Zeugnis bringt reiche Frucht in Korea

Höhepunkt der ersten Asienreise von Papst Franziskus

Von Michaela Koller

SEOUL, 16. August 2014 (Vaticanista).- Am dritten Tag seiner Asienreise hat Papst Franziskus in Seoul auf dem zentralen Gwanghwamun Platz, von wo einst der Hinrichtungszug mit ihnen ihren Ausgang nahm, 124 koreanische Märtyrer selig gesprochen. Bis zu einer Million Menschen versammelten sich zu dem Ereignis und standen bis tief hinein in die von Wolkenkratzern umrahmten Straßenschluchten. Der Höhepunkt des fünftägigen Besuchs brachte die hochmoderne Stadt zum Stillstand; der Verkehr einschließlich der U-Bahn kam zum Erliegen. Die Menschen jubelten frenetisch, als Papst Franziskus nach beiden Seiten segnend an ihnen vorbeifuhr. Der außergewöhnlich angespannten Sicherheitssituation trug Südkorea Rechnung: Auf den Dächern platzierte Scharfschützen sicherten das Terrain.

Franziskus besuchte zunächst die Märtyrergedenkstätte Seosomun, einst Hinrichtungsstätte, wo 27 der Seliggesprochenen gedacht wird. Der bekannteste Märtyrer, der zu Ehren der Altäre erhoben wurde, war Paul Yun Ji-Chung. Unter den Blutzeugen war lediglich ein einziger Priester. Papst Johannes Paul II. hat 1984 103 Märtyrer heiliggesprochen. Die Seligsprechung wurde auch zum Symbol für die Sendung der Laien in der Gesellschaft. Ende des 18. Jahrhunderts gab es bereits 4.000 Katholiken, bevor überhaupt ein Priester nach Korea gekommen war.

Copyright: Kirche in Not

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Die neuen Seligen hatten sich wegen des neuen Glaubens, der 1784 in Korea ankam, mit den Mächtigen angelegt, gegen Ahnenverehrung oder Huldigung des Königs. Rund 10.000 Koreaner starben in 100 Jahren nach den ersten Bekehrungen den Märtyrertod.“ Sie kannten die Kosten der Gefolgschaft und waren bereit zu großen Opfern“, sagte Papst Franziskus in seiner Predigt. „Der Sieg der Märtyrer, ihr Zeugnis für die Macht der Liebe Gottes, bringt heute weiter Frucht in Korea, in der Kirche, die aus ihrem Opfer Wachstum empfing“, sagte der Papst weiter.

Für die Regierung bedeutet der Besuch des Pontifex nicht allein Ermutigung einer moralischen Autorität in einer Situation atomarer Bedrohung durch Nordkorea, das sich gegen das für Montag bevorstehende Militärmanöver Südkoreas mit den USA richtet, zu einem Zeitpunkt, zu dem Franziskus nicht einmal die Rückreise angetreten hat. Präsidentin Park Geun-hye sieht sich derzeit auch innenpolitischen Vorwürfen ausgesetzt. Nach dem Fährunglück der Sewol im April, bei der fast 300 Menschen, vor allem Schüler, den Tod fande, wird den Behörden Versagen vorgeworfen. 600 Angehörige durften nun an der Messe mit dem Papst teilnehmen. Der Vater eines Opfers konnte kurz mit Franziskus sprechen. Andere trugen Schilder mit der Aufschrift „Wir wollen die Wahrheit“.

Der Leiter des südkoreanischen Büros des weltweiten Hilfswerks „Kirche in Not“, Johannes Klausa erkärte in einem Interview die Wahrnehmung des Papstes in Korea: „Er wird hier, insbesondere von Nicht-Katholiken, empfunden wie eine Art UN-Generalsekretär: ein westlicher Führer für Freiheit und Menschlichkeit.“ Säkulare Buchhandlungen lockten laut Klausa mit einem überreichem Angebot an Biografien und anderen Büchern über Papst Franziskus: „von Pater Spadaros Interview bis zu „Der Papst twittert“ von Schwester Lee Hae-In“. Die Katholiken hingegen hätten sich besonders gründlich auf die Ankunft des Nachfolgers Petri vorbereitet, in Gebetsgruppen, Lektüre und mit einem speziellen Gebet. Natürlich gebe es auch Zugeständnisse an die Popkultur, wie Cartoons, Schlüsselanhänger, Plastikfiguren und T-Shirts mit Papstkonterfei. Tausende T-Shirts für die freiwilligen Helfer seien von nordkoreanischen Arbeitern in der Sonderwirtschaftszone Kaesong gefertigt worden, wo südkoreanische Unternehmen knapp 50.000 nordkoreanische Arbeiter beschäftigen. „Ob diese Arbeiter wohl wissen, dass sie einen Papstbesuch mit vorbereitet haben?“, fragt Klausa.

Es gibt sogar eine Hymne für den Papstbesuch. „Koinonia – Wir alle werden ein Geschenk sein“. Der Komponist und Mit-Organisator, Roh Young-Shim, sehe seinen Song als eine Art Begrüßungs-Blumenstrauß für den Heiligen Vater. „Bei all dem geistlichen und weltlichen Wirbel um den Besuch des Pontifex rief Bischof Peter Kang U-iI, der Vorsitzende der Koreanischen Bischofskonferenz, den Gläubigen jüngst eindringlich in Erinnerung, dass es sich beim Papstbesuch nicht um ein weltliches Spektakel handle“, versicherte Klausa. Ziel sei die „Heilung der Seelen der Jugend“.

„Die Priester fordern ihre Gemeindemitglieder dazu auf, sich inhaltlich intensiv mit der Biografie und der Enzyklika „Evangelii Gaudium“ auseinanderzusetzen.“ Durch das Zeugnis von Laien sei das Christentum in Korea auf einzigartige Weise gewachsen. „1953, nach dem Ende des Koreakrieges, lebten in Korea etwa 190.000 Katholiken. Heute, nur 60 Jahre später, sind es bereits über 5,4 Millionen“, sagte Klausa. Besonders beeindruckend sei die Entwicklung der letzten 25 Jahre, denn vor dem letzten Besuch eines Pontifex in Seoul, im Jahre 1989, habe es gerade einmal 1,5 Millionen Gläubige gegeben.

 

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