Fatwa verbietet Ostergrüße an Christen

Menschenrechtler kritisieren Diskriminierung der koptischen Minderheit

KAIRO, 7. Mai 2013 (Vaticanista/IGFM).- Anlässlich des koptischen Osterfestes am vergangenen Wochenende hat eine der bedeutendsten Führungspersönlichkeiten der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der Muslimbrüder, Abd al-Rahman al-Barr, durch ein islamisches Rechtsgutachten Ostergrüße an Christen verbieten lassen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main sieht darin einen Ausdruck der fortschreitenden Diskriminierung der koptischen Minderheit. In den vergangenen Monaten wurden der Menschenrechtsgesellschaft vermehrt Angriffe auf Kopten und deren Gotteshäuser gemeldet.

Nach al-Barr widerspricht das koptische Osterfest dem muslimischen Glauben. „Jesus ist nicht gestorben und wurde nicht gekreuzigt (…). „Wir überbringen keine Grüße für ein Fest, das in unseren Augen falsch ist“, so al-Barr. Der Koran erkennt Jesus als Propheten, aber nicht als Sohn Gottes an. Sayed Mustafa, stellvertretender Vorsitzender der salafistischen Nour-Partei, erklärte ebenfalls öffentlich, dass Muslime den Kopten keine Festtagsgrüße überbringen sollten.

Nach Auffassung von IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin stellt dieses Gutachten, Fatwa genannt, einen Bruch mit der bisherigen Praxis der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei dar, Grußkarten an den koptischen Papst zu versenden und hochrangige Vertreter der Partei zur Ostermesse zu schicken, um dort die Ostergrüße an Mitglieder der koptischen Gemeinde zu überbringen. „Diese Fatwa ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Diskriminierung der koptischen Minderheit in Ägypten auf dem Vormarsch ist“, sagte Lessenthin.

Mit großer Sorge stellt die IGFM eine Zunahme der Angriffe auf koptische Christen und deren Gotteshäuser fest. Bei den jüngsten religiösen Unruhen in el-Khousous in der Provinz al-Qualyubiyya Anfang April kamen fünf koptische Christen ums Leben. Bei dem anschließenden Begräbnis entbrannten erneut gewaltsame Ausschreitungen, zwei weitere Tote waren zu beklagen. Wie die staatliche Zeitung Al-Ahram berichtet, wurden seit dem Machtwechsel in Ägypten 25 Kirchen angegriffen, insgesamt 59 Kopten starben bei gewaltsamen Ausschreitungen.

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