Persönliche Verantwortung aller Gläubigen für die Mission der Kirche

Heilige Messe mit Papst Franziskus in Philadelphia

Von Michaela Koller

PHILADELPHIA, 4. Oktober 2015 (Vaticanista/ZENIT).- Papst Franziskus hat in seiner Predigt in der Basilika Sankt Peter und Paul im US-amerikanischen Philadelphia die besonderen Leistungen der Frauen in der Kirche gewürdigt. Einen Sinn für Zusammenarbeit und für geteilte Verantwortung künftig in den Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen zu fördern, bedeute besonders „den unermesslichen Beitrag zu würdigen, den Frauen – Laien und Ordensschwestern – für das Leben unserer Gemeinschaften geleistet haben und weiterhin leisten“, sagte der Papst.

Bei seiner Ankunft in der Kathedrale begrüßten die Anwesenden, darunter viele Familien samt Großeltern und Pilgergruppen, das Oberhaupt der katholischen Kirche mit Jubel und Applaus. Eine spanische Lesung sowie eine vietnamesische Fürbitte spiegelten die Vielfalt der Lebenswirklichkeit seiner Gastgeber wieder.

Vor einem Gemälde, das die heilige Familie zeigte, nannte Franziskus das Beispiel der heiligen Katherine Drexel aus Philadelphia. Sie ist die einzige Heilige, die in den USA geboren wurde. Drexel lebte von 1858 bis 1955, wuchs zunächst als Tochter wohlhabender Mäzene auf und fand durch eine Privataudienz bei Papst Leo XIII. zu ihrer Berufung als Ordensfrau und Missonarin. Sie hatte zusammen mit ihren Schwestern Unterstützung für Indianer und Afro-Amerikaner gesucht, aber der Vater der katholischen Soziallehre führte die mit Heiratsanträgen umworbene Katherine Drexel zu ihrer wahren Sendung.

Papst Franziskus übertrug das Beispiel von damals auf die heutige Zeit: „Eine der großen Herausforderungen der Kirche in diesem Moment besteht darin, bei allen Gläubigen ein Empfinden ihrer persönlichen Verantwortung für die Mission der Kirche zu fördern und sie zu befähigen, dieser Verantwortung als missionarische Jünger und als ein Sauerteig des Evangeliums in unserer Welt nachzukommen.“

Dabei betonte Franziskus aber besonders die Rolle der Laien, deren Einsatz noch an Bedeutung gewinnen werde. „Die Kirche in den Vereinigten Staaten hat die Katechese und die Erziehungsarbeit immer mit großem Einsatz betrieben.“ Es ginge nicht allein darum, Strukturen und Einrichtungen zu bewahren, sondern sich auf der ganzen Linie den Möglichkeiten zu öffnen, die der Heilige Geist bietet und so die Freude des Evangeliums „in allen Phasen unseres Lebens“ zu vermitteln. Er appellierte zudem an die Gemeinde, über den Dienst an den Familien nachzudenken. Auch bat er, für die Beratungen der kommenden Familiensynode inständig zu beten. „Wenden wir uns voll Dankbarkeit für alles, was wir empfangen haben, und mit festem Vertrauen in all unseren Nöten an Maria, unsere heilige Mutter“, sagte der Papst abschließend.

Nach der Predigt applaudierten die Gläubigen kräftig. Nachdem der Chor ein amerikanisches Marienlied, das mit der Melodie, die im deutschen Sprachraum zum Weihnachtslied „Oh du fröhliche“ gesungen wird, vortrug, dankte Erzbischof Charles Chaput dem Papst für dessen Unterstützung im Glauben: „Danke, dass Sie das Evangelium Jesu Christi voller Freude leben“. Philadelphia habe lange auf diesen Moment gewartet, nicht allein die katholischen Gläubigen, sondern auch eine lebendige jüdische Gemeinde sowie Geschäftsleute, die die Ortskirche als Gastgeber unterstützt hätten. Wenn sie könnten, würden sie sich Franziskus-Stadt nennen. Die ersten Pfarreischulen der USA seien in Philadelphia entstanden, erinnerte der Erzbischof stolz vor dem Schlusssegen.

 

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