufzunehmen. Ohne die Hartnäckigkeit Ernst Sagemüllers und seiner Spürnase wäre ihm aber wahrscheinlich „Gott oder Geld?“ nie vorgelegt worden: „Es ist leicht, Pater Hillengass zum Reden zu bringen, aber sehr schwierig, ihn dazu zu bringen, über sich selbst zu sprechen“, verriet Sagemüller. Seine erste Begegnung mit seinem Gesprächspartner war gar keine professionelle. Er lernte ihn vielmehr als Seelsorger kennen, der ihn näher mit den „Geistlichen Übungen“ des heiligen Ignatius vertraut machen sollte. So entdeckte er allmählich dessen verborgene Erfahrungsschätze, seine ethischen Werte und geistlichen Tugenden, die anscheinend „aus der Mode gekommen“ seien.

Nachdem er sich nun für das Gespräch mit dem Publizisten geöffnet hatte, wurde Pater Hillengass klar, wie das Interview ihm dabei half, auf sein Leben zurückzublicken: „Ich erkannte die Führung meines Lebens durch den Herrgott, die man auch nur im Nachhinein erkennt.“ Oft seien es von außen betrachtet nur Kleinigkeiten gewesen, die ihn auf den Weg gebracht hätten, den er schließlich gegangen ist.

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und frühere Präsident des Bayrischen Landtages, Alois Glück, sieht in dem vorliegenden Band das Zeugnis eines Menschen mit tief prägendem Glauben, auf der Suche nach Gott im eigenen Leben. Hillengass‘ Positionen zu Glaube und Kirche in dem Buch halte er für „eigenständig-kritisch, aber immer loyal“. Dessen sachkundiger Umgang mit Geld in verantwortungsvoller Position zum Wohle seines Ordens und vieler Menschen brachte Glück auf den Gedanken, dass eigentlich der Titel „Gott und Geld“ gut gepasst hätte. Der ZdK-Präsident zeigte sich überzeugt, dass die Lebensgeschichte des Jesuiten suchenden Menschen daher eine Inspiration sein kann.

Glück hob das „breite Spektrum“ hervor, in dem Hillengass „zu Hause“ sei, an Erfahrungen und auch an Positionen. Im Amt des Geschäftsführers von Renovabis, der viele Projektpartner im ehemaligen Ostblock besuchte, habe er zudem als Brückenbauer fungiert. Die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken, die der Jesuit neun Jahre prägte, unterstützt in rund 30 Staaten kirchlich-pastorale, sozial-karitative sowie in Bildungs- und Medienprojekte.

Für Glück führt der Band die Leserschaft auf eine Zeitreise, beginnend über die Kindheit in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Hotelierssohn Hillengass wurde 1930 in Frankfurt am Main geboren und besuchte schließlich das Jesuitengymnasium St. Blasien. Nach dem Abitur 1950 trat er in die Gesellschaft Jesu ein und studierte später neben Theologie und Philosophie auch Betriebswirtschaftslehre. Letzteres Studium qualifizierte ihn für die Position des Generalökonoms seines Ordens, die Hillengass von 1972 bis 1993 bekleidete. Nach der Zeit bei Renovabis leitete er zudem die Projektförderung der deutschen Jesuitenprovinz. Noch immer ist der Ordensmann als Seelsorger, Berater und Publizist tätig.

Ernst Sagemüller, „Gott oder Geld?“. Im Gespräch mit Pater Eugen Hillengass SJ, Aschendorff-Verlag, Münster 2013.

[Erstveröffentlichung: © Explizit, 3. Mai 2013]

 

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Bücher/CD/DVD, Empfehlung der Redaktion, Nachrichten, Weltkirche - Ökumene veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.