Gegenseitige Vergebungsgeste auf ökumenischer Versammlung in Tirana

Erklärung zur Religionsfreiheit angesichts brisanter Lage

TIRANA, 16. November 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Die Ökumene des Blutes, das geteilte Zeugnis der Herrschaft Christi selbst bis in den Tod, kenne keine Konfessionsgrenzen, hat Kurienkardinal Kurt Koch gegenüber Radio Vatikan betont. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen hatte bei dem ökumenischen Treffen gegen Christenverfolgung des „Global Christian Forum“, das vor einigen Tagen in der albanischen Hauptstadt Tirana zu Ende ging, die Botschaft von Papst Franziskus überbracht.

Es war in dieser Form wohl ein Novum: Hochrangige Vertreter der verschiedenen kirchlichen Traditionen fanden sich zusammen und berieten über die kritische Lage der christlichen und anderer religiöser Minderheiten weltweit angesichts einer zunehmenden Diskriminierung und Verfolgung.

Wie die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung in München, die die dreitägigen Konsultationen begleitete, bekanntgab, haben die 145 Beteiligten aus 60 Ländern am letzten Tag eine historische Erklärung verabschiedet:

Die Abgesandten des Päpstlichen Einheitsrates, der „Pentacostal World Fellowship“, der „World Evangelical Alliance“ und des „World Council of Churches“ bekannten in enger Abstimmung mit orthodoxen Kirchenvertretern zum ersten Mal in der Kirchengeschichte gemeinsam ihre Schuld, dass sie sich in der Vergangenheit sowohl untereinander als auch andere religiöse Gemeinschaften verfolgt haben, und baten gegenseitig um Vergebung.

Gemeinsam forderten sie die Regierungen weltweit auf, das Recht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit als ein fundamentales Menschenrecht zu respektieren und zu schützen. Ihr besonderes Augenmerk solle zusammen mit den internationalen Organisationen aktuell auf dem Schutz der Christen und anderer religiöser Minderheiten in den betroffenen Kriegs- und Krisengebieten liegen. Zahlreiche Augenzeugenberichte aus Ländern wie Syrien, Irak, Sudan, Eritrea oder Nigeria unterstrichen die dramatischen Ausmaße, die dieses Thema inzwischen angenommen hat.

Als Selbstverpflichtung formulierten alle Beteiligten, künftig noch stärker als bisher den Bedrängten zuzuhören, beizustehen, für sie zu beten, ihnen gemeinsam eine klare und starke Stimme zu verleihen und nach effektiven Wegen zu suchen, Religionsfreiheit für alle Unterdrückten und Verfolgten durchzusetzen.

Die Organisatoren der informellen Plattform „Global Christian Forum“ hatten den Ort der Zusammenkunft „Diskriminierung, Verfolgung, Martyrium: Christus gemeinsam folgen“ mit Bedacht gewählt. Albanien hatte sich 1967 als erstes Land der Welt in seiner Verfassung als atheistischen Staat konstituiert. Nach Zeiten schlimmster Verfolgung der christlichen und muslimischen Bevölkerung erlebt das Land aktuell eine religiöse Renaissance im Rahmen eines interreligiösen Klimas des Respekts und der Toleranz. Dies betonte auch Staatspräsident Bujar Nishani bei seinem Empfang zu Ehren der Konferenzteilnehmer. (mk)

 

 

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