Kritik an Umgang Vietnams mit Religionsgemeinschaften

Katholischer Pfarrer nach Angrifft schwer verletzt

Von Michaela Koller

HANOI, 20. Januar 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Deutliche Kritik an der vietnamesischen Religionspolitik hat die interreligiöse Lien-Ton-Vereinigung in dem südostasiatischen Land geäußert. In der Organisation arbeiten Christen unterschiedlicher Konfession, Buddhisten, Caodaisten und Angehörige der Moon-Bewegung zusammen. In ihrem jüngsten Bericht vom 9. Januar werfen sie der Regierung sogar gewalttätige Angriffe auf die Religionsfreiheit allein in diesem jungen Jahr vor.

Wie die Agentur Asianews berichtet, wollten etwa die Hoa Hao Buddhisten den 96. Geburtstag ihres Gründers Huynh Phu So in der Provinz An Giang feiern, aber Sicherheitsbehörden versperrten die Zufahrten zur Stadt Long Giang, wo die Feierlichkeiten geplant waren. Sie gingen dabei gewaltsam selbst gegen ältere Pilger vor, um die Feiern aufzulösen. In dem Bericht heißt es, dass dies praktisch jedes Jahr so geschehe.

Milizen und Mitglieder der örtlichen Frauenföderation stürmten am 2. Januar das Grundstück der Benediktiner-Abtei von Thien An. Rund 200 Menschen griffen die Mönche an und entrissen ihnen auch die Kamera, mit der sie den Übergriff dokumentieren wollten. Bereits einen Teil des Grundeigentums enteignete der Staat schon und errichtete darauf ein Freizeitzentrum.

Katholiken wurden auch zur Zielscheibe eines dritten Angriffs, in Vinh, wohin der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx während seines Vietnamaufenthaltes in der ersten Januarhälfte nicht reisen durfte. Pfarrer, Dang Huu Nam, der sich für 14 seit 2011 unschuldig inhaftierte Katholiken eingesetzt hatte, wurde dort in der vergangenen Woche von rund 20 Schlägern attackiert und erlitt dabei schwere Verletzungen. Die Polizei griff nicht ein.

Im kommunistischen Vietnam leben eigentlich nur rund 20 Prozent Atheisten. Fast die Hälfte, um die 48 Prozent, sind Buddhisten, sieben Prozent bekennen sich zum katholischen Glauben, sind aber überproportional in den Sektoren Bildung, Gesundheit und Soziales engagiert. Die katholischen Bischöfe des Landes kritisieren den Entwurf eines neuen Religionsgesetzes, das auf die Bemühung des Staates hindeutet, die Kirche künftig umfassend zu überwachen.

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten, Religionsfreiheit - Menschenwürde veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.