Zum Dialog verurteilt

Einweihung der Räume von CIBEDO; Kardinal Tauran 3. v. li.; Foto: M. Koller

Einweihung der Räume von CIBEDO; Kardinal Tauran 3. v. li.; Foto: M. Koller

Stiftungsprofessur zum Dialog mit dem Islam errichtet

Von Michaela Koller

FRANKFURT, 29. Oktober 2014 (Vaticanista/ Die Tagespost).- Im Verhältnis zu den Muslimen gibt es für die Christen keine Alternative zum Dialog. Die Gewalt, die derzeit in weiten Teilen der muslimischen Welt von Radikalen ausgeht, darf nicht dem Vorwand dienen, bereits „bestehende Beziehungen“ des Vertrauens abzubrechen. Hierin waren sich die Redner beim Festakt zur Einrichtung der Stiftungsprofessur „Katholische Theologie im Angesicht des Islam“ an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen am Freitag in Frankfurt einig. Der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Jean-Louis Kardinal Tauran, betonte in seiner Festansprache, es sei ein Zeichen der Hoffnung, den Dialog auch in Zeiten der Verfolgung aufrechtzuerhalten. „Wie Sie sehen, sind wir zum Dialog ‚verurteilt’“, sagte der Kardinal in seinem in englischer Sprache gehaltenen Festvortrag. Der Präsident des Dialogrates, der am 13. März vorigen Jahres als Kardinalprotodiakon die Wahl Papst Franziskus verkünden durfte, war auch angereist, um die neuen Geschäftsräume der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO) auf dem Gelände der Hochschule einzuweihen.

In seinem Vortrag über „Katholische Kirche und Islam – Perspektiven des Dialogs“ unterstrich er die Rückkehr des Religiösen „wie nie seit dem Beginn der Moderne“. Der Szientismus seit der Französischen Revolution habe keine Antwort auf die eigentlichen Fragen der Menschen gefunden, nach dem Sinn des Lebens, nach der Existenz des Bösen, zu Tod und Glück des Menschen. Alle Religionen versuchten, darauf Antworten zu finden. Aus diesem Umstand leite sich die Bedeutung des gemeinsamen Engagements für das Gemeinwohl ab. Dieses interreligiöse Miteinander setze aber eine eigene religiöse Überzeugung voraus. Die Gläubigen seien aufgerufen, von der Angst vor dem anderen zur Angst um den anderen zu gelangen. Religiöse Führer sieht er in der Pflicht, das Gewissen ihrer Anhänger so zu bilden, dass niemand dem Unrecht gleichgültig gegenübersteht.

Der Vorsitzende der DBK-Kommission Weltkirche und Bamberger Erzbischof Ludwig Schick betonte gleichfalls: „Der Dialog mit den Muslimen und die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Islam muss fortgesetzt werden.“ Dazu müssten aber auch die Christen lernen, sich selbst im Angesicht des Islams neu und besser zu verstehen. „Das Verstehen der anderen und das Verstehen unserer selbst als Christen gehen Hand in Hand und durchdringen sich gegenseitig.“ Es ginge nicht darum, die religiöse Pluralität stumpf und unbewusst zu ertragen, sondern sie anzunehmen und zu gestalten. „Wir wollen sie als Quelle des Friedens in versöhnter Verschiedenheit verstehen und nutzen“, sagte der Erzbischof. Fruchtbarer Dialog setze Gleichberechtigung und auch gleichstarke Partner voraus.

Der Dialog sei derzeit nicht einfach und stagniere vielfach vor Ort angesichts der weltpolitischen Lage und der Kriege, die im Namen des Islams geführt werden. „Wir fordern aber auch von unseren islamischen Gesprächspartnern die klare Distanzierung von Mord, Gewalt, Krieg, Terror und Verletzung der Menschenrechte namens der Religion“, sagte Erzbischof Schick.

Die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt hat die Stiftungsprofessur zum Thema „Katholische Theologie im Angesicht des Islam“ zu diesem Wintersemester errichtet. Der Jesuit Tobias Specker, Fundamentaltheologe und Dogmatiker, wurde im Mai zum Juniorprofessor und Inhaber der Professur ernannt. Bei der Professur ginge es darum, den christlichen Glauben aus dem Blickwinkel der Kritiken und Gemeinsamkeiten mit dem Islam heraus zu verstehen, erklärte Specker. In den ersten fünf Jahren übernimmt die Deutsche Bischofskonferenz ein Drittel der Kosten. CIBEDO wurde 1978 gegründet und ist eine Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz mit der Aufgabe, den interreligiösen Dialog zwischen Christentum und Islam, sowie das Zusammenleben von Christen und Muslimen zu fördern und zu dokumentieren.

[Erstveröffentlichung: Die Tagespost, 28. Oktober 2014]

 

 

 

 

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