Kardinal Pells Zeugenaussagen zum Umgang mit dem Missbrauch

Höhepunkt einer Woche: Sehr emotionales Treffen mit Opfern

Von Michaela Koller

ROM, 11. März 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Kardinal George Pell, Präfekt des päpstlichen Wirtschaftssekretariats, hat sich vorige Woche erstmals vier Stunden lang den Fragen einer australischen Untersuchungskommission gestellt, die zum Missbrauch in verschiedenen Einrichtungen ermittelt. Mit der „Royal Commission into Institutional Responses into Child Sexual Abuse“ sprach der Kurienkardinal per Videokonferenz, um als ehemaliger Erzbischof von Sydney Auskunft über den Umgang seiner Kirche mit den zahlreichen Fällen Rede und Antwort zu stehen. Dabei räumte er ein, dass die Kirche damit „nicht gut“ in der Vergangenheit umgegangen sei. „Die Kirche hat enorme Fehler begangen, und arbeitet daran, die Betroffenen zu trösten, aber die Kirche hat vielerorts, gerade auch in Australien, die Dinge verhunzt und die Menschen heruntergezogen“, gestand er.

In noch drei weiteren Sitzungen stellte sich der Kardinal, einer der einflussreichsten Kirchenmänner, der der Diözese Ballarat entstammt, der Befragung. Am Donnerstag traf er sich abschließend mit etwa einem Dutzend Opfern im römischen Hotel Quirinale, ein Treffen, zu dem er sich seit längerem bereit erklärt hatte. Er versprach sich davon im Vorfeld Heilung für die Überlebenden. Die Reihen der Opfer aus der Heimat des Kardinals im südöstlichen Bundesstaat Victoria lichteten sich in der Vergangenheit nicht nur, weil die Fälle teilweise in die 60er Jahre zurückreichen: Mehr als ein Dutzend der Opfer begingen Suizid, nicht zuletzt, weil die Gerechtigkeit und die Anerkennung ihres Leids Jahrzehnte auf sich warten ließ.

Pell hörte sich jedes einzelne Schicksal an: „Es war schwer, ein aufrichtiges und teilweise emotionales Treffen.“ Er fühle sich verpflichtet, mit den Menschen aus Ballarat zusammenzuarbeiten. Er kenne die Güte vieler Menschen aus der Gegend, „eine Güte, die nicht durch das Böse, das verübt wurde, auszulöschen war.“ Er kenne ihre Loyalität und Nächstenliebe und erkenne diese mit großer Dankbarkeit an. Ihm sei sehr an einer engen Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie der Päpstlichen Kinderschutzkommission gelegen.  Zu den Suiziden sagte er: „Jeder Suizid ist einer zu viel.“ Er selbst werde sich darum bemühen, dass dies künftig nicht mehr als eine Option von denen, die leiden, betrachtet wird. Er wünsche sich, dass seine Geburtsstadt Ballarat zu einem Vorbild für eine bessere Heilung werde. Daher unterstütze er dort die Idee der Einrichtung eines entsprechenden Forschungszentrums.

Pell folgte schließlich an der Lourdesgrotte in den vatikanischen Gärten dem Aufruf der „Greller-Zaun-Bewegung“ aus Ballarat, die dazu einlädt, leuchtend farbige Bänder an die Gitter katholischer Einrichtungen zu hängen, zum Zeichen der Solidarität mit den Überlebenden des sexuellen Missbrauchs: Der Kardinal brachte am Zaun ein gelbes Band an und betete für alle Opfer.

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