Bischof Hanke verteidigt Zölibat als Wert

„Es werden dann neue Probleme auf uns zukommen“

Von Michaela Koller

EICHSTÄTT, 23. September 2013 (Vaticanista/Die Tagespost).- Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sieht keinen Grund, den priesterlichen Zölibat aufzugeben. Vielmehr erkennt er darin einen eigenen Wert. Die zölibatäre Lebensform verweise die Getauften auf die Zukunft in voller Gemeinschaft mit Gott. „Ich sehe nicht, welchen Mehrwert eine Abschaffung bringt“, sagte er am Mittwoch bei einem Mediengespräch in Eichstätt. Hanke warnte vor scheinbar einfachen Lösungen, wie etwa die Wahl der Lebensform freizustellen. Das verstärke die Erklärungsnot derjenigen, die sich für die Ehelosigkeit entscheiden. Hanke, der unter anderem in London und Oxford studiert hat, widersprach mit Verweis auf die anglikanische Kirche der Überzeugung, ein Mangel an Berufungen ließe sich durch die Aufhebung des Ehelosigkeitsgebots beheben. Er sehe keine zwingendes Argument, das aufzuheben. „Es werden dann neue Probleme auf uns zukommen“, ist der Benediktiner überzeugt.

Bischof Hanke im Gespräch mit Journalisten, Foto: F. Seizmair

Bischof Hanke im Gespräch mit Journalisten, Foto: F. Seizmair

Gleichzeitig betonte Bischof Hanke die Bedeutung der Laien für eine lebendige und zukunftfähige Kirche. „Wir gehen als Christen einer Minderheitensituation entgegen“, gab er zu Bedenken. Auch bei der Neuplanung des pastoralen Raumes in seinem Bistum ginge es darum, den Sinn für das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen und für eine gemeinsame Verantwortung füreinander im Sinne der Dogmatischen Konstituion des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche, Lumen gentium, zu stärken. „Die Kirche lebt von der Sendung eines jeden Getauften“. Konkret denkt Hanke an Gläubige, die durch entsprechende theologische Schulung zur Bildung „lebendiger Zellen“ beitragen, etwa in Hauskreisen oder im Rahmen des vielfältigen Angebots der geistlichen Gemeinschaften. Das Wachstum in der Christusbeziehung gehöre schließlich zur Entwicklung des Menschseins. Als „wichtiges pastorales Standbein“ nannte Hanke die Kindergärten, aus denen die Kirche sich nicht zurückziehen dürfe. Vielmehr wäre das eine seltene Chance, mit Eltern in Kontakt zu kommen.

Hoffnungen, dass zu verschiedenen Konfliktthemen mit Papst Franziskus eine Wende einkehre, bremste der Eichstätter Bischof. Das seit einem halben Jahr amtierende Oberhaupt ginge mit einer modernen Bildersprache auf die Fragestellungen unserer Zeit ein. „Ich traue ihm zu, dass er einiges bewegt“, sagte Hanke über Papst Franziskus. Seine Grundhaltung sei klar, sein Stil jedoch dialogbereit. Er zeige, wie man liebevoll auf die Menschen zugehen könne, sagte der Bischof. Zugleich betonter er aber mit Blick auf die katholische Morallehre: „Papst Franziskus hat keinerlei Signale gegeben, von dem abrücken zu wollen, was die Kirche hier lehrt.“ Auch wenn es vielfach so interpretiert werde, habe sich die Kirche nach der Papstwahl nicht verändert.

Wie die Bischöfe in Deutschland auf das reagierten, was dieser Papst vorlebt, müsse jeder für sich selbst entscheiden. „Sein Lebensstil löst jedenfalls Nachdenklichkeit aus“, bescheinigte der Hanke Franziskus, der darin auch eine Bestätigung seines eigenen Wegs sieht. Er selbst sei schon vor der Wahl dieses Papstes als Bischof Bahn gefahren und teile auch schon immer gerne sein Haus mit Gästen, betonte er. Dem alten christlichen Ideal der Askese möchte er durch eine ökologische Lebensweise „ein modernes Gesicht verleihen“. Seine Diözese habe bereits Stromverträge auf Ökostrom umgestellt.

Zum Verhältnis zwischen Franziskus und seinem Vorgänger Benedikt XVI. sagte er: „Die Beiden stehen sich näher als es medial dargestellt wird.“ Er habe den Papst emeritus nach der Wahl sprechen können. Dieser zeigte sich Hanke zufolge fasziniert darüber, wie Franziskus auf die Menschen zugehe. Mit dieser Aussage über seinen Nachfolger beweise Benedikt auch Größe.

[Erstveröffentlichung: © Die Tagespost, 21. September 2013]

 

 

 

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