„Christen, Muslime und die Zukunft der Vernunft“

Vortrag über die Haltung der katholischen Kirche zum Islam

Von KHG Siegen

SIEGEN, 12. Juni 2013 (Vaticanista/KHG-Siegen).- Das Verhältnis von Christen und Muslimen gehört neben der demografischen Krise in Deutschland zu den brennenden Themen unserer Zeit. Die Münchner Politikwissenschaftlerin Michaela Koller sprach jetzt bei einer Veranstaltung der Katholischen Hochschulgemeinde und des Katholischen Bildungswerkes Siegen-Wittgenstein über ‚Muslime, Christen und die Zukunft der Vernunft’. Koller reiste mehrfach in islamisch geprägte Länder und lernte den Jesuiten Samir Khalil Samir aus Ägypten kennen, mit dem sie ein Buch zum christlich-islamischen Verhältnis veröffentlichte.

Gleich zu Beginn ihres Vortrags ging sie auf die großen Verdienste des inzwischen emeritierten Papstes Benedikt für das Zugehen auf Muslime ein. Muslime, Juden und Christen müssten zusammenleben und aufeinander zugehen, habe er immer wieder betont. Motivation der Christen sei es dabei, Zeugnis abzulegen für den Gott, „der Wahrheit und Liebe ist und uns daher aufruft, friedensstiftend zu wirken“. Nach den „großen Gesten“ Johannes Paul II. wie der Einladung anderer Religionsführer zum interreligiösen Treffen in Assisi, dem Besuch in der großen Moschee in Damaskus und der Predigt vor tausenden muslimischen Jugendlichen in Marokko habe Papst Benedikt dem interreligiösen Verhältnis Tiefgang verschafft. „Wir Gott-Gläubigen müssen zusammenhalten und eine Koalition der Vernunft eingehen“, so könnte man Papst Benedikts Aufruf zusammenfassen.

Auch die viel kritisierte ‚Regensburger Rede’ vom 12. September 2006 sei keinesfalls als ein Versagen zu verurteilen, sondern habe gerade im Gegenteil die Beziehung zwischen Islam und Christentum weiter gebracht. Nach Klärung von Missverständnissen hätten zunächst 38, dann 138 islamische Gelehrte aus aller Welt Papst Benedikt geantwortet und die Einladung angenommen, über das Thema Religion und Vernunft und damit Ablehnung von Gewalt im Namen der Religion in ein Gespräch zu kommen.

Koller verschloss in ihrem Vortrag auch nicht die Augen vor den Konfliktherden in der Welt, etwa die Christenverfolgung in islamischen Ländern. Hier gelte es, gemäßigte Muslime immer wieder aufzurufen, sich am Kampf für den Frieden und Religionsfreiheit zu beteiligen. „Kranke und gewaltbereite Formen von Religion müssen ernst genommen werden und hier muss immer wieder an Muslime appelliert werden, im Sinne der Vernunft zu handeln, die dem Mensch ins Herz gelegt ist“. So sei der Dialog, der von Christen ausgehe, immer ein „Dialog in Wahrheit und in Liebe“. Darauf immer wieder hinzuweisen, sei das große Verdienst Benedikt XVI..

Unverständnis äußerte Koller in der anschließenden Diskussion darüber, dass in Deutschland manche türkische Imame nicht die deutsche Sprache erlernten. Eine zu starke Integration sei offenbar in manchen Fällen vom türkischen Staat nicht gewünscht, dahinter könnten politische Interessen stehen. Gerade Imame müssten aber vor ihren Gemeinden mit gutem Beispiel beim Integrationswillen vorangehen. Für uns Christen sei es wichtig, immer wieder auch auf die benachbarten Moscheen und türkischen Mitbürger zuzugehen, um den ‚Dialog vor Ort’ zu pflegen. Das Tragen des Kopftuches und den Muezzinruf kann Koller im Sinne der Religionsfreiheit akzeptieren. Kurz ging die Referentin auch auf die ersten Gesten von Papst Franziskus gegenüber anderen Religionen ein.

Er habe unmittelbar nach seiner Wahl zum Oberhaupt der Katholiken Vertreter anderer Religionsgemeinschaften getroffen und von „unseren muslimischen Freunden“ gesprochen. Sein herzliches Verhältnis zum Judentum habe er wie Papst Benedikt ohnehin immer betont. Auch die Tatsache, dass er einer muslimischen Strafgefangenen an Gründonnerstag im Abendmahlsgottesdienst die Füße gewaschen habe, zeige, dass er keine Berührungsängste habe. Wenn wir in unserer christlichen Wahrheit beheimatet sind, sie für das Beste halten und für den Gott der Liebe Zeugnis ablegen, können wir gerade auf Muslime zugehen, das zeigten uns die Päpste von Johannes Paul II. bis Franziskus I. Sie legten Zeugnis dafür ab, dass „wir uns bei einer guten Beheimatung im Glauben vor Muslimen nicht fürchten müssten“, wie es ihr Co-Autor Pater Samir Khalil Samir einmal ausdrückte.

 

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