Kardinal Ranjith von Colombo: Appell an Einheit Sri Lankas

Erstmals Nationalhymne in Tamil vorgetragen

Von Michaela Koller

COLOMBO, 17. Februar 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- In seiner Botschaft zum Unabhängigkeitstag Sri Lankas hat der Erzbischof von Colombo, Kardinal Malcolm Ranjith, an das Bemühen zur Einheit in dem einst vom Krieg erschütterten Land erinnert. „Ich möchte die Bedeutung der Einheit zum Aufbau eines Klimas wahrer Unabhängigkeit in dem Land betonen, in dem alle Gemeinschaften in Frieden, Einheit, Koexistenz und Freude zusammen leben können“, sagte der Kardinal.

Ein Chor durfte dieses Jahr erstmals seit Ende des Bürgerkriegs (1983 bis 2009) beim Unabhängigkeitstag die Nationalhymne auf Tamil singen. Dieser Schritt wird von Beobachtern als äußerst symbolisch eingeschätzt: Im Jahr 1956 setzte aus der Mitte buddhistischer Gruppierungen eine Singhalisierungspolitik ein, die sich zunächst gegen die starke Rolle der Christen im Bildungswesen wandte. Schließlich führte diese dazu, dass Sinhala 1956 zur einzigen Amtssprache erklärt wurde. Daraus entbrannte ein Konflikt, der in Pogromen gegen die mehrheitlich hinduistischen Tamilen gipfelte, von denen 400 umkamen.

Wiederholt berichten Menschenrechtsorganisationen von Angriffen auf Christen durch aufgestachelte Menschenmengen. Sie identifizieren buddhistische Mönche als Drahtzieher, die sich einem religiösen Nationalismus verschrieben haben. Der Staat ist offiziell religiös neutral, nur erfährt der Buddhismus eine größere Förderung als andere religiöse Ausrichtungen.

Am vorigen Donnerstag feierte das Land das Ende der britischen Kolonialherrschaft im Jahr 1948. „Wir könnten besser platziert sein, wenn wir in der Lage gewesen wären, eine geeinte Nation in Sri Lanka aufzubauen“, kommentierte der ehemalige Vatikandiplomat und Kurienbischof Ranjith weiter. Derzeit finden immer noch Proteste gegen die Inhaftierung hunderter unschuldiger Tamilen statt. Wie die Agentur AsiaNews berichtet,  begleitete einige Tage vor dem Nationalfeiertag der anglikanischen Geistliche Marimuttu Sathivel bei einem Protestmarsch Menschenrechtler, die für die Freilassung politischer Gefangener eintraten.

Papst Franziskus besuchte das Land vom 12. bis 15. Januar vorigen Jahres und traf sich dabei mit Opfern des Bürgerkriegs, der 40.000 Menschen das Leben kostete. Das Oberhaupt der katholischen Kirche trat dabei auch für die Aufarbeitung der Vergangenheit ein, „um Gerechtigkeit, Einheit und Heilung zu fördern“. In Sri Lanka leben 70,2 Prozent Buddhisten, 12,5 Prozent Hindus, 7,4 Prozent Christen und 9,7 Prozent Muslime. Die Mehrheit der Christen sind katholisch.

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