Jonglierender Philosoph, Journalist und Dogmatiker

Pater Oster zum Nachfolger von Bischof Schraml ernannt

Von Michaela Koller

PASSAU, 8. April 2014 (Vaticanista/Die Tagespost).- Der zum Bischof von Passau ernannte Pater Stefan Oster SDB hat zum Leitspruch „Der Sieg der Wahrheit ist die Liebe“ (victoria veritatis caritas) ausgewählt. Das Thema finde sich beim Kirchenvater Augustinus sowie beim Kirchenlehrer Thomas von Aquin mehrfach wieder, begründete er in einer ersten Pressekonferenz am vergangenen Freitag in Benediktbeuern seine Entscheidung. Professor Oster wurde 1965 im oberpfälzischen Amberg geboren. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Zeitungs- und Hörfunkredakteur. 1995 trat Oster in den Salesianerorden ein, studierte Theologie und empfing 2001 die Priesterweihe. Nach der Promotion und Habilitation wurde Pater Oster 2009 Ordentlicher Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer in Benediktbeuern. Die Deutsche Bischofskonferenz berät der Theologieprofessor seit mehreren Jahren in der Kommission für Geistliche Berufe und kirchliche Dienste.

Dogmatikprofessor Pater Stefan Oster; Foto: M. Koller

Dogmatikprofessor Pater Stefan Oster; Foto: M. Koller

Kandidaten für das Bischofsamt sollen sich laut Kirchenrecht durch festen Glauben, Frömmigkeit, gute Sitten, Lebensweisheit und Klugheit auszeichnen. Darüber hinaus müssen Bischöfe allgemein verständlich vermitteln können, wofür sie stehen. Wenn das mediale Klima rau ist, hilft auch das allein nicht: Gelegentlich müssen sie geistesgegenwärtig auffangen und weiterspielen, was ihnen über die Medien entgegengeschleudert wird. Dabei sollen sie das Wesentliche, die Verkündigung der Frohen Botschaft, nie aus den Augen verlieren:

Kommunikationsstärke, Feingespür und geistige Präsenz – all diese Eigenschaften hat Stefan Oster schon öffentlich unter Beweis gestellt. Sogar unter ganzem Körpereinsatz: Als Theologieprofessor, der im Kostüm eines Clowns mit Bällen jongliert, ist der neue Bischof von Passau bekannt geworden. Teilnehmer des Kongresses von Kirche in Not „Treffpunkt Weltkirche“ im März 2011 sahen ihn mit einer buntgeflickten Ballonmütze, einer ebenso kunterbunten Hose und einer rot angemalten Nase auf der Bühne. Eine kurzer Film im Internet zeigt, wie der jugendlich wirkende 48-jährige, der auch Journalismus erlernt hat, elegant von Spiel und Spaß zum Glaubenszeugnis überleitet. Selbstironisch und mit Erwartungen spielend bringt der Salesianer Don Boscos dabei sein Publikum zum Lachen. Er treibt die Zuschauer schließlich zum jubelnden Applaus, indem er Bälle jonglierend und voll Humor eine Berufungsgeschichte in Gedichtform vorträgt, die wohl seine eigene ist.

Geht es jedoch um Inhalte seines Glaubens, wird er ernst und eindeutig. Vor zwei Jahren kritisierte er das BDKJ-Debattenpapier zur Zukunft der Kirche »Freiheit der Kinder Gottes« vor studentischer Zuhörerschaft. Die darin enthaltene Rede von der Anschlussfähigkeit der Kirche schalt er als zutiefst zweideutig und gefährlich. Christus wolle, dass sich die Menschen ihm anschließen, nicht umgekehrt. “Selbst wenn all diese klassischen Forderungen nach Strukturreform umgesetzt würden, wäre damit noch kein einziger Gläubiger hinzugewonnen, aber mit großer Sicherheit eine Spaltung herbeigeführt und vertieft“, befürchtete Oster. Lachen und Applaus wichen diesmal der Nachdenklichkeit. Trotzdem wird er der Erklärungen nicht müde: „Es ist wichtig, dass in der Kirche ein Dialog geführt wird, denn wir müssen uns gegenseitig immer wieder ins Verstehen helfen“, sagte er vor damals im Interview mit dieser Zeitung.

In Benediktbeuern hatte er bis vorigen Juli, als der Lehrbetrieb der Philosophisch-Theologischen Hochschule eingestellt wurde, eine Professur für Dogmatik und Dogmengeschichte inne. Dort lehrt er nun noch an der Katholischen Stiftungsfachhochschule. Als Prediger und Redner ist der Philosoph und Theologe über seinen Wirkungsbereich hinaus bekannt. „Sehr lebendig und verständlich brachte Pater Oster anspruchsvolle philosophische Inhalte und fesselte damit sein Publikum“, urteilten die Armen Schulschwestern im Münchner Mutterhaus vor einigen Jahren. Auf ihre Einladung hin zu einer Tagung über Leben aus der Eucharistie sprach er über Wandlung durch Beziehungs- und Leiderfahrungen. Über das Verhältnis von Person und Transsubstantiation hatte er 2009 bei Rudolf Voderholzer in Trier habilitiert.

Vorausgegangen war eine Promotion 2003 in Philosophie über den Religionsphilosophen Ferdinand Ulrich in Augsburg. Dessen Verständnis des Seins als Liebe legte Oster 2010 in der Zeitschrift Communio dar. Seine eigene Berufung, so bekannte er einmal in einem Fernsehinterview, war die Konsequenz aus den Antworten auf seine Fragen nach dem, was Freiheit, Wahrheit und Liebe bedeuten. Im persönlichen Gespräch mit der Tagespost kommt er, nach einer interessierten Frage zur Person seines Gegenübers, gleich auf Ulrich und die Philosophie zu sprechen. Wovon der Herz voll ist, läuft der Mund über, heißt es.

Auch der Wunsch, seine eigene Glaubenserfahrung an junge Menschen weitergeben zu können, führte ihn als 30-Jährigen 1995 zu den Salesianern Don Boscos. Diese Berufung lebte er bislang auch als geistlicher Begleiter der Gebetsinitiative „God for you(th)“, die jeden Freitag zwölf Stunden lang in die Sakramentskapelle des Klosters Benediktbeuern einlädt. Zusätzlich finden sich junge Leute dort zu Gebetswochen ein, in denen rund um die Uhr mindestens zwei junge Gläubige in der Kapelle wachen. „Zunächst beten wir, dass Gott verherrlicht werden möge. Tag und Nacht. Dann aber sehnen wir uns danach, dass Benediktbeuern immer mehr ein Ort wird, an dem besonders junge Menschen Gott begegnen können, geistliches Zentrum aus dem Geist Don Boscos. Und wir beten für bestimmte Anliegen“, erklärte er gegenüber der Tagespost.

Mit den ersten Gerüchten um die Nachfolge Wilhelm Schraml flammte in Benediktbeuern Beobachtern zufolge auch die Sorge auf, wie es dort ohne Oster weitergehen mag. Gut möglich, dass eben seine Saat dort ihn dazu prädestiniert, als Hirte des vom heiligen Bonifatius gegründeten Bistums berufen zu werden.

 

 

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.