Kuba missachtet Menschenrechte

Gastkommentar eines Menschenrechtlers für die Tagespost

Von René Gomez Manzano

HAVANNA, 25. September 2015 (Vaticanista/Die Tagespost).- Überall, wo Papst Franziskus hinkam, wurde er vom kubanischen Volk herzlich willkommen geheißen. Präsident Raúl Castro hatte sogar einige Wochen vorher angekündigt, dass er möglicherweise in den Schoß der Kirche zurückkehren werde. Dies fand aber nicht statt, zumindest nicht öffentlich. Wenn wir jedoch den Aufenthalt des Papstes aus menschenrechtlicher Sicht betrachten, müssen wir leider feststellen, dass er wenig erfolgreich warWie auch während der Besuche von Franziskus‘ Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. wurden die Telefonleitungen von Hunderten von Dissidenten vorübergehend stillgelegt, andere waren an den Tagen des Papstbesuches im Gefängnis, weitere wurden davon abgehalten, an den verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen.

Um all dies zu erreichen, hat die politische Polizei verschiedene Methoden eingesetzt. In einigen Fällen führte der repressive Apparat einfach Verhaftungen durch. Doch oft waren die Methoden andere. Zum Beispiel erklärte der herausragende Oppositionsführer Guillermo Farinas, der vom EU-Parlament mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit ausgezeichnet wurde, dass er mehrmals versucht hatte, ein Taxi anzuhalten, um an der Papstmesse auf Havannas Plaza de la Revolución teilzunehmen. Doch jedes Mal, wenn ein Taxi hielt, bedrohte ein Staatssicherheitsbeamter den Fahrer und warnte ihn, dass er nicht befugt sei, Farinas mitzunehmen.

Drei Frauen – die Sprecherin der Damen in Weiß, Berta Soler, die ehemalige politische Gefangene Martha Beatriz Roque und die Journalistin Miriam Leiva – wurden davon abgehalten, Papst Franziskus am Samstag nach seiner Ankunft zu begrüßen. Dasselbe ereignete sich auch am Sonntagnachmittag, als Roque und Leiva erneut dazu eingeladen waren, die Messe in der Kathedrale von Havanna zu besuchen. Beide wurden verhaftet und stundenlang festgehalten, einer der Beamten sagte zu Roque: „Sagen Sie uns, was sie dem Papst sagen wollen.“ Berta Soler konnte an diesem Sonntag nicht eingeladen werden, weil sie noch im Gefängnis war. Trotz all dieser Repressionen gelang es zahlreichen Oppositionellen, Mitgliedern der Patriotischen Union Kubas (UNPACU), unbemerkt durch die Absperrungen der Polizei zu gelangen. Als der Papst ankam, riefen sie ihn. Einem Angehörigen der Gruppe gelang es sogar, ein paar Worte mit dem Papst zu wechseln. Daraufhin wurden sie von der Polizei weggebracht, während sie „Freiheit!“ skandierten.

Jetzt bleibt zu hoffen, dass die zahlreichen Menschenrechtsverteidiger, die auf Kuba verhaftet wurden, wieder freigelassen werden. Dazu zählen allein im Osten der Insel mehr als 80 Mitglieder der UNPACU und mehr als 40 Mitglieder der Damen in Weiß (nur in Havanna) und viele andere.

Der Autor ist Vorsitzender der IGFM auf Kuba und ehemaliger politischer Gefangener.

[Übersetzung aus dem Englischen: Sabine Fanta]

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