Palmsonntag – Wer kommt „im Namen des Herrn“?

Besinnung zur Fastenzeit aus der christlich-arabischen Welt / 6

Von Monsignore Joachim Schroedel

KAIRO, 31. März 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Vaticanista veröffentlicht in dieser Fastenzeit einmal in der Woche eine Besinnung, die Msgr. Joachim Schroedel aus Kairo für ZENIT verfasst hat. Fast zwanzig Jahre, bis August 2014, war Schroedel im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz der Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken in Ägypten, zuständig auch noch für acht weitere Länder. Der Geistliche aus dem Bistum Mainz unterstützt nun den Apostolischen Vikar in Alexandria, Bischof Zaki, in der Seelsorge für die Deutschsprachigen.

Besinnung der sechsten Fastenwoche

Wenn in Jerusalem am Palmsonntag die große Prozession vomÖlberg in die Altstadt zum Löwentor pilgert, erklingt in der Prozession immer wieder der Ruf: „Lauda, Jerusalem, Dominum, lauda Deum tuum Sion: Hosanna, Hosanna, Hosanna filio David“ – „Lobe, Jerusalem, dem Herrn, lobe Zion, Deinen Gott: Hosanna, hosanna, hosanna dem Sohne Davids“. Im Psalm 118,36 heißt es: „gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn“. Und dieses Wort wird von der Menge, die Jesus begrüßt, begeistert gerufen (Vgl.etwa Mk 11,9.11.; Joh 12,13).

„Da wird noch Einiges auf uns zu kommen!“ – Diese Worte gebrauchen pessimistische Zeitgenossen, um bereits anzudeuten, dass man mit Negativem zu rechnen hat. Unterschiedlicher könnten diese Zitate gar nicht sein. Die Juden, die in Jerusalem dem auf einem Esel einreitenden Jesus zurufen, haben den Mut, ihn als denjenigen zu begrüßen, der „im Namen des Herrn“ kommt. Und dies ist letztlich die Identifikation Jesu mit Gott selbst: Wer „im Namen des Herrn“ kommt hat nicht nur „Teilbefugnisse“. Er ist vielmehr derjenige, der ausführt, was verheißen ist. „Hosanna dem Sohne Davids“ rufen heute noch die Menschen in der Prozession zu Jerusalem – und gewiss an allen Orten dieser Welt, die den Palmsonntag feiern.

Für die Christen des Nahen Ostens ist dieser Ruf freilich von besonderer Brisanz. Jesus als denjenigen zu bekennen, der vollkommen im Namen des Herrn agiert, bedeutet, Jesus mit Gott gleich zu setzen, in ihm „Gottes Sohn“ zu erkennen. Und genau an dieser Stelle beginnt auch das Leiden der Christen des Nahen Ostens.

Wir in Westeuropa sind geneigt, im Dialog mit anderen Religionen, besonders eben auch mit den beiden monotheistischen Religionen, das Prophetentum Jesu als Gemeinsamkeit herauszustellen; immer wieder ist zu hören: Ja, auch im Islam und im Judentum sei Jesus ja ein Prophet. Das, was zutiefst trennt und wir als trennend anerkennen müssten, wird als „Gemeinsamkeit“ deklariert! „Auf vielerlei Weise hat Gott einst gesprochen durch die Propheten“ (Hebr. 1,1). Und dafür dürfen alle drei monotheistischen Religionen dankbar sein. Doch Paulus fährt fort: „Nun aber, in dieser Endzeit, hat Gott gesprochen durch seinen Sohn“ (Hebr 1,2).

Für die Christen des Nahen Ostens ist dieser Satz „brandgefährlich“. Sie werden manchmal dafür verbrannt, an den Rand gedrängt, getötet. Doch es ist der Herr, der Sohn Gottes, den sie voller Mut bekennen! Es ist gut, dass ein frommer Muslim in Jesus einen Propheten erkennt – und zugleich ist es problematisch, dass er ihn „ver-kennt“. Gott, so bekennen die Christen, hat sich gerade in seinem Leiden und seiner Auferstehung als „Sohn Gottes“ erwiesen. Gottes Liebe ist keine Liebe, der man sich blind unterwerfen muss, es ist die Liebe des Mit-Leidens!

Vielleicht überlegen sich auch die westlichen Christen einmal, wer es ist, dem sie mit dem Zeugen des Neuen Testaments zurufen: „Benedictus qui venit in nomine Domini“ – „gepriesen sei er, der kommt, im Namen des Herrn“! In der Liturgie vor Paul VI. wird es an dieser Stelle ganz ruhig, alles Reden verstummt. Und man kann nur noch innerlich sagen: „Dominus est!“ – „Es ist der Herr“!

 

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