Besinnung zur Fastenzeit aus der christlich-arabischen Welt

Die Vielfalt der Christen feiert die eine Rettung

Von Monsignore Joachim Schroedel

KAIRO, 23. Februar 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- ZENIT wird in dieser Fastenzeit jeweils montags eine Besinnung veröffentlichen, die Msgr. Joachim Schroedel aus Kairo verfassen wird. Vaticanista übernimmt die Texte. Fast zwanzig Jahre, bis August 2014, war Msgr. Joachim Schroedel im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz der Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken in Ägypten, zuständig auch noch für acht weitere Länder. Der Geistliche aus dem Bistum Mainz unterstützt nun den Apostolischen Vikar in Alexandria, Bischof Zaki, in der Seelsorge für die Deutschsprachigen.

Besinnung der ersten Fastenwoche

In diesem Jahr fällt der Beginn der westlichen Fastenzeit (1. Fastensonntag: 22. Februar) und der orientalischen Fastenzeit (1. Fastensonntag 1. März) nicht zusammen. Doch die orientalischen Christen kennen, ebenso wie der liturgische Kalender vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, eine „Vorfastenzeit“, das heißt eine ohnedies längere Zeit. Die katholischen Riten werden 2015 Ostern zusammen mit den orientalischen Kirchen feiern – ein wichtiges Zeichen der Ökumene. So soll diese Differenz Anlass zu einer ersten Besinnung sein.

Fastenzeit heißt auch: Besinnung auf die ganze Christenheit. Denn oft neigen wir dazu, die „katholische Kirche“ auf die „Kirche von Rom“ zurückzuschneiden. Und vergessen dabei, dass es einige Kirchen (besonders des Nahen Ostens) gibt, die auch einen Zweig haben, der „mit Rom uniert“ ist. Griechen, Kopten, Syrer, Armenier… von all diesen Volksgruppen gibt es auch Menschen, die sich als „katholisch“ verstehen und es natürlich auch sind. Wir sagen hier in Ägypten: Auch sie gehören zum „Baba Roma“ – zum Papst in Rom. Es ist immer wieder bedenklich, wenn in den deutschen Medien von „den beiden großen Kirchen“ gesprochen wird, und dabei die Gemeinschaften der Evangelischen Kirchen gemeint sind sowie die römisch-katholische Kirche. Es wird immer wieder vergessen, dass die so genannten „orthodoxen“ Kirchen sowie die mit Rom in Gemeinschaft stehenden Kirchen wichtige Brückenbauer im ökumenischen Dialog sind.

Wer bereitet sich also auf Ostern vor? Die CHRISTEN, in all ihrer Vielfalt. Und ebenso vielfältig ist die Art und Weise, wie man sich vorbereitet. Aber allen geht es darum: innezuhalten, den Kreis der Betriebsamkeit zu durchbrechen, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Und das ist bei allen Christen gleich: Es geht beim Christentum nicht um Aktivismus, sondern zutiefst um Kon-Templation: Der Christ wird gerade durch die Erlösungstat Christi befreit von krampfhafter Selbst-Erlösung. Fastenzeit will den Blick öffnen auf Jesus Christus, dessen Rettungstat von seinen Freunden nur abgebildet, aber nie ersetzt werden kann – und darf! Wir betrachten SEINE Liebe, die uns „gratis“ – aus „reiner Gnade“ geschenkt wurde.

Vielleicht könnte man sich in der ersten Fastenwoche einmal die Zeit nehmen, über die anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu reflektieren – und in ihnen allen neu zu spüren, dass ER auf jede mögliche Weise den Menschen aller Zeiten sucht. Um seine RETTUNG allen anzubieten. Gesegnete ökumenische Fastenzeit!

 

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