Warnung vor Zusammenbruch der Familienbande

Letzte öffentliche Ansprache des Papstes auf Kuba

Von Anita Bourdin

SANTIAGO DE CUBA, 25. September 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Mit der sprichwörtlichen Kirsche auf dem Sahnehäubchen hat Papst Franziskus das Treffen mit den Familien in der Kathedrale von Santiago de Cuba bezeichnet. Er nutzte die Gelegenheit für eine besondere Geste: Er bat die anwesenden sowie die über die Medien verbundenen schwangeren Frauen, ihre Hände auf den Bauch zu legen, bevor er speziell für sie und ihre Kinder einen Segen sprach. Er fügte hinzu, dass er jedem Kind wünsche, es möge gesund zur Welt kommen, gut heranwachsen und dass es gut zu erziehen sei. „Streicheln Sie das Kind, das Sie erwarten“, sagte der Papst.

In seiner Ansprache forderte der Papst, sich um die Familien zu kümmern, die Schulen der Menschlichkeit seien: „Kümmern wir uns um unsere Familien, die wahren Schulen von morgen. Kümmern wir uns um unsere Familien, reale Räume der Freiheit. Kümmern wir uns um unsere Familien, wahre Zentren der Menschlichkeit.“ Er bat um ihr Gebet für das achte Weltfamilientreffen in Philadelphia und die Familiensynode: „Ich lade Euch speziell ein, für diese Anliegen zu beten, damit wir wissen, dass uns alle helfen, sich um die Familie zu kümmern.“

Für den Papst ist die Familie trotz ihrer Unvollkommenheit die Antwort auf die Probleme von morgen: „Die Familie erspart uns zwei aktuelle Phänomene: Die Zersplitterung sowie das Massenphänomen. In beiden Fällen werden die Menschen zu isolierten Individuen, einfach zu handhaben und zu regieren. Gespaltene Gesellschaften, gebrochen, getrennt oder durch das Massenphänomen sehr betroffen, sind eine Folge des Zusammenbruchs der Familienbande, wenn die Beziehungen verloren gehen, die uns als Menschen lehren, Menschen zu sein. Die Familie ist Schule der Menschlichkeit, die uns lehrt, die Bedürfnisse der anderen auf dem Herzen zu haben, aufmerksam für das Leben der Anderen zu sein.“

Der Papst entwickelte die Idee der Familie als Schule: „Es ist zu Hause, wo wir Brüderlichkeit, Solidarität lernen, und nicht dominant zu sein. Es ist zu Hause, wo wir lernen, das Leben zu empfangen und es als Segen anzunehmen, und es ist zu Hause, wo wir lernen, dass jeder den anderen braucht, um voranzukommen. Es ist zu Hause, wo wir Vergebung erfahren und wir ständig aufgefordert sind zu vergeben, uns verwandeln zu lassen. Zu Hause gibt es keinen Raum für Masken, wir sind, was wir sind und auf die eine oder andere Weise, sind wir eingeladen, das Beste für die anderen zu suchen. Deshalb betrachtet die christliche Gemeinschaft die Familien als Hauskirchen.“

Dann hob der Papst die Eucharistie hervor: „Die Eucharistie ist die Speise der Familie Jesu, die sich aus der ganzen Welt versammelt, um sein Wort zu hören und sich von seinem Leib zu nähren.“ Am Ende des Treffens erhielt der Papst eine Statue Unserer Lieben Frau von Cobre für kubanische Familien in der Diaspora. Dann verharrte der Papst einen Augenblick lang schweigend, mit gesenktem Kopf am Fuße der Statue des Heiligen Jakobus. Von der Terrasse der Kathedrale segnete er die Menschen. Er drängte auf besondere Fürsorge der Großeltern, die ein lebendes Gedächtnis seien. „Kinder und Jugendliche sind die Stärke eines Volkes. Wer sich um Großeltern und Kinder kümmert, hat den Sieg gesichert“, betonte der Papst. Dann scherzte er: „Ich gebe Euch den Segen unter einer Bedingung. Ihr müsst etwas bezahlen: Ich bitte Euch, für mich zu beten!“

[Übersetzung aus dem Französischen: Michaela Koller]

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