„Wir sind in Euren Händen, aber wir sterben für Jesus Christus“

Preis für Märtyrer Erzbischof Ignatius Maloyan

Von Michaela Koller

KÖLN, 4. Juli 2015 (Vaticanista/Die Tagespost).- Genau 100 Jahre nach seinem Martyrium hat die Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen den armenisch-katholischen Erzbischof Ignatius Maloyan posthum mit ihrem alljährlichen Preis gewürdigt. Die Urkunde sowie das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro für armenisch-katholische Christen in der Türkei nahm der Rektor des Päpstlichen Armenischen Kollegs in Rom und Apostolischer Administrator von Jerusalem und Amman, Monsignore Georges Dankaye, entgegen.

Copyright: IGFM/ K. Hafen

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Die Stephanus-Stiftung, die zum Festakt nach Köln einlud, wird von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) betreut. Die Frankfurter Menschenrechtsorganisation, die religiös und konfessionell unabhängig ist, trägt damit wohl dem Umstand Rechnung, dass die Christenheit weltweit die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft ist. Mit der Auswahl des diesjährigen Preisträgers erinnern die Kuratoriumsmitglieder der Stiftung, die sämtlich der IGFM angehören, an den Völkermord vor 100 Jahren an Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen auf Betreiben der jungtürkischen Regierung.

„Erzbischof Maloyan machte Mut zum aufrechten Gang in Bedrängnis“, sagte der Göttinger Professor für orientalische Kirchengeschichte Martin Tamcke in seiner Laudatio. Im Zuge des Bestrebens ein zentralisiertes Reich zu schaffen seien die autonomen kurdischen Herrschaftsbereiche im Osten des Osmanischen Reiches Ende des 19. Jahrhunderts zerschlagen worden. Es habe dort danach Anarchie geherrscht. „Die freigesetzte Gewalt richtete sich gegen alle Minderheiten außerhalb des politischen Islam“, fasste Tamcke den aktuellen Forschungsstand zur Genese der Bedrängnis zusammen. Schon vor dem Beschluss, die christlichen Minderheiten zu vernichten, sei es zu Verdächtigungen und Vertreibungen von und Morden an Christen gekommen. Viele Armenier hätten anfangs sogar auf die moderne jungtürkische Regierunge gehofft, nachdem die Bedrängnisse in der türkischen Gesellschaft nie abrissen. Den deutschen Beobachtern im Osmanischen Reich war aufgefallen, wie planmäßig die Minderheiten vertrieben, deportiert und niedergemetzelt wurden.

Choukrallah Maloyan, der sich später nach dem Märtyrer Ignatius von Antiochien benannte, wurde am 18. April 1869 im südosttürkischen Mardin geboren. Als Pfarrer für die armenischen Katholiken in Kairo hatte er sich vor allem für Arme und Kranke eingesetzt, wie Tamcke vortrug. Von 1911 bis 1914 war der fromme, hoch gebildete Geistliche armenisch-katholischer Erzbischof seiner Heimatstadt Mardin. Am 3. Juni 1915 begann der Leidensweg Ignatius Maloyans mit der Verhaftung. Er wurde besonders schwer gefoltert und mußte sich so geschunden „an die Spitze des Deportationszugs stellen“. Mehr als 400 Christen, auch syrisch-orthodoxe und protestantische Glaubensgeschwister, starben mit ihm. Wie berichtet wird, ließen sie sich nicht zwingen, zum Islam überzutreten. „Wir sind in Euren Händen, aber wir sterben für Jesus Christus“, sagte der Erzbischof im Namen aller. Der Polizeichef von Mardin erschoss ihn persönlich.

„Wieviele Kriege müssen wir noch ertragen, nur weil Dein Name auf unserer Stirn steht“, sang Mezzosopranistin Maria Kaplan auf Aramäisch, mit Cello begleitet von Christoph Lamprecht. Unter den mehr als 400 Christen, die zusammen mit Bischof Ignatius ermordet wurden, waren auch Angehörige der Volksgruppe ihrer Vorfahren; ebenso sind evangelische Opfer bezeugt. In dem Grußwort, das der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki durch den Kölner Stadtdechanten Monsignore Robert Kleine verlesen ließ, erinnerte dieser an die „Ökumene des Blutes“ (Papst Franziskus). Der heilige Stephanus, Namensgeber der Stiftung, sei nicht nur Blutzeuge für Christus, sondern auch ein früher Vorkämpfer für die christliche Einheit gewesen, da er die Jerusalemer Urgemeinde vor Spaltung bewahrte.

Daniyel Demir, Vorsitzender des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland, erinnerte in seinem Grußwort denn auch daran, dass es 1915 insgesamt rund 500.000 aramäische Opfer neben 1,5 Millionen Armeniern zu beklagen gab. Monsignore Dankaye sagte in seiner Dankesrede: „Das Martyrium hat neu begonnen.“ Heutzutage würden die Christen vor die Wahl gestellt, entweder Krieg zu führen oder ihren Glauben zu verleugnen. Die Zeit des Genozids damals hätte seine Kirche in Gemeinschaft aller Christen erlebt. Zusammen mit ihm erteilten Domkapitular Thomas Weitz und Pater Gabriel vom syrisch-orthodoxen Kloster St. Jacob in Warburg den Teilnehmern in der Kölner Kirche St. Aposteln abschließend den Segen.

Die Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen ist im Jahr 2007 von dem Naturwissenschaftler und Pädagogen Wolfgang Link aus dem Schwarzwald gegründet worden, der seit 40 Jahren Mitglied der IGFM ist.
[Erstmals erschienen: Die Tagespost, 16. Juni 2015]

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