Botschaft über den Tag hinaus

Einschätzung zur Reise des Papstes nach Korea

Von Michaela Koller

SEOUL, 20. August 2014 (Vaticanista/Die Tagespost).- Den Gefahren, denen seine Gastgeber ausgesetzt sind, ist Papst Franziskus mit klaren Appellen begegnet: Für die Christen Asiens brachte er eine gleichermaßen geistliche, ja ganzheitliche Botschaft mit. Zuvorderst akut ist das Risiko einer militärischen Auseinandersetzung zwischen beiden Teilen Koreas. Unverhohlene Drohungen durch Worte und Raketentests überschatteten schon die Ankunft des Brückenbauers in seiner ersten Asienreise.

Bereits bei ihrer Begrüßung am ersten Tag trug Präsidentin Park Geun-hye ihm die Sorge um die Sicherheit vor. Jubel brandete bei seinem Treffen mit der Jugend zur Eröffnung des sechsten Asiatischen Jugendtags auf, als er zum Gebet sowie zu einer Schweigeminute für die Aussöhnung mit dem Norden des Landes aufrief. Sein Appell an Friedensbereitschaft und Dialog richtete sich auch an die Länder, „die noch keine vollständigen Beziehungen zum Vatikan pflegen“, darunter China, dass noch immer eine Schaukelpolitik gegenüber Rom verfolgt.

Eine andere glühende Gefahr, nicht nur in Korea, das eines der reichsten und hochtechnologisiertesten Länder der Erde ist, lauert in der Versuchung des Wohlstands: Eine ethische und geistliche Verwahrlosung, die ein Nützlichkeitsdenken im wirtschaftlichen Erfolgsrausch hervorbringt. Der Papst sprach mit den jungen Gläubigen im Wallfahrtsort Solmoe offen über die Suizide unter Jugendlichen in Südkorea. Er sagte, eine „geistige Wüste“ scheine den jungen Menschen die Hoffnung und in „allzu vielen Fällen sogar ihr Leben“ zu nehmen. Der Sog der Gier zusammen mit überkommenen Vorstellungen führt zudem vielfach zu einer Marginalisierung der Schwächsten: Dagegen wandte sich Franziskus nicht mit Worten, sondern mit Gesten: Rund zwei Dutzend Menschen mit Behinderungen und Menschen, die sich diesen in ihrem Dienst zuwenden, begrüßte er küssend, streichelnd, Hände schüttelnd im „Haus der Hoffnung“ in Kkottongnae.

Den Christen kommt in den drängenden Fragen der Zeit eine Schlüsselrolle aus Sicht des Papstes zu. „Zuallererst ist bedeutsam, dass Jesus, während er den Vater bittet, uns zu heiligen und zu beschützen, ihn nicht bittet, uns aus der Welt zu nehmen“, sagte Franziskus in seiner bewegenden Predigt bei der Feier zur Seligsprechung der 124 Märtyrer. Jesus sende die Jünger aus, ein „Sauerteig der Heiligkeit und der Wahrheit in der Welt“ zu sein, das Salz der Erde, das Licht der Welt. Die Märtyrer zeigten dazu den Weg. Die Katholiken in Korea sollten ihr Gottes- und Menschenbild an kommende Generationen weitergeben, durch Wort und Tat, und so auf einen Wandel zu einer humaneren Gesellschaft hinwirken. Die Mitte, aus der sie die Kraft dafür ziehen sollten, nannte er in seiner Ansprache an die Bischöfe: „Es ist eine Versuchung, die heutzutage auch christliche Gemeinschaften befällt und die Menschen vergessen lässt, dass es in einer Welt schneller Veränderungen „viel Unwandelbares“ gibt, das „seinen letzten Grund in Christus hat, der derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit“. Der lebendige Glaube an Christus müsse grundlegender Bezugspunkt bleiben. Und sei auch der Ausgangspunkt jeder Form des Dialogs. Der Frieden, die Gerechtigkeit und die Güte seien schließlich die Früchte der Christus-zentrierten Identität. Die Friedensbotschaft des Papstes weist weit über den Tag hinaus.

 

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten, Vatikan, Weltkirche - Ökumene veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.