„Inseln der Barmherzigkeit in einem Meer der Gleichgültigkeit“

Botschaft von Papst Franziskus zur diesjährigen Fastenzeit veröffentlicht

Von Michaela Koller

ROM, 27. Januar 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- In seiner diesjährigen Fastenbotschaft warnt Papst Franziskus vor Gleichgültigkeit und Allmachtswahn. Die österliche Bußzeit sei eine „Zeit der Erneuerung für die Kirche, für die Gemeinschaften wie für die einzelnen Gläubigen“. „Vor allem aber ist sie eine ‚Zeit der Gnade‘“, schreibt das Kirchenoberhaupt. Diese Gnade zeige sich darin, dass niemand Gott gleichgültig sei. „Jeder von uns liegt ihm am Herzen, er kennt uns beim Namen, sorgt sich um uns und sucht uns, wenn wir uns von ihm entfernen“, heißt es in der Botschaft weiter.

Die Menschen kennen, wie Franziskus erklärt, diese allumfassende Liebe nicht, sondern sie vergessen, wenn es ihnen gut geht und sie sich wohl fühlten, die Probleme, das Leid und die Ungerechtigkeit der anderen. „Diese egoistische Haltung der Gleichgültigkeit hat heute ein weltweites Ausmaß angenommen, so dass wir von einer Globalisierung der Gleichgültigkeit sprechen können“, beklagt Franziskus. Das Volk Gottes müsse sich zu seiner Liebe durch Überwindung der Gleichgültigkeit gegenüber dem Nächsten und gegenüber Gott bekehren, um Antworten auf jene Fragen zu erhalten, die ihm die Geschichte beständig stelle. Im Unterschied dazu gehe die Liebe Gottes so weit, dass er seinen Sohn für die Rettung jedes Menschen hingegeben habe. Durch Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes habe sich ein für alle Mal die Tür zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde geöffnet. Gleichgültigkeit, Hartherzigkeit oder gar Hass seien dadurch überwindbar.

Um sich in diese Richtung bekehren zu können, bedarf das Volk Gottes laut Franziskus‘ Botschaft einer Erneuerung. Die Liebe Gottes werde den Menschen durch die Lehre der Kirche sowie ihr Zeugnis entgegen gebracht. „Die österliche Bußzeit ist eine geeignete Zeit, um sich von Christus dienen zu lassen und so wie er zu werden“, schreibt der Papst. Die Gläubigen sollten daher das Wort Gottes hören, die Sakramente, insbesondere die Eucharistie, empfangen, um zusammen zum Leib Christi zu werden. So werde die Gleichgültigkeit ausgeschlossen. Die Kirche solle als Gemeinschaft an heiligen Dingen begriffen werden. Denen, die fern sind und denen, die die Menschen aus eigener Kraft nicht erreichen können, könnten durch das Gebet unterstützt werden. Es sei aber darauf zu achten, nicht zugunsten der Fernen den Nächsten in Not zu übersehen. „Das in Bezug auf die Weltkirche Gesagte muss notwendigerweise in das Leben der Pfarrgemeinden und Gemeinschaften übersetzt werden.“

Auch die Heiligen haben an der Kirche teil und freuten sich an der Überwindung von Hartherzigkeit und Tod. Sie seien mit den Gläubigen als Pilger unterwegs, „solange dieser Sieg der Liebe nicht die ganze Welt durchdrungen hat“. Die Freude der Heiligen helfe den Menschen auf Erden auf diesem Weg. „Die Kirche ist von ihrem Wesen her missionarisch, nicht in sich selbst zurückgezogen, sondern ausgesendet zu allen Menschen“, heißt es in dem Schreiben. Die Christen sollten daher hinaus zu den Menschen gehen und Zeugnis ablegen und damit zu Inseln der Barmherzigkeit in einem Meer der Gleichgültigkeit werden.

Auf dem Weg helfe das Gebet: Franziskus setzt auf die Initiative „24 Stunden für den Herrn“ am 13. und 14. März in der ganzen Kirche. Er hoffe, dass das auch auf Diözesanebene gefeiert werde. Zum anderen seien Gesten der Nächstenliebe notwendig. Darüber hinaus trage die Rückbesinnung auf Demut und die eigenen Grenzen zu einer Umkehr bei. „Und wir werden der teuflischen Versuchung widerstehen, die uns glauben macht, wir könnten uns selbst und die Welt ganz alleine retten.“ Papst Franziskus bittet darum, um die Gleichgültigkeit und den Allmachtswahn zu überwinden, die österliche Bußzeit als einen Weg der „Herzensbildung“ zu gehen, in dem Sinne, wie es sein Vorgänger, der emeritierte Papst Benedikt XVI., in seiner Enzyklika „Deus caritas est“ formuliert habe. „Wer barmherzig sein will, braucht ein starkes, ein festes Herz, das für den Versucher verschlossen, für Gott aber offen ist“. Er bete dafür, dass jeder Gläubige und jede kirchliche Gemeinschaft den Weg der österlichen Bußzeit fruchtbringend beschreite sowie er um ihr Gebet für sich bitte.

 

 

 

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