Erzbischof von Manila neuer Präsident von Caritas Internationalis

Kardinal Tagle: „Im Namen all der armen Menschen in der Welt nehme ich die Wahl an“

ROM, 16. Mai 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila, ist neuer Präsident von Caritas Internationalis. Die 20. Generalversammlung des Hilfswerks, an der Delegierte aus 130 Mitgliedsverbänden teilnehmen, wählte den 57-Jährigen in Rom.

Copyright: Erzbistum Manila

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Der Kardinal war über Telefon mit der Versammlung verbunden worden und sprach zu den Vertretern aus der ganzen Welt: „Guten Abend Ihnen allen“, sagte er auf Italienisch. Er danke ihnen für ihr Vertrauen. „Meine Fähigkeiten sind begrenzt, aber zusammen mit Ihnen allen, mit der Liebe, die Jesus in unsere Herzen gegossen hat und im Namen all der armen Menschen in der Welt nehme ich die Wahl an.“ Er appellierte an die Anwesenden, gemeinsam die Kirche der Armen zu stärken, so dass ihr gemeinsames Zeugnis in eine Welt von verstehender Gerechtigkeit, wahrer Freiheit und wahrem Frieden führen könne.

Tagles Amtsvorgänger Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras, der nach zwei Wahlperioden zurücktritt, gratulierte seinem Nachfolger und sagte ihm herzliche Unterstützung zu. Alexander Bodmann aus Österreich ist neuer Schatzmeister von Caritas Internationalis.

Kardinal Tagle ist der erste Präsident von Caritas Internationalis, der aus Asien kommt. Bereits im Alter von drei Jahren betete er den Rosenkranz. Im Jahr 1982 wurde Luis Antonio Tagle zum Priester geweiht. Er lehrte systematische Theologie und Dogmatik und war von 1997 bis 2002 Mitglied der Internationalen Theologenkommission. Am 12. Dezember 2001 weihte ihn Kardinal Jaime Sin Tagle zum Bischof von Imus, das südlich von Manila auf der Hauptinsel Luzon liegt. Genau zehn Jahre später fand seine Einführung als Erzbischof von Manila statt. Am 24. November 2012 kreierte ihn Papst Benedikt XVI. zum Kardinal.

Tagle ist auf den Philippinen und darüber hinaus für sein Engagement für die Armen und Bedürftigen bekannt. Seine Heimat ist noch immer eines der ärmsten Länder der Erde und hat mit enormen wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. In dem Land mit über 98 Millionen Menschen lebt etwa ein Viertel davon Regierungsstatistiken zufolge unterhalb der Armutsgrenze. Wiederholt verschärfen Naturkatastrophen die ohnehin prekäre Lage, wie etwa der Taifun Haiyan/Yolanda, der Anfang November 2013 mit einer unglaublichen Zerstörungskraft über die Philippinen hinwegfegte.

Die Ursachen schleppenden wirtschaftlichen Aufstiegs wurzeln nicht zuletzt in der Konzentration der Finanzmacht in den Händen einiger weniger mächtiger Familien. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Laut Weltbank-Informationen übersteigt der Grad der Vorteilnahme in dem Inselstaat den anderer führender Industrieländer der Region deutlich. Zudem ist die Landflucht ein großes Thema: Allein im Großraum Manila leben 17 Millionen Menschen.

Da Arbeitsplätze fehlen, gehen viele Filipinos ins Ausland, nach Australien oder in die reicheren asiatischen Industrieländer, oder heuern in den arabischen Golfländern an, mit fatalen Auswirkungen auf den Zusammenhalt der Familien. Einer Verrohung der Gesellschaft, die sich auch in Menschenrechtsverletzungen durch staatliche Sicherheitsbehörden offenbart, leistet der Zerfall der Familien als Keimzelle der Gesellschaft eher noch Vorschub. Weiterhin quälen und erniedrigen Angehörige der Sicherheitskräfte Verdächtige, wie Amnesty International in einem Bericht von vergangenen Dezember beklagt.

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