„Fruchtbarkeit ist keine Krankheit“

Den Umgang mit dem Natürlichsten lernen

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 22. Januar 2014 (Vaticanista/Die Tagespost).- Die gelernte Krankenschwester und Lehrerin für Krankenpflege Monika Espe (41) warnt vor den schweren Nebenwirkungen der Pille. Dabei gibt es mit der Natürlichen Empfängnisregelung eine sichere Alternative. Espe ist Multiplikatorin des Instituts für Natürliche EmpfängnisRegelung (NER) Prof. Dr. med. Rötzer e.V. und lebt mit Mann sowie zwei Kindern in München. Sie verrät im Interview, wie die Methode wirkt und wie sie selbst diese entdeckt hat.

Sie vermitteln nicht nur Wissen über die Natürliche Empfängnisregelung, sondern bilden auch Multiplikatoren darin aus. Wie sind Sie selbst auf das Thema gekommen?

Espe: Die Fruchtbarkeit ist ja etwas Wunderbares und keine Krankheit. Deshalb wollte ich sie schon als 17jährige nicht bekämpfen wie eine Krankheit, sondern wissen, wie ich damit gut umgehen kann. Damals besuchte ich einen Kurs, um die symptothermale Methode für meine Zukunft zu erlernen. Die Methode ist auch sehr sicher, was auch meiner Lebensplanung sehr entgegen kam.

Monika Espe; Foto: privat

Monika Espe; Foto: privat

Sie halten sich dabei an eine bestimmte Methode. Können Sie diese kurz umschreiben?

Espe: Der Vater der Natürlichen Empfängnisregelung ist Professor Rötzer. Seit den 50iger Jahren forschte er auf diesem Gebiet und wertete zehntausende von Frauenzyklen aus. In den Kursen vermitteln wir seine Methode. Die Frau beobachtet bestimmte Fruchtbarkeitszeichen (Sympto) und sie misst ihre Temperatur, wenn sie morgens aufwacht (Thermal). Rötzer brachte im Grunde zwei natürliche Methoden zusammen. Durch die Dokumentation kann die Frau die fruchtbaren von den unfruchtbaren Tagen sicher unterscheiden. Wenn ein Paar gerade kein Kind möchte, wird es an den fruchtbaren Tagen nicht miteinander schlafen. Besteht Kinderwunsch, kennt es die drei fruchtbarsten Tage im Zyklus.

Durch die unsichere Temperaturmethode nach Knaus und Ogino war die natürliche Familienplanung in Verruf gekommen. Wie sicher ist die Methode nach Professor Josef Rötzer?

Espe: Zunächst möchte ich gerne eine Lanze brechen für die Ärzte Knaus und Ogino. Durch die ungefähre Bestimmung der fruchtbaren Tage mit Hilfe der Kalendermethode war dies am Anfang des 20. Jahrhunderts ein enormer Fortschritt.

Professor Rötzer bietet mit der „Natürlichen Empfängnisregelung“ etwas ganz Neues. Es ist eine wissenschaftlich sehr gut erforschte und beschriebene Methode. Kaum einer weiß, dass die NER so sicher ist, wie „die Pille“. Die Sicherheit liegt also bei 99,8 Prozent. Wenn ein Paar etwa aufgrund einer sehr schweren Krankheit kein Kind bekommen darf, können die Regeln so ausgeweitet werden, dass die NER 100 Prozent sicher ist. Das bietet keines, der bekannten Verhütungsmittel. Schon nach dem ersten Kursabend geht das Paar mit dieser hohen Sicherheit in den nächsten Zyklus der Frau.

Welche konkreten Vorteile hat die Methode gegenüber der Pille?

Espe: Als ich als 17-Jährige ein Praktikum auf einer Intensivstation absolvierte, waren da zwei Patientinnen in meinem Alter, die unter der Pille eine Thrombose in einer großen Beckenvene erlitten. Das ist ein Blutgerinnsel und die beiden Frauen hatten Glück, dass sie daran nicht gestorben sind. Eine Thrombose ist keine seltene Nebenwirkung. Zudem warnt Professor Walter Rhomberg in Vorträgen davor, dass das Brustkrebsrisiko mit jedem Jahr der Pilleneinnahme um ungefähr vier Prozent steigt. Ich selbst habe eine Frau kennengelernt, die viele Jahre hormonell verhütete. Trotz Pille kam dann überraschend ein Kind und ein paar Jahre später erkrankte sie schwer an Brustkrebs. Gleichzeitig ärgerte sie sich über den Papst, weil er immer noch nicht die Pille erlaubt.

Sind Liebe, Treue und Rücksichtnahme Voraussetzungen, um die Methode anwenden zu können?

Espe: Im Moment schließe ich drei Kurse mit Frauen um die 20 Jahre ab. Manche leben in einer Beziehung. Entweder gehen sie noch zur Schule, sind in Ausbildung oder studieren. Wenn im Lebensentwurf noch vieles offen ist, zeigt sich das meiner Erfahrung nach auch im Zyklus, besonders, wenn die Frau sexuell aktiv ist.

Es ist wirklich deutlich zu erkennen, dass wir auf Fortpflanzung hin angelegt sind. Damit meine ich nicht, dass wir uns vermehren sollen wie die Kaninchen, die haben ja keinen freien Willen wie wir, sondern dass die Fruchtbarkeit einen geschützten Rahmen benötigt. Sexualität kann ich ja erst dann wirklich genießen, wenn ich weiß, mein Mann unterstützt mich in jeder Lebenslage. Eigentlich sollten alle jungen Erwachsenen NER lernen. Ein schöner Zyklus stellt sich eher in einer festen Beziehung ein, als in einer unverbindlichen. Das sehen wir immer wieder in unserer Beratungstätigkeit.

An wen richtet sich ihr Angebot?

Espe: Ich gehe in neunte Klassen, spreche auf Teenieforen, biete Vorträge, Kurse und Beratung innerhalb des Institutes für Natürliche Empfängnisregelung Prof. Rötzer e. V. an und gehe in Erwachsenenbildungsstätten. Im Sommer hielt ich eine Fortbildung für Hebammen. Da ging es darum, wie die Mutter gesund und sicher durch die Stillzeit kommt. Anfang 2014 wird es in München einen Ausbildungskurs für neue NER-Multiplikatoren geben. Dazu müssen die Teilnehmer keine besonderen Voraussetzungen mitbringen, sie sollten einfach neugierig auf die NER sein und sie weitergeben wollen.

Vier von fünf Paaren finden uns im Internet unter www.natürlich-liebe.de oder www.iner.org. Ein ebenso hoher Anteil sucht Rat, weil die Frauen unter den Nebenwirkungen von chemischen und mechanischen Verhütungsmitteln leiden.

Ist NER auch Gestressten oder weniger gebildeten Menschen zu vermitteln?

Espe: Ich hatte als Krankenschwester viele Jahre Schichtdienst. Das war berufsbedingter Stress. Mit meinem Berater zusammen, lernte ich meinen Zyklus unter diesen Umständen auszuwerten. Das habe ich nie bereut. Manche erkennen erst durch das Lesen ihres persönlichen Zyklus, dass sie Stress haben. Um mit NER zu leben, benötigt man keinen Hochschulabschluss. Die Schwestern von Mutter Teresa von Kalkutta bringen dieses Wissen Paaren bei, die weder lesen noch schreiben können und sogar obdachlos sind.

[Erstveröffentlichung: © Die Tagespost, 11. Januar 2013]

 

 

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