„Steht endlich gemeinsam auf gegen den Wahnsinn!“

Bischof Stefan Oster ruft alle friedliebenden Muslime zu Bekenntnis gegen Gewalt auf

Von Michaela Koller

PASSAU, 24. Juli 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Die Aufforderung zu einem eindeutigen Bekenntnis gegen Gewalt hat am vergangenen Wochenende Bischof Stefan Oster von Passau an „alle friedliebenden Muslime“ gerichtet. Auf seinem Webblog www.stefan-oster.de appelliert er an sie: „Steht endlich gemeinsam auf gegen den Wahnsinn!“ Unter dem Eindruck der Anschläge von Nizza, Brüssel, Paris und weiterer Tatorte, wo Gewalttäter der Kriegseinladung von Terrorgruppen wie dem Islamischen Staat gefolgt sind, schreibt der 51-jährige Oberhirte:

„Wann endlich kommt der kollektive, der große gemeinsame Aufschrei aller friedliebenden und wirklich ihrem Gott ergebenen Muslime der Welt, dass sie ihren Glauben nicht länger im Namen von Terroristen missbrauchen lassen wollen?“

Copyright: Monika Zieringer/ Pressestelle Bistum Passau

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Der Bischof fragt nach Demonstrationen, Zusammenschlüssen und Initiativen, die für Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung eintreten. Der Zwischenruf richtet sich an geistliche sowie politische Führer der islamischen Welt ebenso wie an die Muslime in Deutschland.

In seinen Fragen spricht er das Problem der Einschränkung der Religionsfreiheit in islamischen Ländern, die Unterdrückung und sogar Verfolgung religiöser Minderheiten, Geringschätzung von Frauen, die Verachtung von freiheitlichen staatlichen Verfassungen und den Mangel an Gleichberechtigung allgemein von Minderheiten an. Als aktuelles Beispiel nennt er die Diskriminierung von Christen und Angehörigen anderer religiöser Minderheiten und deutschen Flüchtlingsunterkünften.

Die zunehmende Verengung auf eine buchstäblich verstandene Scharia hält er nicht für zwangsläufig, indem er betont, dass es auch einen Islam gibt, der damit nichts zu tun hat. Bischof Oster kritisiert jedoch, dass dessen Vertreter nur bekannt werden, wenn Christen und westliche Demokraten auf dessen Anhänger hinweisen. Der Salesianer fragt nach den Gründen, warum diese so wenig hörbar und sichtbar seien, ob aus Furcht, Mangel an theologischen Begründungen oder Organisation. „Längst schon, im Grunde viel zu lange, sind meines Erachtens diejenigen Muslime gefordert, die aus ihrem Glauben motiviert tatsächlich dagegen halten wollen, friedlich, aber intensiv und groß und gemeinsam – gegen das Unheil, das im Namen ihrer Religion immer neu über die Menschen kommt. Denn je weniger sie es tun, desto mehr lassen sie zu, dass täglich, stündlich der Verdacht weiter befeuert wird, dass der Islam eine Religion ist, die der Welt Angst macht und ihr nicht den Frieden bringt“, schreibt der Bischof.

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