Hilfe als Brücke

Stephanus-Preis an Jesuiten in Homs verliehen

FRANKFURT, 26. September 2013 (Vaticanista/IGFM).- Das Hilfswerk der Jesuiten in Homs hat den diesjährigen Stephanus-Preis der Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen erhalten. Die Stiftung würdigte jetzt mit der Preisverleihung das vorbildliche Verhalten von drei Jesuiten und ihre aufopferungsvolle Arbeit in der vom Bürgerkrieg heimgesuchten syrischen Stadt sowie ihre Standhaftigkeit als Christen in der Bedrängnis. Pater Ziad Hilal SJ, der aus Homs angereist war, nahm den Preis am Samstag in der Theologischen Hochschule St. Georgen stellvertretend für seine beiden Mitbrüder Pater Frans van der Lugt und Pater Ghassan Saloui sowie einen Scheck in Höhe von 5.000 Euro entgegen.

Die Arbeit der Patres in Homs, der drittgrößten Stadt Syriens, ist äußerst schwierig und gefährlich: Der Innenstadtbereich von etwa 1,5 Kilometer Durchmesser ist seit Mai 2012 in der Hand der Rebellen, der wiederum von der syrischen Armee eingeschlossen ist. Es gibt keinen Zugang zum Innenstadtbereich. Die zehn Kirchen in der Innenstadt sind zerstört oder stark beschädigt, Häuser und Straßen sind Trümmerfelder. Noch etwa 70 Zivilisten halten sich dort auf, von Wohnen kann keine Rede mehr sein. Um die Verteilung der wenigen noch vorhandenen Lebensmittel und Medizin an Christen und Muslime und die Seelsorge obliegt Pater Frans van der Lugt. Bei einem der letzten Telefonate zwischen den Patres sprach er besorgt vom Ende der Christenheit in Syrien.

Pater Ziad Hilal: „Hilfe ist die Brücke für das Zusammenleben in der Zukunft“

Pater Ziad berichtet, dass sich im äußeren von der syrischen Armee gehaltenen Ring rund eine Million Menschen aufhielten, darunter viele verstörte und hilfesuchende Flüchtlinge aus der zerstörten Innenstadt. Hatte das Hilfswerk zu Beginn des Krieges für 200 Familien zu sorgen, so seien es jetzt 6.000 Familien, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion spiele in der Hilfe keine Rolle und die früher distanziert zueinander stehenden christlichen Konfessionen arbeiteten jetzt Hand in Hand. Ihm stünden etwa 200 Helfer aus allen christlichen Konfessionen und auch Muslime zur Seite. Die Flüchtlinge erhalten zum Lebensunterhalt Körbe, die standardisiert je nach Zahl der Familienmitglieder Lebensmittel und Hygiene-Artikel enthalten. In der Krise sei die Hilfe die Brücke für das Zusammenleben in der Zukunft. „Mensch sein heißt, jedem anderen zu helfen und die Schöpfung zu schützen“, sagte Pater Ziad.

In der Betreuung kriegsverwaister Kinder sehe er seine Hauptaufgabe. Mit Schulunterricht, Singen und Spielen versuche man ein Stück Normalität in den Alltag der Kinder zu bringen. „Zu Beginn ließen wir die Kinder Bilder malen, und sie malten Bilder von Krieg und Zerstörung. Jetzt malen sie Bilder von Blumen und Tieren und sie träumen wieder. Die Erwachsenen träumen nicht, sie sind in Alpträumen verfangen.“ Viele Lehrer, die durch den Krieg ihre Arbeit verloren haben, drängten sich zu helfen. Das bedeute für sie auch einen Neuanfang und eine Chance, für das Einkommen der eigenen Familien etwas beitragen zu können.

Medien und Politik tragen Mitschuld

Wegen der vielen Waffen im Land gebe es keine erfolgversprechenden Lösungsansätze. Die Herkunft vieler Krieger sei undurchsichtig: Salafisten, Jihadisten und andere Extremisten kämen aus den umliegenden Ländern, die meisten aus Saudi-Arabien und Katar, aber auch aus Aserbaidschan, Tadschikistan und aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, England und anderen europäischen Ländern. Sie entführten Menschen oder töteten sie. Inzwischen bekämpften sich die Rebellen gegenseitig.

Pater Ziad gab den Medien, die wie er sagte, über viel Geld verfügten, eine Mitschuld an der Entwicklung des Krieges. In der Region beherrschten Medien aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien die Meldungen. BBC und ein französischer Sender seien zu Sprachrohren der Golfstaaten geworden: „Als in Ägypten Kirchen brannten, haben die Medien drei Tage davon nichts gezeigt, wohl aber das Leid von Muslimen. Auch als über 60 kirchliche Institutionen in Ägypten brannten, erfuhren wir nichts davon. Man hört und sieht keine Friedensbotschaften.“

Dadurch, dass westliche Politiker und Presse im Falle der beiden entführten orthodoxen Bischöfe und Pater Paolo überwiegend geschwiegen, sogar falsche Meldungen verbreitet hatten, hätten sie große Schuld auf sich geladen. „Es gibt keine Neuigkeiten über sie. Man hofft, dass sie noch lebten, da aber derzeit keine Forderung bekannt ist, ist mit dem Schlimmsten zu rechnen“, sagte er.

Christentum im Nahen Osten sehr gefährdet

Pater Ziad sieht schwere Zeiten für das gesamte Christentum im Nahen Osten aufziehen. Die Regierung sei in einigen Regionen nicht mehr präsent. Wo die letzten Christen gegangen sind, machten sich fanatische Muslime breit. 2.000 Jahre lebten Christen in Syrien, und sie verschwanden trotz Unterdrückung nicht. Regime kämen und gingen, aber die unmittelbaren Nachbarn blieben. Die Bürger eines Landes als Christen oder Muslime einzuordnen, sei kein Weg zu Frieden und Verständigung. Die Arbeit der Christen müsse daher Versöhnungsarbeit sein.

Die Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen

Die Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen ist überkonfessionell. Sie hilft bedrängten und verfolgten Christen durch Hilfe zum Lebensunterhalt und gegebenenfalls auch in Rechtsstreitigkeiten. Sie will die Öffentlichkeit national und international auf die Lage verfolgter Christen aufmerksam machen und Institutionen unterstützen, die sich für die Achtung des Menschenrechts Religionsfreiheit einsetzen. Es können nur Personen und Institutionen gefördert werden, die weder Gewalt propagiert oder angewendet haben. Sie vergibt einmal im Jahr den Stephanus-Preis für standhafte Christen in Verfolgerstaaten und einen Sonderpreis für Institutionen, die nachhaltig über verfolgte Christen und ihre Lebenssituation berichten. Preisträger der vergangenen Jahre waren beispielsweíse der seit sechs Jahren unter Hausarrest stehende eritreische Patriarch Abuna Antonios, Rechtsanwalt Nygen van Dai in Vietnam oder auch Erzbischof Louis Sako, der jetzt als Patriarch Rafael I in Bagdad wirkt. Mit dem Sonderpreis wurden Institutionen wie CLAAS in Pakistan und die evangelische Nachrichtenredaktion Idea geehrt. Die Stephanus-Stiftung wird treuhänderisch von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) verwaltet.

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