Nur ein Prozent von 51 Millionen Flüchtlinge weltweit kommt nach Europa

Tagung über Flüchtlinge in Katholischer Akademie in Bayern

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 29. Januar 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Sami Danka aus dem Irak, Pfarrer der chaldäisch-katholischen Gemeinde in München, ist einer von drei Priestern seiner Konfession in Deutschland. Sie sind für bis zu 17.000 Chaldäer zuständig. Wie viele seiner Landsleute so wollte auch er seine Heimat nicht verlassen: Es ist ein urchristliches Land, das Land Mesopotamien, der Vorfahren Abrahams“, sagte er bei der Tagung der Katholischen Akademie in Bayern, die dazu eingeladen hatte, sich mit dem Thema „Flüchtlinge – Drama ohne Ende“ zu beschäftigen. Vier große Wellen der Gewalt und Verfolgung hatten die irakischen Christen bereits erlebt, bevor die Situation seit August 2004 eskalierte: Bombenattentate auf christliche Stätten, Entführungen des Klerus, grausame Morde, verübt von sunnitisch-islamischen Extremisten. Auch Danka war in höchster Gefahr, als er noch Leiter des Priesterseminars in Bagdad war. Er selbst wurde von Islamisten festgehalten und mit der Hinrichtung bedroht, kam aber doch frei. Er hatte noch so viele Pläne für seine Gemeinschaft, jedoch ordnete sein Bischof an, Danka solle sich im Ausland in Sicherheit bringen.

Direkt vor Europas Haustür liegen inzwischen die Länder, aus denen Menschen in Massen vor kriegerischer Gewalt und systematischer Verfolgung flüchten: Irak und Syrien. Aber auch aus den weiter entfernten Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Somalia und Eritrea, Ost- und Zentralafrika und dem westafrikanischen Mali sowie Kolumbien erreichen den Kontinent besonders viele Flüchtlinge, teilweise auch aufgrund von Naturkatastrophen. Es gibt den Schutz für Individualflüchtlinge sowie die Kontingentflüchtlinge, die mit ihrer Ankunft sofort eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen erlangen.

Schutz erhalten die politisch Verfolgten, sowie Menschen, die unter die Genfer Schutz-Konvention fallen oder denen Folter oder Todesstrafe droht. „Wer nicht anerkannt wird, ist ausreisepflichtig. Eine Duldung bedeutet die Aussetzung der Abschiebung“, erklärte der Vizepräsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg, Michael Griesbeck, kurz und knapp die rechtliche Lage. Vier Staaten haben 2013 rund 70 Prozent der Flüchtlinge, die nach Europa kamen, aufgenommen: Neben Deutschland waren dies Schweden, Frankreich und Großbritannien. Syrien habe eine 100-prozentige Anerkennungsquote, sagt er. Dahinter stecken Schicksale, wie die von Pfarrer Danka, der sich über die Befragung beklagte, mit der die Menschen, die hierzulande um Schutz durch Aufnahme bitten, sich konfrontiert sehen.

„Kaum jemand möchte nach Europa“, berichtete der Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Berlin, Pater Frido Pflüger. Nur etwa ein Prozent der weltweit 51 Millionen gelangten überhaupt hierher. „Der Rest wird von den armen Entwicklungsländern getragen“, betonte er mit Blick auf die Aufnahme der Flüchtlingsströme. Pflüger glaubt daher nicht, dass die Europäer tatsächlich von Migranten überrannt werden. Er selbst sei Betroffenen begegnet, die mit Tränen in den Augen über ihren Wunsch sprachen, in die Heimat zurückzukehren. Wesentlich bei der Sorge um die Flüchtlinge sei die Frage: „Wie schaffen wir es, ihnen ein sinnerfülltes Leben zu gestalten?“

Albert Schmid, seit 2009 Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, ging der Frage nach, was der christliche Blick auf dieses millionenfache Schicksal ist, das auch immer mehr verfolgte Christen teilten. Er war selbst bis 2010 zehn Jahre lang Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Der engagierte Katholik betonte des Zeugnis der Tat, bei dem es darauf ankomme, wie der Gläubige mit dem Fremden umgeht. Die weltweite Kirche sei die „religiöse Antwort auf die globalisierte Welt“.

Vor diesem Hintergrund habe sich das Bewusstsein auch der Christen seit den 90er Jahren positiv verändert. „Wir haben da einen Riesensprung gemacht“, sagte er, auch mit Blick auf die Praxis des Kirchenasyls. In Erinnerung an das Wort des seligen Papst Pauls VI. „Entwicklung ist das neue Wort für Frieden“ sollte Europa es nicht nur bei der Aufnahme von Flüchtlingen belassen: Auch müsse die Entwicklung in den Herkunftsländern gefördert werden. Davon ist aber Pfarrer Dankas irakische Heimat weit entfernt, die durch den Islamischen Staat (IS) aktuell in finsterste Zeiten zurückgeworfen wird.

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