Christen streiten über „Patrioten Europas“

Inhaltliche Auseinandersetzung und Glaubenszeugnis gefordert

Von Michaela Koller

BAMBERG, 24. Dezember 2014 (Vaticanista/ZENIT).- Kontroverse Diskussionen hat die Distanzierung des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick von der Initiative Pegida ausgelöst. Wie vor einiger Zeit bereits der Kölner Oberhirte Kardinal Woelki und andere Bischöfe, warnte er vor pauschaler Diskriminierung der Muslime. Mitglieder des Bamberger Domkapitels sowie Mitarbeiter des Erzbistums hatten Donnerstag erklärt: „Wir stehen als Christen für Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Frieden. Bewegungen wie ‚Pegida‘ nähren sich aus diffusen Ängsten, Vorstellungen, Rassismus und Nationalismus, die mit pauschalen Ver- und Beurteilungen Hass schüren.“ Sie wollten sich mit den bestehenden Problemen und Ängsten beschäftigen, aber nicht in einem Umfeld der Radikalisierung. „Christen dürfen dort nicht mitmachen“, hatte der Erzbischof Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz vor Journalisten gewarnt.

Am Wochenende kippte die Debatte: Pegida-Sympathisanten platzierten Diffamierungen auf die Facebook-Seite des Erzbistums und schrieben beleidigende E-Mails. „Wir sind entsetzt über die aggressive und beleidigende Wortwahl, mit der einige von Euch auf unsere Aktion bzw. die Worte unseres Erzbischofs reagieren“, schrieb die Facebook-Redaktion am Samstag. „Wo hört man von Euch Heuchlern, wenn im Namen des Islam Christen umgebracht und gefoltert werden? Geht zum Teufel Ihr Mittäter“, schrieb ein Facebook-Nutzer. Die Stellungnahmen und sogar Reisen zu verfolgten Christen des Erzbischof wurden da geflissentlich ignoriert. Bis zum Montagmorgen hatte der Kritiker der Aktion dafür unter Hunderten von Kommentaren immerhin 19 Likes (19-fache Zustimmung) erhalten, genauso viel wie die Stellungnahme der erzbischöflichen Redaktion: „Vielen Dank aber an all diejenigen, die durch konstruktive Beiträge in ganz unterschiedliche Richtung vertreten und ausgetauscht haben“, hieß es darin.

Die Beiträge zeigen deutlich, dass weder Sympathisanten noch Kritiker von Pegida homogene Lager sind. Es beginnt bei eindeutiger Zustimmung: „Ich finde diese Aktion vorbildlich….Nächstenliebe ist Christenpflicht“. Auch ernteten die Initiatoren Dankbarkeit von islamischer Seite: „Ich als gläubiger Muslim möchte mich bei euch bedanken. Dafür, dass ihr trotz der schlechten Presse über meine Religion und trotz des Hasses, des Terrors und des Unrechts im Namen meiner Religion Gesicht zeigt und uns einen weiteren Grund bietet an Deutschland zu glauben.“ Das Erzbistum erhält aber auch Beifall von der falschen Seite, etwa durch den niedersächsischen Bundestagsabgeordneten der Linken, Diether Dehm, der als Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit geführt wurde: „Ich freue mich sehr über die Initiative.“

Trotz Vereinnahmung und Shit-Storm bekräftigten die Bamberger am Sonntag ihre Haltung. „Ein Christ darf nicht bei etwas mitmachen, das ganz oder teilweise nicht mit christlichen Grundsätzen und den Werten des Evangeliums übereinstimmt. Das ist nach allen Analysen von Experten und Institutionen bei Pegida der Fall“, heißt es in der neueren Erklärung vom Sonntag. Deshalb stehe Erzbischof Schick hinter seinem Appell. Er werde als Weltkirche-Bischof nicht müde, sich für die verfolgten und bedrängten Christen in aller Welt einzusetzen. Menschen, die ihre Sorgen über den sich ausbreitenden gewalttätigen Islamismus zum Ausdruck bringen, hätten sein volles Verständnis. Aber die „überwiegend friedlichen Moslems“ in Deutschland dürften nicht mit den Tätern auf eine Stufe gestellt werden. Christen müssten allerdings alles tun, um die Werte, Tugenden und die sozialen Errungenschaften des christlichen Abendlandes zu bewahren und auszubreiten.“

Pegida und ihre Kritiker haben schon jetzt bewirkt, dass genau über dieses Ziel und den Weg dorthin unter Christen heftig debattiert wird. „Nicht ein anderer Glaube ist die Gefahr für Europa, sonder der Verlust des eigenen, christlichen Glaubens“, mahnte ein Facebook-Nutzer. Professor Hubert Gindert vom Forum Deutscher Katholiken appellierte, sich argumentativ mit den Themen der Bewegung auseinanderzusetzen. Er gewann den Eindruck, dass Politiker und Medien zu weit von dem, was die Menschen bewegt, entfernt seien. Zugleich fragt er kritisch an, was Pegida denn unter „christlichem Abendland“ verstehe.

Zu einer rein geistlichen Antwort kam Facebook-Nutzer Eduard Pröls mit #‎JeGiDA‬ – JesusGibtDirAlles. Es sei die tägliche „Demonstration“ die nichts koste, inneren Frieden und Versöhnung einbringe. Das Programm von JeGiDA finde sich in jedem Gotteslob und Messbuch. Die Demozeiten stünden im Pfarrblatt, betonte Pröls mit Blick auf die Einladung zur heiligen Messe. „Refreshing, revolutionary, weltverändernd, heute wie vor 2000 Jahren“, bemerkte er.

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