Altötting: Wallfahrt der Päpste und der Jugend

Für die Zukunft des Glaubens „in diesem alten christlichen Land“

Von Michaela Koller

ALTÖTTING, 7. Juli 2014 (Vaticanista/Die Tagespost).- Ein Raunen ging durch die Stifskirche am Altöttinger Kapellplatz, als der Päpstliche Legat Erzbischof Zygmunt Zimowski das Geschenk aus Rom für die Wallfahrt vorstellte: Eine Blutreliquie des inzwischen heilig gesprochenen Papst Johannes Pauls II., überreicht aus Anlass der zentralen Feier zum 21. Welttag der Kranken. Es war der 11. Februar vorigen Jahres. Der damalige Apostolische Administrator von Passau, Bischof Wilhelm Schraml, dankte tief bewegt: „Vergelt’s Gott“. Ungefähr in demselben Moment in Rom verlas Papst Benedikt XVI., der Zimowski als Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst entsandt hatte, in Rom seine historische Rücktrittserklärung. Die Erinnerung an beide Pontifikate bleibt nicht zuletzt an diesem Ort der Marienverehrung besonders in lebendiger Erinnerung:

Der heilige Johannes Paul II. betete am 18. November 1980 bei seinem ersten Deutschlandbesuch vor dem Gnadenbild der Muttergottes und vertraute ihr die Zukunft des Glaubens „in diesem alten christlichen Land“ an. Es war die Reise eines Papst hierher, nach Pius VI. im Jahr 1782 auf Einladung des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor. Zeitzeugen der Visite des polnischen Papstes erinnern sich noch daran, diesen Tag als emotionalen Höhepunkt der Pastoralreise erlebt zu haben, die ihn auch nach Köln, Brühl, Bonn, Mainz, Münster, Osnabrück, Fulda und München führte. Zum Gottesdienst auf und um den Kapellplatz drängten sich dort mehr als 60.000 Gläubige.

Die Gnadenmutter von Altötting; Foto: Eduard Pröls

Die Gnadenmutter von Altötting; Foto: Eduard Pröls

Eigens erwähnte er in seiner Begrüßung einen seiner Begleiter, den damaligen Erzbischof von München und Freising, Joseph Kardinal Ratzinger. Ein Foto zeigt ihn an diesem Tag breit lächelnd neben dem Heiligen. Die Papstlinde am Bruder-Konrad-Platz sowie eine überlebensgroße Bronzeskulptur an der Kapellplatzseite des Kongregationssaales sind heute stumme Zeugen der nachhaltigen Freude über diesen Besuch. Das Geschenk seines Begleiters zum Weltkrankentag, des späteren Papst Benedikt XVI. steht nun neben der Goldenen Rose im Schrein rechts neben dem Gnadenaltar. Am Vier-Päpste-Tag, diesen 27. April, konnten die Pilger in Altötting den Reliquiensegen erhalten. Der frühere Bischofsring des emeritierten Papstes, der den Ort zuletzt am 11. September 2006 aufsuchte, befindet sich im Zepter der Muttergottesstatue.

An das „altehrwürdige Marienheiligtum aus karolingischer Zeit“ erinnert der emeritierte Papst auch in seinen autobiographischen Aufzeichnung „Aus meinem Leben“. Angesichts der Verehrung des Pförtners Bruder Konrad von Parzham stellt er darin Fragen zur Vorbildwirkung gerade so einfacher Menschen im Glauben wie diesem. „Ich denke schon, dass gerade diese ‚kleinen‘ Heiligen ein großes Zeichen an unsere Zeit sind, das mich um so mehr berührt, je mehr ich mit und in ihr lebe“, ist er überzeugt, indem er ihnen den „hellen Blick für das Wesentliche“ zuschreibt.

Was alle Weisheit und Vernunft nicht ergründen kann, haben hier seit dem 9. Jahrhundert Menschen erfahren: Votivtafeln rund um die Kapelle mit der schwarzen Madonna zeugen davon. Es ist das spirituelle Herz Bayerns, durch die enge Verbundenheit des Herrscherhauses der Wittelsbacher sowie einer breiten Verehrung im Volk. Zugleich handelt es sich um einen der berühmtesten marianischen Ziele Mitteleuropas, das seit Ende des 15. Jahrhunderts nach der wundersamen Rettung eines dreijährigen Jungen Pilger anzieht und in einem mittelalterlichen Reliquienschatz zumindest einen Ursprung hat: In Traditionswallfahrtszügen, als Pilger in kleinen Gruppen oder einzeln, jährlich kommen weit mehr als eine Million Menschen zum frühgotischen schwarzen Maria von Ötting und damit ist der Betrieb zwischen Ostern und Spätherbst hier in Deutschland quantitativ die Nummer eins. Angesichts dieser Bedeutung wenig überraschend suchte auch der neue Bischof von Passau Stefan Oster nach seiner Ernennung in diesem April in seinem Bistum zuerst Altötting auf.

Wer sich eingehender mit der Geschichte der Wallfahrt beschäftigen möchte, hat im Haus Papst Benedikt XVI., neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum, dazu die Gelegenheit, teilweise auch anhand wertvoller Kunstzeugnisse als Votivgaben. Durch die Wechselfälle der (Kirchen-) Geschichte hindurch hat Altötting seine Anziehungskraft behalten und zeigt heute, dass die Kirche gerade an alten Stätten jung ist: Seit 1946 findet alljährlich eine Fußwallfahrt speziell für junge Menschen statt, an der sich Tausende Pilger beteiligen und zu der katholische Jugendverbände einladen. Der nächste Termin für die Jugendfusswallfahrt 2015 ist der 17. – 19. April.

Unter dem Motto „Mit-Leidenschaft“ findet vom 1. bis 5. August dieses Jahres das 19. Internationale Forum Altötting statt. Die Gemeinschaft Emmanuel lädt zu fünf Tagen voll Begegnungen, Austausch, Musik, Sport, Gebet und Impulsen ein, in Zusammenarbeit mit der Kreisstadt Altötting. Eingeladen nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Familien, Alleinstehende, Laien und Priester.

Wallfahrts- und Verkehrsbüro – Kapellplatz 2a – 84503 Altötting

Tel. +49 (0)8671 / 5062 -19; Tel. +49 (0)8671 / 5062 -38; Fax. +49 (0)8671/85858

E-Mail: touristinfo@altoetting.de

Öffnungszeiten: Gnadenkapelle: 5.30 Uhr bis 20.00 Uhr; Anbetungskapelle: Immerwährende Anbetung – täglich 24 Stunden geöffnet – Stille!

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